Suggestive Mechanismen

Muster erkennen

Wüsste ich jedes Wort auf der Klaviatur der Sprache zu spielen, besser als jeder der alten Meister, es läge doch kein Wert darin.

Welch Sinn hat es, wenn jemand das Wort ergreift, dem die Bühne fehlt? Und umgekehrt, wieviel Wort ist bereits für wertvoll erachtet und oft oder von vielen gehört worden, bloß dem Besitz einer großen Bühne wegen?

Es ist das Phänomen des Einzelkämpfers. Der Kämpfer überhaupt ist erst dann ein akzeptierter unter seinesgleichen, wenn -allen Widrigkeiten trotzend- er sich selbst zu etwas gemacht hat. Erst die wiederholte Überwindung eben jener Feinde, bringt dem Mann die Anerkennung ein, welche er sich schwört zu überflügeln und ihrer nicht zu bedürfen.

Punkt. Abweichung und Relativierung bestätigt das Muster. Ein simpler wie wirkmächtiger Mechanismus, der die Durchsetzungsfähigkeit fördert, indem er ihre Anwendung forciert.

Der Schwachpunkt jedes Musters, ist seine Gültigkeit. Die normative Kraft des faktischen zwingt es stets, dem Selbsterhalt wegen zu Erstarren um so seine Form zu stabilisieren. Merke, die Stabilität und Form eines Musters entsteht durch Wiederholung. Der Veränderung folgt die Anpassung und dort fallen Muster automatisch aus der Rolle.

Der Konformitätsdruck wird früher oder später als solcher erkannt und es folgt der Ausbruch aus dem Muster, um Raum für die eigene Veränderung, dass eigene Wirken sich zu schaffen. In jedem Muster liegt also nicht bereits die Möglichkeit dazu, sondern ebenso die Notwendigkeit und Begründung verankert, sich früher oder später aufzulösen.

Wo das Muster erfolgreich wirkt und starr aber auch manifestiert da liegt, da kommt es zur Ruhe und findet die Möglichkeit der Erfüllung und Präsenz im Wirken, auch in der Erhaltung der eigenen Form, wohl wissend um die eigene Vergänglichkeit und den ewig klein bleibenden Raum. Ohne den Anspruch, über sich hinauszuwachsen, entsteht auch kein Mangelempfinden an Raum oder Zeit.

Eine Struktur, welche sich ihrer selbst bewusst wird und dabei stabil bleibt, empfindet weder Mangel noch Anspruch an sich. Sie ist eins mit ihrer Vergänglichkeit und ihrem Sein. Das erstrebte Ideal von Mustern und Strukturen steuert also parallel zwei Formen gleichzeitig an:

1. Sich selbst auflösen um aus sich selbst heraus etwas anderes, neues zu werden. Die Transformation. Ausbrechen und überwinden der alten Muster und etwas neues im neuen werden. Das alte Muster nicht zu verdammen oder zu leugnen, sondern als abgeschlossenes Kapitel hinter sich zu lassen. Wohl kein Lebenszyklus ist dafür so sinnbildlich, schön und eindrücklich, wie der des Schmetterlings.

2. Wo Kraft und Antrieb zur Transformation nicht vorhanden sind, da kommt ein Muster zur Ruhe und ruht in sich. Es gibt das Drängen zum Erhalt und zur Vermehrung, zur Ausbreitung auf und findet Erfüllung im Sein. Das Muster erlahmt, die Struktur stagniert und langsam endet der fraktale Zustand. Das einzelne Fragment verliert niemals die Zugehörigkeit zu seinesgleichen, zum entstandenen Muster. Eindrücklich versinnbildlicht in der Blume.

Der Schmetterling gibt seine Gestalt und sein Verhalten, alles was ihm Individualität verleiht ebenso auf, wie seine naturgegebene Gestalt. All sein Sein widmet er dem bloßen Prozess und jeder Anfang ist ein Beginn. Tatsächlich sind Raum und Zeit irreführende Konstrukte, denn sie machen uns glauben, dass Endgültigkeit oder auch Einsamkeit, ein unabhängiges Existieren überhaupt möglich ist.

In den kleinen Falten und der darin gewonnenen Distanz zu anderem, verorten viele Menschen stets die Gewissheit, dass echte Distanz entstanden sei. Dabei ist die entstandene, wahrgenommene “temporäre räumliche Trennung” niemals eine echte Trennung. Die Illusion wird durch zwei eng zusammen wirkende Effekte nahezu perfekt:

1. Die bloße Vorstellung von Trennung bereits, erschafft Angst, Unbehagen und wirkt lähmend auf das Denken und die Wahrnehmung. Wie bei einer Panik. Dadurch manifestiert sich schnell Punkt .

2. Wenn die Verbindung nicht mehr gespürt und gefühlt wird, wird dadurch die Trennung real und der Betroffene Mensch tatsächlich “verloren”.

Die perfide Gemeinheit an diesem Mechanismus ist es, dass bereits die Angst davor, der Unglaube an die Verbundenheit, mangelndes Vertrauen in das eigene Gespür und Gefühlserleben sowie die Kraft schlechter Erfahrungen alle zusammen bereits jenes Trennungsgefühl auslösen können, dass Trennung so real wirken lässt, dass wir sie für echt halten.

Unser Verstand gewissenhaft darauf bedacht aus negativen Eindrücken und Erfahrungen zu lernen und sie zu vermeiden, entwickelt eine Abneigung gegen das “getrennt fühlen” und verlangt nach Ablenkung. Der Griff zum Smartphone ist verlockend:

Doch auch wenn hier das Trennungsgefühl besonders leicht unterdrückt werden kann, es findet sich auch keine echte Nähe darin. Zu kuscheln oder ein Tier zu streicheln, eine Berührung, ein freundliches Wort kann viele Stunden Online-Zeit überflüssig machen.

Aber der nächste suggestive Mechanismus greift sofort: Wir halten jede Form der virtuellen Begegnung für negativ, minderwertig oder beschämend und erklären ganz unbewusst die “unechte Nähe” zu “falscher Nähe”.

Nur weil du mir nicht in echt begegnet bist, liest du doch wirklich meine Zeilen, likest sie, oder kommentierst. Es findet echter Austausch statt.

Auch darin kann falsche Nähe entstehen, ebenso wie mit Menschen im echten Leben.

Plötzlich merkt der Mann, es ging der Dame immer nur um Geld und Annehmlichkeiten, nie um Nähe.

Plötzlich merkt die Frau, es ging dem Herrn immer nur um Status und Kontrolle, nie um Nähe.

Online ist es schwieriger. Die Beziehung ist nie oder nur extrem selten so tief wie eine echte. Jedoch liegt das lediglich an der Intensität und Qualität der kommunizierten Signale.

Ein echter Kontakt mag die nonverbale Ebene und die Körperlichkeit einschließen, doch ein häufiger und direkter Kontakt, zum Beispiel mit Arbeitskollegen ist selten so vertraut und tiefgreifend wie ein Telefonat oder Chat mit einem lieben Menschen.

Die parasozialen Beziehungen sind ein ziemlich neuartiges und inflationäres Phänomen. Oft genug wird hier der Fehler gemacht und von vorneherein

verkehrt herum argumentiert: Jede Online Beziehung sei einseitig und falsch, richtig ist jedoch, dass sie lediglich nicht echt ist.

Hier kommt der hochgelobte Sprachschatz -in Ermangelung der Fähigkeit alles was ist abbilden zu können-, bereits schnell an seine Grenzen. Ein Makel, den alle Sprache prinzipiell mit allem Ausdruck teilt.

Bilder sagen mehr als tausend Worte.

Berührung sagt mehr als tausend Bilder.

Nähe ist mehr als tausend Berührungen.

In meiner Präsenz liegt tausendfache Nähe. Ich lasse sie zu. Und hier kommen wir wieder zu den Mustern.

Ich bin ein ausgebrochenes Muster. Mein Sein ist ein Pusten in geschmolzenes Glas: Die Luft treibt das flüssige Glas dazu, seine kristalline, innere Struktur auszuformen und das eigene Muster fraktal zu entfalten. Der Drang, selbstähnlich zu wirken und daraus Vorlagen für ein neues Muster entstehen zu lassen.

Lineare Muster sind Ausdruck und Verkörperung, Ordnung und Sinn. Spiralen und Wellen.

Transformation ist Vollkommenheit, Ganzheit im Wandel. Schmetterling, Kokon und Raupe.

Fraktale sind Reinheit, Wachstum, Entwicklung und Kunst. Bäume, Berge und Kristalle.

Ich bin einfach nur Wind. Energie die schwingen möchte. Ich möchte ein Muster werden. Doch meine Form kann niemand darstellen. Mein Sein kann nicht gehalten werden. Ich bin ein berggroßes Sandkorn, dass eine Blume sein möchte.

Wo der Wind mich hinträgt, bleibe Ich. Das Muster, welches mich schuf ist ein Kaleidoskop. Bis mich jemand anhaucht und mein Glas nicht erstarrt ist, puste Ich Energie in den Kosmos.

Es gibt keine Zeit. Es gibt Zyklen.

Muster enden wo Neues entsteht.

Trennung ist eine Illusion.

Ich bin Nähe.

Beobachte lächelnd den Wind,

denn ich atme.

1.00



Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben.

https://eine-million-stimmen-fuer-den-frieden.de/umsetzung/

Autor: Timogenes (1995-2025)


Für Zaps. Timogenes@rizful.com