Freie Medienakademie VI

Wochenbericht: 8. bis 14. November. Mit Messeschlaglichtern, einer toten Schwiegermutter und einem Streit zwischen zwei promovierten Marx-Kennern.

Halle wirkt nach – bis zu den Links in diesem Newsletter. Man kann lesen, wie ich die Büchermesse Seitenwechsel erlebt habe, sich einen Autor empfehlen lassen, der dort war (Jörg Bernig), und nachhören, was ich auf der Bühne gesagt habe. Und: Wenn jemand einen “einen U40-Autor aus dem linken Spektrum” kennen sollte, der Lust hat, ein Buch über die “sogenannten Neuen Rechten” zu schreiben, dann kann er ihn an Martin Sell vermitteln, der mit einem Autorenvertrag winkt, obwohl oder weil er in Halle mit Leuten von der Antifa zu tun hatte.

Der Medienforscher, der ja immer noch in mir wohnt, hätte eigentlich aufschreiben müssen, was die Staatsmedien aus dem Ereignis gemacht haben. Ganz klassisch: Was wird herausgegriffen und was weggelassen? Wer darf sprechen und wer nicht? Und wie fällt das Urteil aus? Das Problem: Dieses Urteil stand vorher fest. Wohin auch das Auge blicket: Tristesse pur. Die immergleichen Phrasen. Das richtet sich selbst und muss nicht mehr analysiert werden.

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Texte

Freiheitsmesse. Ganz ohne Steuergeld hat Susanne Dagen, Buchhändlerin aus Dresden, ein Lesefest auf die Beine gestellt und mehr als 6000 Menschen nach Halle gelockt. Die Gegendemo noch gar nicht mitgezählt.

Assistierter Suizid. Rumen Milkow war dabei, als seine Schwiegermutter gestorben ist. Das Erlebte lässt ihn auch mehr als zwei Jahre später nicht los. Nichts für schwache Nerven.

Mehrarbeit. Axel Klopprogge schimpft in seiner Kolumne Oben & Unten über „eine wachsende Schicht, die den Wertschöpfenden auf der Tasche liegt und sie durch Überregulierung und Meldepflichten von der Arbeit abhält“.

Müssen wir mehr arbeiten? Dieser Klopprogge-Text hat Ulrich Gausmann nicht schlafen lassen. 1:13 Uhr kam seine Replik. Gausmann geht es nicht um „die berechtigte Bürokratie-Kritik“, sondern um Eigentumsverhältnisse. Bei Klopprogge eine Leerstelle, sagt er.

Niemandszeit. Wie das Zusammenleben sein könnte ohne Kapitalismus und ohne all das, was das Meinungsklima vergiftet, zeigt ein Roman von Jörg Bernig, der zwar schon ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel hat, aber den Blick öffnet für das Hier und Jetzt. Tolle Geschichte, grandios erzählt.

Wo Licht, wo Irrlicht? Daniel Sandmann haut bei seiner Premiere am Medien-Tresen gleich auf die Pauke und liest einer Opposition die Leviten, die den Antichrist beschwört (Apolut) und von irgendeiner Transformation träumt (in einer Manova-Runde).

Buchmesse mit Weitblick. Noch ein Bericht aus Halle. Verleger Martin Sell hatte zwar keinen eigenen Messestand, aber Erlebnisse, die ihn zu diesem Text angeregt haben. Mit Vorschlägen für ein neues Messekonzept.

Videos

Mein Gespräch mit Gabriele Gysi hat ein paar schöne Kommentare produziert. Am nächsten Freitag folgt Jürgen Müller, Anwalt und Aktivist aus München, der eine weite Reise hinter sich hat. Startpunkt: Klimanotstand.

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Kurse

Das Programm für 2026. Bewerbungen mit Motivationsschreiben möglichst bald.

30. April bis 3. Mai: Intellektuelle Selbstverteidigung

13. bis 17. Mai: Kompaktkurs Journalismus

24. bis 27. September: Interview

8. bis 11. Oktober: Journalismus-Retreat

Sonstiges

Neu in der Kontrafunk-Reihe „Tondokument“: mein Vortrag „Staatsfunk“, mit dem das Hallenser Bühnenprogramm losging. Zwei Teile freie Rede und zwei Lesestücke. Belltower.News, das Portal der Amadeu Antonio Stiftung, hatte einen Reporter vor Ort, der nicht nur von meinem Auftritt ein Zerrbild gezeichnet hat.

Links

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