Wenn der Koch die Gäste vergrault
Der vorangegangene Chef-Koch wurde wegen mangelnder Kochkünste und Unfähigkeit vorzeitig aus seinem Vertrag entlassen. Niemand weiß wirklich so genau, in welcher Fritten-Bude er untergekommen ist, um dort Wasser für den Abwasch zu kochen.
Der neue Chef-Koch hat eine überarbeitete Speisekarte versprochen, weil die Gäste die sich ewig wiederholenden Menüs und Tagesgerichte leid waren. Passiert ist nichts. Stattdessen hat er veranlasst, dass die Preise erhöht werden.
Die Gerichte schmecken inzwischen nach nichts, aber der neue Chef-Koch weigert sich massiv dagegen, die Würzmischung zu ändern. Gleichzeitig lässt er sich von seinem ersten Beikoch auf der Nase herumtanzen, der obendrein ununterbrochen neue Töpfe und Pfannen kauft, obwohl dringend zuallererst ein neuer Herd angeschafft werden müsste.
Jeder legt seinen Schwerpunkt auf etwas anderes, so ziehen zwei an einem Seil und nichts bewegt sich. Gleichzeitig sind sie aber auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen, weil sonst beide ihren Job verlieren würden. Das ist das Dilemma.
Unter dem sonstigen Küchenpersonal macht die Runde, dass der erste Beikoch eigentlich der Chef-Koch ist, weil der Chef-Koch sein Handwerk nicht versteht. Der erste Beikoch ist wiederum auch nur Autodidakt, gelernt hat er das Kochen nie. Das ist ein weiteres Dilemma. Das führt zu mangelnder Disziplin und geht bis zur völligen Verachtung beider, ob solcher Heinis, von denen zumindest von einem bekannt ist, dass er unbedingt ein Mal in seinem Leben Chef-Koch sein wollte.
Den Stammgästen in dem gutbürgerlichen Gasthaus schmeckt das Essen nicht mehr, der Gastraum wird zusehends leerer, weil sich viele inzwischen ein anderes Gasthaus ausgesucht haben. Und viele können sich den Gang ins Gasthaus schon gar nicht mehr leisten.
Das Gasthaus um die Ecke freut sich darüber, dass die nicht funktionierende Küche der beiden unfähigen Köche ihm viele neue Gäste beschert. Da weht ein frischer Wind, das Personal stimmt, kein Schnickschnack, man kocht ehrlich. Das wird den Rosenkrieg der beiden Nicht-Köche sicher gut überstehen, obwohl gegen es zahlreiche Intrigen laufen, die das verhindern soll.
So trägt der talentlose Chef-Koch, aber auch der ebenso untalentierte Beikoch dazu bei, dass das seit über 70 Jahren bestehende Gasthaus über kurz oder lang schließen muss, weil irgendwann gar keiner mehr diesen Fraß essen will.
Wahrscheinlich wird es dann (erste Anfragen gab es schon) ein weiteres orientalisches Restaurant geben, was rein kaufmännisch Sinn machen würde, weil hier die Nachfrage nach heimischer Küche durch eine steigende Zahl von potenziellen Gästen stetig wächst.
Unter denen gibt es so einige, so ist es Brauch, die ihr eigenes Messer mitbringen, weil ihnen die im Restaurant oft zu stumpf sind.
So verändert sich langsam die Esskultur. Aber nicht nur die. Auf dem großen Platz vor dem Gasthaus ist zur Gefahrenreduktion geplant, den noch existierenden Weihnachtsmarkt in einen Erlebnis-Basar nach orientalischem Vorbild umzugestalten und die Kirche am Ende des großen Platzes soll für einen Euro verkauft werden. Geht eh keiner mehr hin. Auch hier gibt es schon Interessenten für eine am Bedarf orientierte Gebetsstätte.
Dieser bunte Markt mit wohlriechenden Kräutern und Gewürzen, Fastenzeit-Endfiguren ohne Flügel, Tüchern und Gewändern, Badespezialkleidung, geschächtetem Allerlei und vielen anderen exotischen Artikeln gefällt seltsamerweise vielen Alt-Orientalen nicht, die mittlerweile über Generationen George Michaels Weihnachtsliebeslied mit Herz liebgewonnen haben, die obwohl es nicht zu ihren Sitten gehört, ein Immergrün im Dezember in ihre Stube stellen und sich bisher auch sonst ganz gut in ein Land mit ganz anderer Küche angepasst haben und sich im Großen und Ganzen recht wohl fühlen, die sogar auf Weihnachtsmärkte nicht verzichten möchten. Wir leben in seltsamen Zeiten.
Manche von Ihnen sind sogar ab und zu selbst in das Gasthaus „Zum kanzlernden Friedrich“ eingekehrt und haben einen starken Kaffee an der Theke getrunken und sich gut mit den Anhängern des Weihnachtsbrauchs unterhalten und vertragen. “Tisch 9 kann!”, ruft gerade einer am Salamander. Muss Schluss machen.
(Bei diesem Text handelt es sich um KI-freien, selbst erarbeiteten „Origin Human Brainstorm Content“.)
(Wem meine Artikel gefallen: Einen Satoshi in Ehren kann niemand verwehren. Danke!)
“Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben.”
* *
(Bild von pixabay)