Wochenbericht: 7. bis 13. März. Mit Peter Thiel, zwei Beinahe-Katastrophen und einer Oscar-Prognose.
Hollywood fristet in der Gegenöffentlichkeit ein Mauerblümchendasein. Medienkritik ist hier Leitmedienkritik. Das mag am Personal liegen oder an der Wucht der Tagesaktualität, vielleicht aber auch daran, dass die Propaganda im Kino gut verpackt ist und jede Analyse obendrein mit dem Vorwurf Subjektivität zu kämpfen hat. Was bei der Tagesschau jeden anspringt, liegt bei Filmen und Serien oft nur im Auge des Betrachters.
Mein Fazit zum Oscar-Rennen 2026: tolle Produktionen, die jede Minute Lebenszeit wert sind – manchmal allein wegen der Musik, die eine ganz eigene Geschichte erzählen kann („Blood & Sinners“), wegen einer Verfolgungsjagd, die in die Filmgeschichte eingehen wird („One Battle After Another“), wegen einer Auflösung gegen jede Erwartung („Bugonia“) oder wegen eines einzigen Satzes. Ich bin ein Vampir, sagt der Anti-Held in „Marty Supreme“ kurz vor Schluss. Jahrgang 1601. Das zielt auf den schwarzen Adel, auf das System Epstein und auf die Aussichtslosigkeit. Was ihr auch anstellen mögt, ihr da, daheim im Fernsehsessel: Es wird die Verhältnisse nicht ändern. Ein paar Bonbons vielleicht, wenn ihr nach unseren Regeln spielt und im Wortsinn die Hosen runterlasst. Mehr aber nicht.
In den anderen drei genannten Filmen wird das nicht so deutlich ausgesprochen, sondern unter der Hand erzählt. Ob eine perfekte Untergrundorganisation von links, die über Personal, Geld und Know-how verfügt („One Battle After Another“), ausgeklügelte Logistik und hundertprozentige Überzeugung („Bugonia“) oder der Drang nach Aufstieg und Rausch („Blood & Sinners“): Es gibt Kräfte, die stärker sind. Der tiefe Staat, Außerirdische, Vampire. Kräfte, die nicht von eurer Welt sind. Bleibt also daheim, arbeitet fleißig und zahlt Steuern. Für alles andere sorgen wir. Ausnahme von dieser Regel: „F1“ mit Brad Pitt – ein Film gegen den Jugendwahn und vieles andere, was die TV-Nachrichten als Sünde markieren. Meine Prognose: Bester Film wird einer von den anderen. Der nächste Newsletter kommt in zwei Wochen – am 28. März. Dann erklären wir auch, warum die Webseite jetzt etwas anders aussieht (stärker in Richtung Medienportal).
Texte
Rettet den Bayerwald! Klingt nach Hollywood, hat aber einen realen Hintergrund. Das Bild oben nimmt vorweg, was die Regierung in Bayern plant. Ich war bei einem Info-Abend in Bodenmais.
Zweifel am Rechtsstaat. Ein junger Mann stirbt, und der Täter bekommt Bewährung und Sozialstunden. Ein Kommentar von Simone Manger.
Siegeszug der Etatisten. Schwarzer Sonntag für Freiheitsfreunde und Regierungskritiker in der Schweiz. Bargeld- und Halbierungs-Initiative scheitern an der Wahlurne. Überblick von Michael Straumann.
Das stumme Verschwinden. Eine neue Folge aus der Serie „Atomkrieg aus Versehen“, wieder von Bastian Alexander Werner. Thema diesmal: Ein US-Bomber mit Plutonium stürzt 1956 über dem Mittelmeer ab.
Gurkenjournalismus. Axel Klopprogge hat KI einen Lifestyle-Artikel schreiben lassen und sagt: sinnlos, das Ganze. Und: Geht dort hin, wo der frische Wind weht – in die „wirkliche Wirklichkeit“.
Im Darkroom der Weltelite. Auch eine Wirklichkeit, beschrieben von Max Chafkin in seinem Buch über Peter Thiel und besprochen von Beate Broßmann.
Hauptsache mit Haltung. Noch einmal der Film – diesmal in Deutschland. Eugen Zentner über die Folgen staatlicher Förderung und den langen Arm der evangelischen Kirche. Die Komödie „Extrawurst“ bekommt trotzdem ein Lob.
Der Absturz von Yuba City. Fünf Jahre und vier Tage nach dem Plutonium-Bomber im Mittelmeer. Ein Beinahe-Armageddon wird zur technischen Panne umgedeutet. Sie ahnen es: Autor ist Bastian Alexander Werner.
Videos
Teil zwei der Interviewserie mit Michael Sailer ist da. Thema: Was ist mit der Jugend los? Es geht um Schule, Medien, Generationen.
Kurse
Die beiden Frühjahrsseminare (Kompaktkurs Journalismus und „Intellektuelle Selbstverteidigung“) sind so voll, dass sich nicht einmal mehr eine Warteliste lohnt. Es wird aber Neuauflagen geben. Im Herbst:
24. bis 27. September: Interview
8. bis 11. Oktober: Journalismus-Retreat
Jederzeit (wochentags, Anfragen per Mail): Still bleiben, dagegenhalten, weglaufen? Wie wir im Gespräch bleiben
Sonstiges
Das Seminar „Wie wir im Gespräch bleiben“ nimmt langsam Formen an. Nach einem Test im November war ich damit Donnerstag in Leipzig. Sechs Stunden mit 29 Leuten in einem Gastraum. Kein Beamer und keine Tafel, dafür aber viel Leben, ein wunderbarer Austausch und zwischendurch gutes Essen. Macht Lust auf mehr.