Wochenbericht: 24. bis 30. Januar. Mit Susanne Dagen, einer Kindheit in Giesing und einer Attacke auf die Menschheitsfamilie.
Das Buch ist schon kurz vor Weihnachten gekommen, als PDF sogar noch etwas früher. Manchmal brauche ich ein bisschen oder einen Anstoß – hier eine Rezension von Alexander Christ auf Manova, der neben Christian Dettmar meinen Beitrag herausgehoben hat, ähnlich wie dann ein paar Tage später Milosz Matuschek.
Was soll ich sagen: Die letzten Abende waren erschütternd und haben all das noch einmal hochgeholt, was uns da zugemutet worden ist. Einige Protagonisten kenne ich zwar und damit auch ihre Geschichten, Christian Schubert und Ulrike Guérot etwa oder Andreas Sönnichsen, Martin und Lucian Michaelis, Daniele Ganser und Günter Roth, aber zum einen ist es etwas anderes, wenn man das in aller Ruhe am Kamin so geballt nacheinander liest, und zum anderen haben mich gerade die Berichte getroffen, die für mich neu waren, Allesandra Asteriti, Wolfgang Stölzle und Enno Schmidt zum Beispiel, drei Unikollegen, Alexander Bittner, Berufssoldat und damit in Zwängen, die mir vertraut sind, oder die beiden Ärzte Andreas Heisler und Carola Javid-Kistel29).
Mit „Mut zum Widerspruch“ tritt zugleich ein Verlag auf die Bühne, der das Spektrum der kritischen Szene erweitert – inhaltlich und strukturell, da hinter Discorso eine Genossenschaft steht. Mehr Gründe für einen Buchkauf finden Sie sonst nirgendwo auf so wenigen Zeilen. Wer Günter Roth sehen möchte, einen der beiden Herausgeber, scrolle einfach bis fast nach unten.
Texte
Bürgerkrieg ohne Waffen. Wir bleiben beim Thema. Ich habe das Buch „Der missbrauchte Rechtsstaat“ von Thomas Moser rezensiert. Kernsatz: „Es kann keine Aufarbeitung geben, weil alle verstrickt sind – von den Finanzämtern über Staatsanwälte und Ermittlungsbeamte, Richter und die allermeisten Abgeordneten bis zu den Journalisten der Leitmedien und ihrem Publikum.“
Warum wir gehorchen. Dieser Bericht von Bastian Werner hat auf LinkedIn etliche Kommentare bekommen. Mein Teaser dort: „Wer bist du, wenn die nächste ‚Notwendigkeit‘ ausgerufen wird?“ Es geht um einen Vortrag von Jörg Uhlig, Biologe.
Ich kann nicht anders. Wer ist die Frau, die die Buchmesse Seitenwechsel erfunden hat? Die Lebensgeschichte von Susanne Dagen in Interviewform, aufgeschrieben von Bianca Kellner-Zotz. Achtung: Überlänge. Ist aber jede Zeile wert.
München von unten. Noch ein langer Text – und wieder eine absolute Leseempfehlung. Michael Sailer erzählt bei seiner Premiere in der Kolumne Oben & Unten von einer Kindheit in Giesing, wie bei ihm üblich mit mehr als einem Augenzwinkern.
Canceln als Glücksfall. Zurück zu Corona, zurück zu den Büchern. Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik hatte einen Sammelband zurückgezogen, der jetzt wieder da ist – besser als vorher, sagt Matthias Gockel, Privatdozent an der Uni Basel.
Wissenslücken oder Lügen? Robert F. Kennedy – richtig, da war doch was. Jetzt ist sein Liebesbrief an Nina Warken auch bei uns, in einem Kommentar von Brit Gdanietz.
Deal und Kitsch. Eine Zumutung, wenn man einigen Kommentatoren folgt, die partout nicht lassen können von der „Menschheitsfamilie“ und von der Idee, dass der Frieden „im Inneren“ beginnt. Ein Beitrag über die Irrwege der Corona-Dissidenz von Daniel Sandmann. Mit Donald Trump.
Videos
„Mut zum Widerspruch“ heißt mein Interview mit Günter Roth, damit der Link zum Buch nicht verlorengeht. Wir sprechen außerdem über die Universitäten, die AfD und den Verfassungsschutz. Wer noch einen Anstoß braucht: Es geht auch um den „Rassismus der Intelligenz“.
Kurse
Der Kompaktkurs Journalismus und das Seminar „Intellektuelle Selbstverteidigung“ sind voll. Es gibt aber eine Warteliste für Spätzünder. Und im Herbst weitere Kurse:
30. April bis 3. Mai: Intellektuelle Selbstverteidigung
13. bis 17. Mai: Kompaktkurs Journalismus
24. bis 27. September: Interview
8. bis 11. Oktober: Journalismus-Retreat
Jederzeit (wochentags, Anfragen per Mail): Still bleiben, dagegenhalten, weglaufen? Wie wir im Gespräch bleiben
Sonstiges
Die Süddeutsche hat diesmal ein paar Tage gebraucht, um über meine zweite Disziplinarstrafe zu berichten. Sebastian Krass pickt drei Sachen heraus: das Interview mit Daniele Ganser, einen Kirchenauftritt und einen Abend mit Patrik Baab, den ich moderieren durfte und der dann auch vor dem Presserat landete. Titel: „Wie uns Medien und Lohnschreiber in Kriege treiben“. Hat die Kollegen offenbar getroffen. Nächste Woche veröffentliche ich ein Video zu den Vorwürfen und zur Klage gegen die Strafen.