Der ehemalige Chef-Virologe Prof. Detlef Krüger machte kürzlich in der Corona-Enquete-Kommission des Brandenburger Landtags Aussagen, die denen des Regierungsberaters Drosten eindeutig widersprechen.
Der ehemalige Chef-Virologe der Berliner Charité, Prof. Detlef Krüger, sagte kürzlich in der Enquete-Kommission «Lehren aus der Coronapandemie» des Brandenburger Landtags aus. Als Sachverständiger ist er auf Wunsch der CDU-Fraktion Mitglied dieses Gremiums. Sein Vortrag bei der öffentlichen Sitzung3) galt dem Thema «Grundlagen der Virusepidemiologie und Seuchenbekämpfung».
Der Wirtschaftsinformatiker und Datenanalyst Marcel Barz, der selber in der Thüringer Corona-Enquete-Kommission als stellvertretender Sachverständiger für Tom Lausen agiert, war als Beobachter dabei. Barz hat darauf hingewiesen, dass Prof. Krüger der Vorgänger von Christian Drosten bei der Charité war und beide nun «komplett gegensätzliche Darstellungen» in Sachen «Pandemie» vertreten.
Barz folgert daraus, dass «mindestens einer von beiden lügt». Eine Aufarbeitung sei so nicht möglich, da es keine fachliche Debatte mehr gebe. Alles verkomme zu einer reinen Glaubensfrage – je nachdem, welchem Experten man glaube.
Über die Aussagen von Drosten (in Sachsen) hat die Journalistin Aya Velázquez kürzlich berichtet. Die Ausführungen Krügers hat der «Erbsenzähler» Barz in einem Video-Ausschnitt aus der Kommissionssitzung online gestellt:
https://www.youtube.com/watch?v=9eLOrRywtUI
Krügers drei Kernaussagen, die den Positionen Drostens in der Tat diametral gegenüberstehen, sind:
- Die unklare Datenlage ist Folge der fragwürdigen Covid-19-Falldefinition.
- Ein epidemisches Geschehen endet erst durch «Herdenimmunität» nach natürlicher Infektion. Demnach kann eine absolute Infektionsverhütung kein strategisches Ziel sein.
- Die Bekämpfung darf nicht schädlicher sein als das Problem selbst.
Der frühere Direktor des Instituts für Virologie stellte in seinem ruhigen Vortrag von Anfang an klar, er wolle nicht im Nachhinein als Besserwisser auftreten, sondern «eigentlich Lehrbuchwissen referieren, was ich meinen Studenten jahrzehntelang beigebracht habe, und wovon man sonderbarerweise in der Corona-Zeit wenig respektiert hat». Es sei de facto mehr Angst und Hysterie geschürt als Information verbreitet worden.
Wo sind die Daten?
Das Grundproblem der mangelnden aussagekräftigen Daten resultiere aus der fehlerhaften Falldefinition. Diese habe nicht auf Krankheitsdaten beruht, sondern auf der positiven Testung, und diese Fokussierung auf die Infektion statt auf die Krankheit habe sehr viel Schaden angerichtet. Krüger wörtlich:
«Das ewige Verwechseln von Covid-19 (also der Erkrankung) und den sogenannten Fällen (also den PCR-positiv getesteten Personen) egal, ob sie krank sind oder nicht, hat zu einem riesigen Datengemisch geführt. (…) Covid-Statistiken sind eigentlich nur PCR-Statistiken.»
Der alte epidemiologische Begriff der «Inzidenz» als Anzahl Erkrankter pro Einwohner habe plötzlich nicht mehr existiert. Stattdessen habe eine «Infektions-Inzidenz» gegolten, im Sinne von SARS-CoV-2-Testpositiven. Die Folge sei: «Je nachdem, wie viel und wen man misst, kann man diese Werte total verändern». Das sei entsprechend kein vernünftiges Kriterium, um die Schwere einer Pandemie zu erkennen, sagte er den Abgeordneten, denn wichtig wäre die Krankheitslast.
Als nützliche Leitlinie für den Umgang mit einem mutmaßlich neuen, krankmachenden Erreger hätte 2020 der nationale Pandemieplan des Robert Koch-Instituts (RKI) von 2017 dienen können, bei dem es hauptsächlich um Influenza ging, so Krüger. Covid und Influenza seien sehr ähnlich. Aber dieser Vergleich sei damals von Politik und Medien als «Bagatellisierung der Corona-Situation» zurückgewiesen worden, während beispielsweise für Kinder Covid kaum gefährlich sei, die Grippe dagegen schon. Krüger ergänzte:
«Das mangelnde Wissen von Leuten, die in irgendwelchen Stäben saßen, hat mich sehr erschüttert.»
Der Virologe erinnerte daran, dass alle Maßnahmen immer auch soziale, ökonomische und kulturelle Kollateralschäden verursachen. Eine Epidemie sei zu Ende, wenn ein Großteil der Bevölkerung eine Immunität aufgebaut habe. Lockdowns, Versammlungsverbote und dergleichen würden jedoch Infektionen verhindern und somit die Bevölkerungsimmunität nur hinauszögern.
Fremdschutz durch Impfen?
Die «Freunde des Impfens» hätten so gerne gewollt, dass durch die Injektion das Corona-Problem gelöst würde, weil dann Fremdschutz existieren würde, erklärte der Professor und fügte hinzu: «Das kann durch diese Art der Impfung nicht passieren. (…) Auch das war alles bekannt.» Zu zwei Aspekten bezog er sich wiederum explizit auf das Lehrbuchwissen:
- Ein Vollvirus (natürliche Infektion) erzeuge komplexere und wirksamere Immunität als ein einzelnes Protein (mRNA-Spikes). Gegen Letztere richteten sich in der natürlichen Infektion außerdem immunpathologische Prozesse [Autoimmunreaktion], «und genau dieses Protein nehmen wir dann auch noch zur Immunisierung».
- Die Art der Applikation des «Impfstoffs» sei noch entscheidender: Intramuskulös könne sie bestenfalls Eigenschutz generieren, aber keinen Fremdschutz.
Als Fazit der «Impflösung» sieht Krüger folgendes:
- Es gibt einen gewissen Eigenschutz.
- Der Fremdschutz ist gering bis gar nicht vorhanden.
- Nebenwirkungen sind real.
Insbesondere der geringe beziehungsweise fehlende Fremdschutz bringt den erfahrenen Virologen dazu, real existierende Maßnahmen wie Impfpflicht oder Impfdruck in Frage zu stellen. Besonders belaste ihn der Impfdruck gegenüber Kindern, denn die seien bei Corona keine Risikogruppe. Eine Nutzen-/Risiko-Abschätzung für einen nur vorläufig zugelassenen Impfstoff dürfe sicher keine Menschen umfassen, die gar nicht erkranken. Krüger resümiert diesbezüglich:
«Diese Idee, dass die Kinder nun Oma und Opa infizieren, wenn sie nicht geimpft sind, die war natürlich – mit Verlaub gesagt – Blödsinn.»
Abschließend listet Krüger eine Serie von Bußgeldkatalogen auf, die das Land Brandenburg «auf Grundlage von wissenschaftlichen Erkenntnissen bestimmter wissenschaftlicher Berater der Bundesregierung» erlassen hat. In diese Kategorie würde natürlich auch ein gewisser Christian Drosten fallen.
Marcel Barz fragt sich, ob die Widersprüche zwischen den beiden Wissenschaftlern vielleicht gar nicht belegbar sein sollen. Wenn bei einigen Zeugen Wortprotokolle geheim und Aufzeichnungen verboten seien, wären Widersprüche faktisch nicht belegbar. Die Frage sei: «Wer schützt hier eigentlich wen?»
[Titelbild: Screenshot Landtag Brandenburg]
Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben und ist zuerst auf Transition News erschienen.