Wochenbericht: 28. Februar bis 6. März. Mit einem Dauerbrenner, einem Elfmeter und viel Ostdeutschland.
„Post für Frank Alexy“. Ich zähle diese Mails nicht mehr. Der Artikel „Verschenktes Potenzial“ ist seit mehr als zwei Jahren online, und immer noch schreiben dankbare Leser. Frank Alexy, der Autor, war bei uns im Kompaktkurs und hat dann gewissermaßen sein Gesellenstück geliefert, das einen schlummernden Meister verrät. Es geht um eine „Ausbildung zum Potentialentfaltungscoach nach Gerald Hüther“, die für Alexy zum Desaster wurde. Sein Bericht, so lese ich das in den Mails, trifft das, was auch andere erlebt haben, und bewahrt manche davor, den gleichen Fehler zu machen.
Gerald Hüther steht auch, deshalb schreibe ich das, in dem Buch „Wem die Welt gehören könnte“, das ich hier schon letzte Woche beworben habe. Ulrich Gausmann und Peter Schmuck sammeln dort reale Utopien von unten – eine Fülle von Projekten, die sich der Logik von Markt und Kapital entziehen und das Leben anders organisieren wollen. Wohnen, Ernährung und Handwerk, Handel, Energie und Reisen, Medien, Bildung und Gesundheit. „Dieses Buch soll zur Inspiration dienen“, schreiben die beiden am Ende und benennen damit Stärke und Schwäche in einem Atemzug. Wer eine Idee hat und dafür Vorbilder sucht oder Anschluss, wird garantiert fündig. Die Hindernisse dagegen, die der Gesetzgeber aufstellt, muss man genauso selbst erkunden wie die Wucht der Moralisierung, die gar nicht so wenige der neuen Gemeinschaften zerrissen hat, sowie das, was jedem Idealisten in einer profitorientierten Umwelt droht. Dabei helfen kann Journalismus. Frank Alexy. Die Freie Medienakademie hat im Buch eine halbe Seite bekommen, direkt über der Utopie-Akademie von Ulrich Gausmann.
Texte
Bürgerlicher Tod. „Wer in der freien Wildbahn auf Menschen stößt, die weiter an Recht und Gesetz glauben, hat mit diesem Buch eine Argumentationshilfe.“ Meine Rezension zu „Aller Rechte beraubt“ von Hannes Hofbauer.
Wichtig sind die Menschen. Eine Lebensgeschichte aus Spanien, aufgeschrieben von Axel Klopprogge. Passt zum Buch von Ulrich Gausmann und Peter Schmuck, weil es hier auch um Widerstände geht, die jeder Pionier überwinden muss.
Deutscher Garten schuldenfrei. „Ich bin stolz, aus eigenem Verstand kein Antideutscher zu sein“, sagt Hans der Kleingärtner und beantwortet am Ende ganz nonchalant die vier großen Fragen von Immanuel Kant.
Friedrich trifft Döpfner. Rumen Milkow war beim Ost-West-Verlegergipfel in Berlin und hofft auf eine zweite Runde, weil der Springer-Chef nach 90 Minuten zum Geburtstag seiner Mutter musste.
Naturschutz unerwünscht. Von der Hauptstadtbühne in den Leipziger Auwald. Dieter Korbely erzählt von einem Verein, der es nicht in das Buch von Gausmann & Schmuck geschafft hat, obwohl er Politik und NGOs ein Dorn im Auge ist.
Der Sog der Simulation. „Ignorance is bliss.“ Felix Feistel sieht den Wahlkampf in seiner Heimatstadt und denkt an Cypher, jene legendäre Matrix-Figur, die ihre Freunde verrät, um die Wirklichkeit gegen eine Traumwelt tauschen zu können.
Selbsthass Ost. Noch eine Rezension von mir. Jana Hensel, 1976 in Borna geboren, beschimpft in ihrem Buch „Es war einmal ein Land“ die Ostdeutschen, wird dafür aber in den Leitmedien nicht geliebt, weil sie auch mit Chrupalla, Krah und Hermenau gesprochen hat.
Wieder einmal alternativlos. Wer den Iran vermisst hat: Hier ist er. „Regime Change ist das einzig Wahre“, meint Nikolaus Blome im Spiegel. Ein Elfmeter für Helge Buttkereit am Medien-Tresen.
Videos
Für meine Analyse der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung habe ich abgekupfert. Ost! Ost! Ostdeutschland stand erst in Nummer eins dieser neuen Zeitung und dann auf meinem Thumbnail. Mit den Reaktionen der Leitmedien, der Geschichte des Ausverkaufs der DDR-Medien durch die Treuhand und einem Blick in die ersten beiden OAZ-Ausgaben.
Kurse
Die beiden Frühjahrsseminare (Kompaktkurs Journalismus und „Intellektuelle Selbstverteidigung“) sind so voll, dass sich nicht einmal mehr eine Warteliste lohnt. Es wird aber Neuauflagen geben. Im Herbst:
24. bis 27. September: Interview
8. bis 11. Oktober: Journalismus-Retreat
Jederzeit (wochentags, Anfragen per Mail): Still bleiben, dagegenhalten, weglaufen? Wie wir im Gespräch bleiben
Sonstiges
„Die kastrierte Öffentlichkeit“ heißt mein Aufsatz in der neuen Ausgabe von Tumult, wunderschön bebildert mit einem Trinkgedächtnis von Bratislaus Metulczki. Im Heft gibt es auch einen Text von Till Kinzel, der mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass mein Buch „Das Rote Kloster“ im Infodienst für Bibliotheken neutral-wohlwollend besprochen wurde.