Ein Ansatz, wie die Blockade in der Friedensbewegung überwunden werden kann. Von Bernd Schoepe. (Teil 3/4)
Autor: Bernd Schoepe. Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben. Sie finden alle Texte der Friedenstaube und weitere Texte zum Thema Frieden hier. Die neuesten Pareto-Artikel finden Sie auch in unserem Telegram-Kanal.
Die neuesten Artikel der Friedenstaube gibt es jetzt auch im eigenen Friedenstaube-Telegram-Kanal.
Das ist der dritte Teil dieses Artikels. Lesen Sie hier Teil 1 und Teil 2.
Lesetipp
Von wegen Friedensmüdigkeit! 100 kritische Autoren, davon einige Autoren der Friedenstaube, erheben ihre Stimme gegen den Krieg und für den Frieden.
(Das ist ein affiliate link, die Friedenstaube erhält bei einem Einkauf über diesen Link eine Beteiligung am Kauf).
4.These
Die Friedensbewegung hat den inneren Frieden, als es darauf ankam, nicht verteidigt. Eine Gruppe, die selbst die Zerstörung des inneren Friedens durch Grundrechteentzug und Ausgrenzung und Diffamierung einer kritischen Minderheit hingenommen, sich nicht bewusst und offensiv gegen ihn gewandt hat – wie der überwiegende Teil „der“ Friedensbewegung in der Corona-Zeit – kann gesellschaftlich glaubhaft keine Autorität und schon gar keinen Alleinvertretungsanspruch in Friedensfragen für sich beanspruchen. Dies jedenfalls so lange nicht, so lange sie wie der Mainstream aus Politik, Medien und Gesellschaft, nicht bereit ist, sich sein Versagen in der Corona-Krise selbstkritisch einzugestehen und es aufzuarbeiten. Gegen die Spalter, die es auch in „der“ Friedensbewegung gab und weiter gibt, ist daran zu erinnern, dass der Frieden unteilbar ist. Wenn die Granden der westdeutschen Friedensbewegung jetzt also hingehen und in ihrem Memorandum schreiben
„Schwieriger ist die Kontroverse um sog. ‚Rechtsoffenheit’. Weniger wenn es um die AfD geht, wo es weitgehend Konsens ist, sich abzugrenzen. Es geht um die aus der Corona-Zeit stammenden Proteste. Aus dieser Bewegung sind heute viele Vertreter friedenspolitisch engagiert. Ihre Positionen sind weitgehend identisch mit denen der traditionellen Friedensbewegung, ihre strategischen und taktischen Überlegungen durchaus unterschiedlich. Hier plädieren wir für Offenheit und Akzeptanz, solange ihre Positionen auf humanistischer Grundlage beruhen, sowie für Pragmatismus unter Berücksichtigung der Bedeutung dieser Kräfte, bei zugleich faktenbasiertem und differenzierenden Umgang.“ (24)
Das klingt sehr von oben herab und zeigt unfreiwillig, dass sie bezüglich der Corona-Zeit leider noch nicht zu besseren Einsichten gelangt sind. Die Einschränkung, wonach ihre Offenheit und Akzeptanz daran gebunden bleibe, dass die aus der Corona-Zeit stammende Bewegung Positionen bezöge, „die auf humanistischer Grundlage beruhen“, empfinde ich persönlich als einen Affront. An mich, den Empfänger der Botschaft, transportiert sie die Unterstellung, dass die Corona-Proteste vielleicht doch extremistisch (und nicht faktenbasiert) gewesen seien bzw. es noch immer sind. Damit halten sich die Bündnissprecher alle Optionen in Bezug auf die Corona-Maßnahmenkritiker offen (so müssten sie zumindest hier genannt werden, denn es wurde ja nicht gegen Corona protestiert – nach dieser Logik sind wir dann ganz schnell wieder bei den „Corona-Leugnern“ angelangt.) Eine solche Haltung kann nicht als freundliche Einladung interpretiert werden. Zumal dann nicht, wenn dies mit Verweis auf die Empfehlung eines „faktenbasierten“ (kein Geschwurbel!) und „differenzierenden Umgangs“ mit uns – also einer Sonderbehandlung (?) für die dann doch irgendwie unsicheren Kantonisten geschieht. Das kann nicht vertrauensbildend sein. Die Herren sollten erst einmal vom hohen Ross absteigen und sich fragen, wo denn ihre humanistische Grundlage in der Zeit des schlimmsten Institutionenversagens und der gesellschaftlich am stärksten belastenden sowie folgenreichsten Demokratiekrise in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland war? Wo war ihr Humanismus, als die Politik gleich drei Zivilisationsbrüche zuließ: Den Zivilisationsbruch gegenüber den alten, kranken und pflegebedürftigen Menschen, den Zivilisationsbruch gegenüber den Kindern und Jugendlichen und den Zivilisationsbruch gegenüber den Nicht-Geimpften einschließlich der noch weiterreichenden Verletzung des Nürnberger Kodex (25).
Von „der“ Friedensbewegung war da nichts zu hören – oder täusche ich mich? Abgesehen davon findet sich in dem Strategiepapier kein Wort der Reflexion oder gar Selbstkritik der eigenen Handlungsweise in Bezug auf die Corona-Zeit. Das stellt eine große Hypothek für jedwede Zusammenarbeit dar, besonders so lange, solange darüber miteinander nicht gesprochen werden kann!
5.These
Der Eskalation und dem neuerlichen Feindbildaufbau gegen Russland müsste die Friedensbewegung ohne Wenn und Aber entgegentreten, sie verhält sich an dieser Stelle aber teilweise merkwürdig indifferent, teilweise opportunistisch. Die Russophobie soll irreführenderweise dazu dienen, den Zweck und die Mittel der Militarisierung von Staat und Gesellschaft, zu legitimieren und in seiner Unverfrorenheit zu verschleiern. Mit dem Mehrheitsvotum des alten, abgewählten Bundestages wurde immerhin sichtbar, wie das krisenverschärfende, kapitalistische Akkumulationsmodell funktioniert. Hinter der Propaganda, Russland wolle „uns“ überfallen, wurde die Ausbeutung und Enteignung der Bürger augenscheinlich. Es bleibt dabei: „Die Waffen liefern die Reichen, die Armen liefern die Leichen.“
Wobei heute mehr als 90 Prozent der Bevölkerung die Leidtragenden sind, denn sie sind gemeint und betroffen, wenn die Politik frech wahrheitswidrig fordert: „Wir müssen den Gürtel enger schnallen“.
Ein gutes und kooperatives Verhältnis zu Russland ist hingegen die conditio sine qua non für ein gedeihliches, wohlhabendes und friedliches und weltweit anerkanntes Deutschland. Glaubwürdig kann die Friedensbewegung daher nur sein bzw. wieder werden, wenn sie offensiv für Deutschlands Austritt aus dem NATO-Kriegsbündnis und ein neutrales und blockfreies Deutschland in einer multipolaren Welt eintritt. Dafür muss das gescheiterte alte Denken, das auch und gerade „die“ Friedensbewegung lähmt, überwunden und müssen mit Mut neue Allianzen geschmiedet werden.
DIE FRIEDENSTAUBE FLIEGT AUCH IN IHR POSTFACH!
Hier können Sie die Friedenstaube abonnieren und bekommen die Artikel zugesandt, vorerst für alle kostenfrei, wir starten gänzlich ohne Paywall. (Die Bezahlabos fangen erst zu laufen an, wenn ein Monetarisierungskonzept für die Inhalte steht). Sie wollen der Genossenschaft beitreten oder uns unterstützen? Mehr Infos hier oder am Ende des Textes.
Sie schreiben und haben etwas zum Frieden zu sagen?
Melden Sie sich gerne: friedenstaube@pareto.space
6. These
„Die“ Friedensbewegung verharrt in ihrer Analyse in Deutungsmustern des 20. Jahrhunderts und idealisiert z.B. weiterhin die Vereinten Nationen, die längst zu einem Spielball demokratisch nicht legitimierter Global Player geworden sind. Diese haben sich supranationale Institutionen, wie z.B. auch die WHO, in ihrem Streben nach Weltherrschaft untertan gemacht. Die Folge: Immer mehr Machtkompetenzen wandern vom national- und zwischenstaatlichen in den supranationalen Bereich. Der Kampf „der“ Friedensbewegung bleibt unzureichend, solange sie nicht erkennt, dass die „Zeitenwende“-Politik mehr ist als die Mobilisierung der Gesellschaft zu einer „bastardkeynesianischen“ (26) Hochrüstungspolitik, die – schlimm genug! – vor allen Dingen der weiteren Umverteilung von unten nach oben dient. Der massive Feindbildaufbau muss, wie schon bei Corona, vielmehr im Rahmen des cognitive warfare (der kognitiven Kriegsführung, 27) als ein strategischer Teil der von den mächtigsten Global Governance-Akteuren verfolgten Agenda zur Errichtung einer Neuen Weltordnung (NWO) verstanden, entsprechend kommuniziert und bekämpft werden.
In Wahrheit bedeutet die Zeitenwende, dass wir in die Phase der forcierten, finalen Umsetzung der NWO eingetreten sind, da sich das Momentum, das Zeitfenster, gegen dieses totalitäre Ansinnen Widerstand zu leisten, aufgrund der großen Unruhe in der Welt, insbesondere angesichts der explosiven Unzufriedenheit der Völker in den Staaten des Westens mit ihren politischen Führern, bald schließen könnte. Zunehmend disruptiv (wie davor des längeren bereits auf schleichendem Wege) soll der „Great Reset“ in den einzelnen Staaten nach Drehbuch der Globalisten implementiert werden, denn die Bürger werden aus verständlichen Gründen nicht gefragt, ob ihnen diese Agenda gefällt: Sie stand und steht als solche nirgendwo zur Wahl. (28)
Die Crux dabei ist, dass die Friedensbewegung als Teil der westdeutsch geprägten Linken weitgehend der kritischen Kategorien und analytischen Zugriffsmöglichkeiten entbehrt, um diese Phänomene eines totalitären Globalismus, der im Gewand eines weichgespülten, philanthropischen Weltrettungskapitalismus daherkommt, richtig zu erkennen und einzuordnen (29). Die Linke hat mehrheitlich die radikale Infragestellung der Freiheit durch das New Normal der Globalisten in der Corona-Zeit nicht erkannt – im Gegenteil. Sie zeigt sich, u.a. in dem sie dem WHO-Pandemievertrag zugestimmt hat, weiterhin lernresistent. Stattdessen sind große Teile der dem Wokeismus folgenden Linken in die von den Eliten als Köder ausgelegten diversitäts- und identitätspolitischen Honigfallen getappt und ins gegnerische Lager übergelaufen (30) Jetzt sollen im Windschatten militärischer Interventionen und Kriege möglichst geräuscharm die Schlusssteine des bereits existierenden Überwachungskapitalismus (31) in die immer hermetischer werdende Global-Governance-Architektur eingesetzt werden, einer Architektur, mit der die Milliardärs-Eliten ihre Macht und ihren Einfluss dauerhaft krisenbeständig global zementieren wollen:
Die Etablierung einer aus digitaler ID und programmierbaren digitalen Zentralbankgeld (CBDC) bestehenden, absolut effizient funktionierenden, da unhintergehbar wirkenden Kontrolle, mit der das Verhalten aller Individuen reglementiert und gesteuert werden kann. Der politische Preis digitaler, vermeintlich schneller, kostengünstiger und komfortabler Dienstleistungen besteht, wie wir spätestens seit Edward Snowden wissen können, im hilflosen Ausgeliefertsein der Datenproduzenten an die Besitzer dieser persönlichen Daten (32). Was es bedeutet, wenn alle persönlichen Daten zusammengeführt werden, muss nicht eigens erläutert werden.
Eine Friedensbewegung müsste also auch eine digitalisierungskritisch argumentierende (man denke nur an die Rolle von Palantir oder die Aktivitäten von Elon Musk), die Bürgerrechte vehement verteidigende Bewegung sein. Dafür müsste sie aber zunächst einmal die Bedrohungen unserer Freiheit, die von der Global Governance ausgehen, in den Blick nehmen. Wenn sie die Zusammenhänge mit Krieg und Frieden nicht erkennt oder nicht wahrhaben will, heißt das, dass sie ohne Orientierung und letztlich blind handeln muss. Sie weiß dann weder, wogegen sie in Wirklichkeit kämpfen muss, noch wer unsere wahren Gegner sind. Sie stünde schon deshalb auf verlorenem Posten.
Fortsetzung folgt…
Anmerkungen
*** (24). https://www.pressenza.com/de/2025/12/strategie-in-zeiten-der-eskalation-ein-diskussionsbeitrag-zur-zukunft-der-friedensbewegung/, 14.12.2025)
(25).
Siehe dazu Bernd Schoepe, Die Aufarbeitung der Corona-Vergangenheit und ihre Tabus, https://www.gew-ansbach.de/data/2022/06/Schoepe_Die_Aufarbeitung_der_Corona-Vergangenheit.pdf, 15.06.2022.
(26).
Michael Roberts, https://makroskop.eu/13-2025/aufrustung-ein-militarischer-bastard-keynesianismus/, 04.04.2025.
(27). Dazu Jonas Tögel, Kognitive Kriegsführung, Frankfurt/M. 2023.
(28).
Die gigantische Dimension und Reichweite der Macht und der politischen Einflussnahme der Milliardärsklasse wird untermauert durch den neuen Bericht zur sozialen Ungleichheit von Oxfam, der gerade erschienen ist und u.a. mit folgenden Zahlen aufwartet: Das inflationsbereinigte Vermögen ist bei den rund 3000 Milliardären (allein in Deutschland hat sich ihre Zahl im letzten Jahr um ein Drittel erhöht) mehr als um 80 Prozent gestiegen auf insgesamt 840 Milliarden US-Dollar. Dreimal schneller als in den Vorjahren ist ihr Reichtum im Jahr 2025 gestiegen. Dagegen lebt fast die Hälfte der Menschheit, 3,77 Milliarden in Armut, d.h. von weniger als 8,30 Dollar pro Tag. Die zwölf reichsten Menschen der Erde besitzen mehr als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. „Die Wirtschaftsmacht der Superreichen schlägt sich immer deutlicher in politischer Macht nieder und höhlt die Demokratie immer weiter aus“, so Vorstandsmitglied Charlotte Becker. Weltweit hatte schon jeder zehnte Milliardär ein politisches Amt inne oder hat dieses angestrebt. https://www.oxfam.de/publikationen/bericht-soziale-ungleichheit-2026, 19.01.2026. Laut Aussage Robert F. Kennedys jr. beim Davoser Weltwirtschaftsforum habe in der Corona-Zeit eine Umverteilung an Gewinnen und Verlusten von den kleineren und mittleren Unternehmen zu den Großkonzernen und Global Player in Höhe von vier Billionen US-Dollar stattgefunden.
(29). Für Hannah Arendt ist es ein Merkmal totaler Herrschaft, sich nicht nur damit zu begnügen „Ohnmacht zu erzeugen wie die Tyrannis, die nur’ die politische Sphäre und damit den Ort des Handelns zerstört. Vielmehr dringt sie in alle gesellschaftlichen wie privaten Lebensbereiche der ihr Unterworfenen ein. (…) Das Ziel der totalen Herrschaft ‚alle Menschen in ihrer unendlichen Pluralität und Verschiedenheit so zu organisieren, als ob sie alle zusammen nur einen einzigen Menschen darstellten“(etwa den optimierten Menschen transhumanistischen Designs, Anm. B.S.) „ist nur möglich, wenn es gelingt, ‘jeden Menschen auf eine sich immer gleichbleibende Identität von Reaktionen zu reduzieren’.“ Mittels der Digitalisierung kann heute diese Identitätskonstanz, die Reduktion des Menschen auf ein konditioniertes Reaktionsbündel qua elektronischer Stimuli, hergestellt werden, „so daß jedes dieser Reaktionsbündel mit jedem anderen vertauschbar ist“. Hannah Arendt, Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft, München 1991, S.676, zitiert nach Grit Straßenberger, Die Denkerin. Hannah Arendt und ihr Jahrhundert, München 2025, S. 189 f.
(30).
Siehe auch Bernd Schoepe, Wie die Mainstream-Linke zum Problemfall wurde, https://overton-magazin.de/top-story/wie-die-linke-zum-mainstream-problemfall-wurde/, 14.09.2025.
(31). Shoshana Zuboff, Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus, Frankfurt/M. 2018.
(32).
Das konstatiert auch eine neu gegründete, religiös inspirierte „panhellenisches Bewegung gegen den digitalen Totalitarismus“, über die bei Norbert Häring und tkp.at kürzlich berichtet wurde. Sie verwahrt sich gegen den Versuch, das Individuum auf eine Nummer zwecks seiner Identifizierung zu reduzieren und sieht darin einen Anschlag von epochaler Bedeutung auf die Menschenwürde.
https://norberthaering.de/news/exodus/, 09.01.2026.
https://tkp.at/2026/01/12/panhellenische-bewegung-gegen-den-digitalen-totalitarismus/, 12.01.2026.
LASSEN SIE DER FRIEDENSTAUBE FLÜGEL WACHSEN!
Hier können Sie die Friedenstaube abonnieren und bekommen die Artikel zugesandt.
Schon jetzt können Sie uns unterstützen:
Alle Infos finden Sie gebündelt nun hier.
Wenn Sie auf anderem Wege beitragen wollen, schreiben Sie die Friedenstaube an: friedenstaube@pareto.space
Sie sind noch nicht auf Nostr und wollen die volle Erfahrung machen (liken, kommentieren etc.)? Zappen können Sie den Autor auch ohne Nostr-Profil! Erstellen Sie sich einen Account auf Start. Weitere Onboarding-Leitfäden gibt es im Pareto-Wiki.
Das Pareto-Projekt wird eine Schweizer Genossenschaft! Wollen Sie mit dabei sein? Mehr Infos hier und hier (engl.).