Von Banden und der Mafia
Die Welt ist ein großer Schulhof, auf dem mafiöse Strukturen herrschen und sich dubiose Gestalten aufhalten. Über dem Schulhof schwebt eine unangenehm riechende Dunstglocke aus einer Mischung von mit Testosteron durchtränktem Schweiß, wie man ihn bei pubertierenden Junx ertragen muss. Hormongesteuerte Aggressivität liegt in der Luft. Jede Bande hat ihren Anführer und die Bandenmitglieder versuchen in die Bande zu kommen, von der sie glauben, dass sie dort am besten aufgehoben sind. Der Schulhof war bislang in klar abgegrenzte Schutzgebiete aufgeteilt.
Die eine Bande, nennen wir sie die „Iwan-Bande“, hat einen Bandenführer, der recht besonnen und defensiv bis umsichtig vorgeht und seine Bandenmitglieder schützt. Kommt ein anderes Bandenmitglied den „Iwans“ zu nahe, wird sofort Alarm geschlagen, doch das hat die anderen Banden bisher wenig gekratzt.
Die „Iwan-Bande“ gefällt vielen Banden in Nachbarschulen, die sich mit den „Iwans“ zusammengeschlossen haben. Es werden eigentlich von Schuljahr zu Schuljahr mehr.
Die andere Bande, nennen wir sie die „Ami-Bande“ tritt eher wie kaugummikauende Halbstarke auf. Viel Schein, viel Posing, viel coole Sprüche, viel Blow-Up, große Klappe, selbstbewusst, arrogant, überheblich und herausfordernd. Aber man weiß nicht recht, was wirklich dahintersteckt. Bestimmte Sizilianer fühlen sich von dieser Bande besonders angezogen. Die haben Schutzgeldzahlungen in Form von Kaugummis und auch mal ne Pulle Bier oder Wein eingeführt, die die dritte Bande, nennen wir sie die „Europa-Bande“, mal mehr mal weniger regelmäßig und in vollem Umfang an die „Ami-Bande“ zahlen, weil sie selbst eher eine Ansammlung von hageren, schlanken, eher schwächlichen Kumpanen sind, die auf den Schutz der „Ami-Bande“ angewiesen sind. Mal selber ins Fitness-Studio zu gehen und Muskeln aufzubauen, das haben sie lange Zeit nicht für nötig empfunden. Entweder waren sie zu faul dazu, oder doch zu sehr von den Muckis der „Ami-Bande“ beeindruckt, die ihnen gewaltigen Respekt eingeflößt haben.
Das hat solange recht gut funktioniert, bis die „Ami-Bande“ keine Lust mehr hatte und so hat sie die „Europa-Bande“ fallen gelassen, wie eine heiße Kartoffel, teilweise hat sie sie sogar in einen Hinterhalt gelockt, manchmal sogar vorgeschoben, wenn es brenzlig wurde. Eigentlich ziemlich miese Typen.
Die „Europa-Bande“ hat das bislang nicht wirklich gecheckt, daher noch keine Ahnung, wie sie sich neu zu positionieren hat, um nicht vollständig vom Schulhof vertrieben zu werden. Ein bisschen naiv sagen sie sich derzeit: Aber es gibt doch nur einen Schulhof für jede Schule.
Sie tun immer noch so, als hätten sie ein Recht darauf, mit den großen Junx um die Häuser zu ziehen, Mülleimer umzuwerfen und den anderen auf dem Schulhof zu sagen, wo es lang geht. Dabei merken sie aber noch gar nicht, dass niemand mehr auf sie hört. Die „Ami-Bande“ hat einfach die Telefondrähte durchgeschnitten, weil es ihnen gerade so gefällt. Sie berufen sich auf das Faustrecht und wollen damit die anderen einschüchtern. Regeln interessieren sie auf einmal nicht mehr, dafür nehmen sie sich das Recht heraus, willkürlich das zu tun, was sie für richtig halten.
Gleichzeitig versucht die „Europa-Bande“ die „Ami-Bande“ nachzuäffen, in dem sie auf einmal selber anfangen, sich aufzuplustern, um Eindruck zu schinden, eigene Mafia-Strukturen aufzubauen, damit sie die Kontrolle behalten und keine Schutzgelder mehr an die Sizilianer in der „Ami-Bande“ zu zahlen brauchen, obwohl sie genau wissen, dass das mindestens 10 Schuljahre dauern wird, bis sie soweit sind. Sie tun aber schon so, als ob das heute schon Realität wäre, was fatale Folgen für sie alle haben kann.
Die „Europa-Bande“ hat die anderen Bandenanführer der Nachbarschulen zusammengetrommelt, um einen Gegenpol zur „Ami-Bande“ zu bilden. Hier haben die größten Feiglinge die größte Klappe. Damit sind aber nicht alle Bandenanführer der Nachbarschulen einverstanden, weil sie glauben, dass sie auch vereint keine Schnitte gegen die „Ami-Bande“ hätten. Das wiederum passt einer Anführerin der „Europa-Bande“ nicht, die am aller weitesten das Maul aufreißt, obwohl keiner so wirklich weiß, wie sie in diese Position gekommen ist und wie es möglich sein konnte, dass sie sich wie eine Zecke in einem Fell festbeißen konnte.
Innerhalb der „Europa-Bande“ gibt es auch einige Besonnene, die eingesehen haben, dass es wenig Sinn macht, sich weder mit der „Iwan-Bande“, noch mit der „Ami-Bande“ anzulegen, zumal die „Iwan-Bande“ über raffinierte Zwillen verfügt, die allen anderen Fletschen der anderen Banden überlegen sind, und die glauben, dass es besser ist, wenn man seine Gebiete auf dem Schulhof neu absteckt und sich ansonsten besser aus dem Weg geht. Aber es gibt doch recht viele, die es besser finden, erst draufzuhauen und dann zu reden.
Wahrscheinlich wäre das Reden sogar der beste Weg, wenn es nicht zu einer Riesen-Keilerei auf dem Schulhof und auch auf den Schulhöfen der anderen Nachbarschulen kommen soll, weil dann sehr wahrscheinlich eine Wahnsinns-Schlägerei mit reichlich blutigen Nasen zustande kommen würde, in der jeder jedem eins gewaltig auf die Mütze geben würde und man am Ende gar nicht mehr wüsste, wer nun überhaupt angefangen hat und wer noch zu welcher Bande gehört.
Einen Schuldirektor, der die Zügel über die gesamte Bande von Rabauken in der Hand hätte, gibt es nicht, und die Schuldirektoren der Nachbarschulen sind sich obendrein auch noch überwiegend spinnefeind.
Jetzt ist guter Rat teuer! Wer kann diese Rasselbande noch zur Vernunft bringen?
Da kommen die Mädels ins Spiel. Die sind ja bekanntlich schon immer früher „reifer“ als die Junx, die schon bei drei sprießenden Barthaaren denken, sie wären jetzt die härtesten Kerle überhaupt.
Vielleicht schaffen die Mädels es ja, die durch Testosteronschübe vollkommen irren Halbstarken mit ihren weiblichen Eigenschaften, wie Einfühlungsvermögen, Besonnenheit, beruhigenden Worten, Einreden auf die Hitzköpfe und klarem Verstand, wieder zur Vernunft zu bringen und ihnen vorsichtig klar zu machen, dass drei Haare noch kein Vollbart sind und dass es nicht allein auf die Größe ankommt, sondern auch auf die Geschicklichkeit und dass eine heiße Rennmaschine die nicht zwangsläufig ersetzt.
Mädels, wir zählen auf euch!
(pareto und Friedenstaube auch auf telegram unter https://t.me/pareto_artikel und https://t.me/friedenstaube_artikel )
* (Wem meine Artikel gefallen: Einen Satoshi in Ehren kann niemand verwehren. Danke!)*
(Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben.)
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