...wenn die Graswurzel sprechen könnte
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Graswurzel (Bewegung)
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Was würde die Graswurzel antworten, wenn sie sprechen könnte?
Was wären denn die Fragen?
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Wie geht es Dir?
Wie findest Du Deinen Standort hier im Rasengitterstein auf dem Parkstreifen?
Fühlst Du Dich frei?
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Vielleicht würde sie sagen …
„Also zuerst möchte ich mal feststellen, dass es noch viel schlimmer sein könnte. Ein Leben im Rasengitterstein ist zwar nicht der Traum eines Grashalms, aber wir haben hier viel Kontakt zu den Menschen, denn der Parkstreifen vor dem Schlossgarten ist für Autofahrer attraktiv, weil kostenlos. Hier ist immer was los. Die Menschen parken meist nur kurz, gehen in den Imbiss oder zur Tankstelle, um sich Essen oder eine Limo zu kaufen oder besuchen jemanden im Krankenhaus, welches sich neben dem Park befindet. Manche werfen achtlos eine Zigarettenkippe auf uns oder eine leere Schachtel. Kleine Kinder springen aus dem Auto, Türen werden geknallt. Irgendjemand hupt. Motoren heulen und Bremsen quietschen Tag und Nacht. Ruhe gibt es hier nur für ein zwei Stunden in der Nacht. Die Sirenen der Krankenwagen hören wir stündlich. Kaum ein Vogel oder Eichhörnchen traut sich zu uns. Aber Menschen sehen wir täglich. Wir lieben Menschen.
Wir sind hier, weil die Rasengittersteine irgendwann mal mit Grassamen befüllt wurden. Es sollte grün aussehen vor dem Schlosspark. Nun sind wir hier. Wir pflegen Kontakt mit der alten Eiche auf der anderen Straßenseite. Sie gibt es schon seit über einhundert Jahren. Sie ist komplett zuasphaltiert. Ihre Wurzelsignale reichen bis zu uns rüber. Wir sprechen jeden Tag miteinander. Wir unterstützen sie im Sommer, wenn das Wasser knapp ist. Wir sind ihre Verbindung zum Park, verstehst Du? Auch der angrenzende Park spricht mit uns.“
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FRAGE: Wie geht`s denn dem Park?
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„Ach ja, soweit ganz gut. Aber er bekommt natürlich mit, was hier im Umfeld los ist. Hochhäuser mit erdrückender Last und Altöl von der Tankstelle, der Waschstraße und den Reparaturbetrieben. Aber der Park macht seinen Job. Er ist der Wasserspeicher für uns alle und die grüne Lunge in der Stadtmitte. Menschen fahren hier Rad, joggen, spielen Fußball und hören Musik. Nebenbei hört der Park den Menschen zu, tröstet, spendet Zuversicht und gibt wertvolle Tipps. Paaren bietet er einen ansprechenden Rahmen für das Kennenlernen und später für Hochzeiten. Oft vergessen die Paare ihre Luftballons und Wegweiseschilder nach dem Event. Das macht aber nichts, denn Kinder oder Besucher des Parks nehmen diese Dinge gerne mit. Familien feiern im Sommer ihre Geburtstage auf der großen Wiese hinterm Schloss. Familien mag der Park sehr. Mütter legen sanft eine Picknickdecke auf den kurzgemähten Naturrasen, sitzen stundenlang mit nackten Füßen unter den alten Bäumen, naschen und trinken Tee und Saft und erzählen sich leise Geschichten von der eigenen Kindheit. Die Väter toben mit den Kindern in der Sonne auf der Wiese bis zum Sonnenuntergang. Gemeinsam räumen alle anschließend alles auf und gehen glücklich nach Hause. Der Park ist, wie gesagt, zufrieden, denn die Menschen schätzen ihn sehr. Die Menschen sind gar nicht so unachtsam wie es immer heißt. Kaum sind sie im Park, werden sie weich und freundlich. Der Park macht etwas mit den Besuchern. Er verändert sie jedes Mal, wenn sie ihn betreten.“
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FRAGE: Wärst Du lieber ein Grashalm auf der Wiese im Park als hier im Rasengitterstein auf dem Parkstreifen?
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„Also die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Auf den ersten Blick betrachtet wirkt ein Leben im Rasengitterstein natürlich bedauernswert und wie im Gefängnis. Aber wir haben hier eine wichtige Funktion. Wir sind eine Schnittstelle zwischen Mensch und Natur. Wir wachsen in Quadraten, das zieht die Aufmerksamkeit des Menschen an. Viele Menschen, die aus dem Auto aussteigen, bleiben stehen und schauen uns fragend an. Wir fühlen uns dann sehr gesehen. Offensichtlich macht unser Anblick etwas mit ihnen. Sie fühlen sich durch uns vielleicht irgendwie erinnert an etwas. Sie leben ja auch in Quadraten, die viel zu klein sind.
Neulich ist eine Frau ganz lange stehen geblieben und hat einfach nur geschaut. Das war intensiv. Dann hat sie ein Foto von uns gemacht. Sie kommt öfters hier vorbei.
Wir, die Graswurzeln, würden gern mal mit den Menschen reden, aber es ist gar nicht so einfach, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Meist haben sie es eilig.“
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FRAGE: Was möchtet Ihr den Menschen denn sagen?
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„Also wir mögen die Menschen, aber sie machen halt vieles, was wir nicht verstehen. Beispielsweise verstehen wir nicht, warum der Mensch Kunstrasen verlegt. Hast du mal den Wikipedia-Eintrag zu „Kunstrasen“ gelesen. Sehr spannend. Aber ökologisch gesehen, eine Katastrophe. Ich hätte dieser Frau neulich gern mal die Geschichte vom Kunstrasen erzählt und sie dann nach ihrer Einschätzung zum Thema gefragt.
In Deutschland gibt es ca. 5000 Kunstrasenplätze.
Kunstrasen erwärmt sich bei Sonne stärker als Naturrasen, Stein und Asphalt.
Verfüllt werden diese Spielfelder mit Gummigranulat aus Altreifen. In Deutschland gelangen jährlich ca. 10.000 Tonnen Gummigranulat in die freie Umwelt, nicht nur von den Spielfeldern, sondern auch von dem Abrieb der Reifen auf den Straßen. Man nennt diese Stoffe auch Mikroplastik. Natürlich gibt es unterschiedliche Studien, die bezüglich der Abfluss- bzw. Abriebmenge alle etwas anderes aussagen.
Ich könnte Dir noch so viel über den Kunstrasen erzählen, aber lies selbst nach auf Wikipedia.
Das Anlegen und der Rückbau eines Kunstrasens in der Größe eines Fußballfeldes kosten so viel wie der Bau von mehreren Häusern. Kunstrasen verbraucht teils sehr viel Wasser, obwohl da kein einziger Grashalm wächst. Die verwendeten Materialien wurden in den 20er und 30er Jahren teils von I.G. Farben patentiert und haben weltweit große Gewinne eingefahren. Ein Stoff, der seit 1927 bekannt ist, wurde bislang offiziell noch nicht auf seine Gefährlichkeit eingestuft, obwohl er auch in großen Mengen in Boden und Wasser übergeht. Der entstehende Plastik-Abfall nach Rückbau oder Erneuerung einer Kunstrasenanlage wird nach China exportiert und dort angeblich recycelt.
Die Geschichte des Kunstrasens, die hohen Kosten, die aufwendige Pflege, die Eigenschaften des Rasens, der schwierige Rückbau, die vermeintliche Wertstoffaufbereitung, das Problem mit dem Mikroplastik und das riesige Geschäft des Profisports rund um den Kunstrasen erzählt so viel über die Menschen.
Auf einem normalen Naturrasen kann man vielleicht nicht jeden Tag mit 20 Leuten 5-7 h Fußball spielen, aber er hat so viele Vorteile im Gegensatz zum Kunstrasen. Er ist bereits erfunden, er ist mit Sicherheit ungefährlich für Mensch und Natur, er sät sich allein aus, er hält ewig, man möchte ihn im Sommer nicht missen, weil er wunderbar kühl an den Füßen ist und man weich landet, wenn man sich auf ihn fallen lässt. Man kann kein Geschäft mit ihm machen, das macht er nicht mit. Man muss ihn ab und an mähen, wenn man ihn kurz haben möchte. Man kann ihn auch länger wachsen lassen, dann hat man Butterblumen oder Margeriten drauf. Man sollte Kindern nicht verbieten, auf ihm zu spielen, denn das mag er am liebsten.
Naturrasen ist das Original, Kunstrasen die industrielle Hochleistungsvariante, die kein Mensch braucht, die aber in wichtigen DIN-Normen geregelt wird. DIN-Normen sind ein freiwilliger Standard, in dem materielle (und immaterielle) Dinge vereinheitlicht werden.
Warum haben „freiwillige“ Dinge so eine Wichtigkeit?
Was bedeutet bei den Menschen eigentlich „freiwillig“?
Verstehst Du nun, dass wir Graswurzeln hier in den quadratischen Rasengittersteinen vor dem Park eine wichtige Funktion haben? Wir erinnern die Menschen an sich selbst, wie sie leben und wie ungesund und krankmachend ihr Leben ist. Dafür wachsen wir hier. Wir sind ihr mahnender Spiegel. Im Grunde unterscheidet uns ja nicht viel von den Menschen. Wir fühlen, wie es ihnen geht. Wir lieben sie. Und wir lieben Kinder, die auf uns Fußball spielen. Wir teilen ihre Sorgen. Wir sprechen sie an, und wenn es sein muss, auch aus einem Rasengitterstein heraus. Was macht man nicht alles, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.
Erinnert Euch an Freiheit, echte Freiwilligkeit und echten Naturrasen, auf dem Spielen niemals verboten ist. Sport kommt von Spielen, kreativ sein, sich ausprobieren. Sport ist die Freude am Unterschied, nicht am freiwilligen Standard. Sport ist immer freiwillig wie jedes kreative Spiel. Sport braucht kein Konzept, keine geldwerte Belohnung und vor allem keine DIN-Norm für Kunstrasen. Im Sport begegnet Ihr Euch selbst, Eurer ureigenen Natur, Eurer Kraft, Eurer Freude, das ist Lohn in sich. Und im Sport begegnet Ihr der Umwelt als Spielpartner zum Laufen, Klettern, Schwimmen, Eislaufen und vielem mehr. Die Natur, die Euch umgibt, macht was mit Euch, mit Eurem Körper, Eurem Gefühl und Eurem Geist. Manchmal, wenn man ganz viel Sport gemacht hat, dann kann man sogar die Einheit mit der Natur und jedem Grashalm spüren. Man kann sich auch einfach ins Gras legen und den Grillen zuhören oder bei klirrender Kälte auf den zugefrorenen See schauen, dann spürt man das auch. Die Natur spürt man aber nur, wenn kein Kunstrasen und keine Teichfolie dazwischen ist. Der Geist der Natur muss atmen und Dich anfassen können. Matschiger Rasen nach der Schneeschmelze, lädt Dich ein, auf ihm auszurutschen. Das ist sein Spiel mit Dir. Im Sommer zieht er sich gelb und trocken zurück. Aber er bildet damit ein schattiges kühles Dach für die Kleinen der Kleinsten. Es kreucht und fleucht dann überall. Im Herbst trägt er ein langes und zotteliges Fell. Im Winter ist der Rasen gefrostet und macht bei jedem Schritt Geräusche, wie wenn ein Pferd einen Apfel frisst. Die Natur regt Deine Phantasie an.
Niemand darf dem Rasen sagen, wie er auszusehen hat, wen er beherbergen und ob er Geräusche machen darf. Er darf glitschig und schlitterig sein, wenn er das will. Er drückt sich dadurch aus. Und dass er auch in Rasengittersteinen wächst, ist lediglich seiner puren Freundlichkeit dem Menschen gegenüber zu verdanken.
Die Graswurzel ist frei, genau wie der Mensch.
Am liebsten lebt sie ihr volles Potenzial in einer natürlichen Umgebung, genau wie der Mensch.
Sie passt sich aber auch an, wenn es sein muss, genau wie der Mensch.
Aber sie vergisst nie ihre wahre Natur. Sie ist das Haar der Erde.
Sie ist einzigartiges ewiges Spiel, das nur göttlichem Plan folgt.
Und genau so ist der Mensch kein Objekt, kein Besitz, sondern ein freundlicher Besucher, ein liebevoller Gärtner auf zwei Beinen, ein Beschützer dieser Natur.
Beide brauchen einander. Der Rasen braucht die Information, den Fußabdruck, des Menschen, der auf ihm läuft, damit er weiß, welche Blumen und Pilze er wachsen lassen muss. Und der Mensch braucht den Rasen, das weiche Gras, das grüne Wohnzimmer für die Seele, um sich zu erinnern und sicher verbunden zu fühlen.
Beide spiegeln sich, sie lernen voneinander. Und am Ende sind sie wieder eins.“
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