Unfairer Vorteil

Metaphysik der Manipulation

Unfairer Vorteil

Informationen sind die wertvollste Ressource der Welt. Nichts gibt es ohne Informationen. Nicht einmal die Möglichkeit, etwas anderes zu wollen als Informationen hat man ohne ein Grundwissen, ein Ur-Wissen oder einen Ur-Instinkt. Es ist unerheblich wie man es bezeichnet, wenn ein Verständnis daraus erwächst. Unser Verstand, das Denken und das Fühlen sind Menschen von Natur aus gegeben und sie beinhalten die Veranlagung, zu suchen, kennenzulernen und zu forschen.

Dies ist ein Axiom, also eine Aussage oder Behauptung, welche keines Beweises bedarf.

“Könnten wir nicht Lernen lernen, könnten wir gar nichts lernen. “

Paul Watzlawicks fünf Axiome der Kommunikation sind ein prominentes Beispiel und könnten kaum wichtiger sein als heute im Jahr 2025. Ihre Bedeutung ist geradezu erschlagend, wenn man sie versucht in ihrer tatsächlichen Konsequenz zu begreifen.

Allein das erste Axiom schon:

“Man kann nicht nicht kommunizieren,

denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und

genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann,

kann man nicht nicht kommunizieren. “

Solche Metakommunikativen Axiome klingen furchtbar kompliziert und abschreckend. Unterschwellig begreift man, dass die Auseinandersetzung damit dramatische Konsequenzen hat, bzw. sie haben müsste oder sollte. Obwohl sie im Prinzip unglaublich simpel sind.

“Das bedeutet ja, selbst wenn Ich atme, kommuniziere Ich bereits. Oh nein! “-Bärbel A. 68

“Wenn wir Lernen lernen können, dann heißt das ja, dass Ich tatsächlich alles mögliche tun kann, wenn ich herausfinde wie! “-Luisa O. 12

Genau das bedeutet es. In Folge passiert bereits jetzt eine kognitive Überforderung durch Bedeutungstiefe. Sie tritt auf, wenn ein Begriff etwas derart komplexes beschreibt, dass unsere Vorstellungskraft an ihre Grenzen stößt, weil sie die Informationsmenge nicht mehr sinnvoll bewältigen kann. Jedenfalls nicht gleichzeitig, sondern höchstens nacheinander.

“Auswirkungen der Informationsmenge zu drastisch. Überforderung. Nützliche Erkenntnis abspalten, ins Gedächtnis übertragen. Handlungsanweisung aufgrund von Unmöglichkeit und Irrelevanz für Bedarfsfall speichern, aber es besteht kein unmittelbarer Anpassungsdruck. Priorität niedrig.”

So ungefähr ist der Denkfilter des Menschen strukturell beschaffen, wenn man es mit Worten auszudrücken versucht. Ich möchte versuchen, diese metaphysische Struktur in der Kommunikation zu berücksichtigen, ohne dabei in bloßer theoretischer Betrachtung zu versinken. Um den unfairen Kommunikationsvorteil auszugleichen, den das Verständnis von metaphysischen Zusammenhängen heutzutage(!) jetzt im Informationszeitalter darstellt.

Metaphysische Zusammenhänge bedeutet so viel wie:

“Wissen und Informationen, die man erhält, wenn man versucht, Alles zu betrachten. Das sind metaphysische Informationen. “

Ein einfaches Beispiel: Alle Spieler einer Fußballmannschaft tragen die gleichen Trikots. Ein Spieler steigt mit einem roten Trikot aus. Es lässt sich logisch schlussfolgern, dass alle anderen Spieler die noch aussteigen, ebenfalls rote Trikots tragen. Wenn jemand aussteigt, der nicht dieselbe Trikotfarbe hat, gehört er wahrscheinlich zu einer anderen Mannschaft.

Wirklich messbar wissen, tut man es nicht. Aber diese Annahmen sind metaphysische Informationen, ungeachtet ihres tatsächlichen Wahrheitsgehalts.

Ich wünschte es ließe sich die gewaltige Dimension tatsächlich so leicht beschreiben, wie in diesem stark vereinfachten Beispiel. Daher noch ein paar anschauliche Beispiele, die eine natürliche Grenze für Überforderung durch Bedeutungstiefe herstellen, der wir als vereinzeltes Individuum nicht gewachsen sind.

Die Zahl der Mikroorganismen (vor allem Bakterien), die auf und im menschlichen Körper existieren, ist etwa 10- bis 100-mal höher als die Zahl der Zellen, aus denen ein Mensch besteht: Etwa 1 Billiarde (1015) Mikroorganismen stehen 10–100 Billionen (1013–1014) menschlichen Zellen gegenüber. \~Wikipedia, Mikroorganismus

Ändert sich irgendetwas, wenn man diese Informationen liest? Allein die Größe der Zahlen und der beschriebenen Organismen sind bereits vollkommen absurde Dimensionen. Einerseits eine “Körpergröße” von solcher Winzigkeit, dass sie sich jeglicher Wahrnehmung entzieht. Andererseits Mengenangaben, so absurd groß, dass es sich hier um abstrakte Denkvorgänge handelt. Didaktisch greifbar, sind solche Größenordnungen und Dimensionen nicht mehr. Es handelt sich außerdem um die Angabe für einen einzigen Körper. Also impliziert sich direkt noch eine Vervielfachung dieser ohnehin bereits unfassbaren Zahlendimension.

Diese Masse an Lebewesen existiert also einfach und dann auch noch 99,99% Ausländeranteil.

Und? Hat sich in Ihrem Leben durch diese Information schon etwas verändert?

Natürlich ist dieser kleine Abschnitt über Mikroorganismen die Summe vieler Fachbereiche und technischer Entwicklung, aber gleichzeitig eben auch ganz beiläufig eine grundlegende Infragestellung unserer gesamten Welt- und Selbstwahrnehmung. Eigentlich, hat sich überhaupt nichts geändert. Dieser gesamte Bedeutungsraum existiert und vergeht nur aufgrund der Metaphysik von Informationen. Eigentlich stehen da lediglich vollkommen abstrakte Informationen, die einen regelrecht überfordern und nichts anderes sind, als mit Bedeutung aufgeblasene Buchstaben und Zahlen. Die Informationen sind für sich genommen nahezu vollkommen wertlos oder sogar verwirrend. Sie spannen ein gigantisches Themenspektrum verschiedenster Forschungsbereiche und Bezüge zur Realität gleichzeitig auf und diese gesamte Dimension jenseits des aufgeschriebenen Satzes ist eine reine abstrakte Vorstellung des jeweiligen Empfängers der Information.

“Jeder Informationswert jenseits der Wahrnehmung von zur Kenntnisnahme ist rein metaphysisch. “

Die Gedanken sind frei. Aber sie lassen sich beeinflussen. Nichts anderes geschieht permanent durch Sprache: Es ist das wichtigste Mittel zur Beeinflussung unseres Denkens, denn Worte sind selbst für sich genommen abstrakt. Worte können für alles und nichts stehen. Sie sind austauschbare Buchstaben die man in verschiedensten Sprachsystemen und durch Grammatik organisieren kann. Entscheidend ist der Wahrheitsgehalt. Hier wird die Sache dann vermeintlich richtig kompliziert. Denn grundlegend ist jede Form staatlicher oder überhaupt gesellschaftlicher Organisation abstrakt. Sie existieren nicht wirklich sondern setzen den gedanklichen Rahmen, in welchen tatsächliche Handlungen, Tätigkeiten und Annahmen eingebettet werden.

Dieses Wissen über die Selbstorganisation des Denkens wird in der Mediengestaltung und politischen Kommunikation ständig und schon über einen langen Zeitraum sehr erfolgreich eingesetzt und man fasst diese Erzähltechniken unter dem Begriff Soft Power zusammen.

Beispielsweise Nudging (niedrigschwellige Beeinflussung in eine bestimmte Richtung um eine gewünschte Handlung auszuführen oder Denkweise einzunehmen) oder Framing (Die Kommunikation steuern indem man den Kontext festlegt). Von der Begriffswahl, bis zur Präsentation, dem Timing oder auch der gezielten Ausnutzung von neurologischen Erkenntnissen- Sprache und Denken sind beeinflussbar. Sie wurden und werden ständig gezielt beeinflusst. Und zwar in einem Umfang, dass der Begriff “Matrix” es am realistischsten beschreibt.

‘Die Matrix’ ist ein Synonym für einen vollkommen auf Manipulation, Suggestion und Simulation aufgebautes Weltbild, indem man das Denken von Menschen vollständig gefangen hält und kontrolliert, ohne das die Menschen innerhalb der Matrix sich dessen bewusst sind. Die altertümliche Entsprechung des Begriffs ist das sogenannte ‘Höhlengleichnis’ Platons. Auch wenn die Methoden unglaublich variantenreich sind, gilt: Manipulierte Erzählungen und Denkrahmen waren schon in der analogen Antike bekannt. Durch die kulturelle und technologische Entwicklung haben lediglich die Methoden und Wirksamkeit sich verändert, aber nicht die Mechanismen menschlichen Denkens als solche.

Dabei geht es inhaltlich nicht bloß um ideologische oder politische Sachverhalte. Das wäre ja noch einigermaßen überschaubar für Einzelpersonen. Die komplette Sprache und Kommunikation wird gezielt gestaltet und in einer weise beeinflusst, dass dabei in jeglichem Themenfeld eine bestimmte, gewünschte Haltung eingenommen wird.

Die Ausmaße der Manipulation des Denkens geschieht flächendeckend, interessengesteuert und in einem solchen Umfang, dass dadurch bereits wieder metaphysische Faktoren entstehen, die immer wieder zu kognitiver Überforderung und emotionaler Verdrängung führen.

Ein erheblicher Teil der “psychologischen Erkrankungen”, “Verhaltensstörungen” oder “ideologischen Radikalisierungen” sind direkte oder indirekte Folgen von manipulativer Berichterstattung, ideologischer Propaganda, interessengesteuerter Verbreitung von Erzählungen, Reizüberflutung, emotionalem Stress, permanent geschürten Erwartungshaltungen und Ängsten, kommerzieller Verhaltenssteuerung durch Werbung und Reklame sowie allgemein ein Kommunikation die ständig und systematisch ökonomische Aspekte überrepräsentiert und überbewertet, Konkurrenzdruck generiert und Denkräume einschränkt.

Die Menschen werden nicht “immer kranker”, sondern die Manipulation des gesamten Lebensalltags von immer mehr Menschen macht die Menschen “immer kranker”. Es ist sehr wichtig diesen Aspekt hervorzuheben. Der Titel dieses Texts lautet nicht zufällig “Unfairer Vorteil”. Dazu ein paar abschließende Bemerkungen und Feststellungen.

Menschliches Denken lässt sich durch unzählige Methoden und sprachliche Mittel beeinflussen. Diese Zunahme der flächendeckenden Nutzung dieser Techniken zieht sich durch das gesamte 19. Jahrhundert, nahm in den USA und Europa zwischen 1900-1950 bereits nahezu lückenlose Formen an. Von 1950-2000 wurden diese Methoden unaufhörlich unter Einbeziehung der neusten Erkenntnisse von Psychologie und Verhaltensforschung weiterentwickelt und verfeinert und nun zwischen 2000-2025 erreicht diese Entwicklung im Zuge der vollständigen Digitalisierung und der rasenden technischen Fortschritte in allen Bereichen eine ganz neue Qualität.

Die nationalen wie internationale Gemeinschaft konnte in der Vergangenheit nicht einmal die etablierten, analogen Mittel der Propaganda und Manipulation davon abhalten, zu grauenvoller Unterdrückung, Angriffskriegen, Ausbeutung und Faschismus anzuleiten. Die politische Stabilität ganzer Nationen wurde bereits mithilfe von sogenannten Soft-Power-Methoden zerstört um so den Einsatz militärischer Hard-Power, Polizeigewalt, Zensur und Besatzung zu rechtfertigen.

Die digitale Revolution konfrontiert die Menschheit nun mit einem nie dagewesenen Apparat zur Kontrolle von Informationen. Was das konkret und im Detail an Möglichkeiten beinhaltet, unterliegt nicht umsonst militärischer Geheimhaltung, geheimdienstlichem Verschweigen oder als Betriebsgeheimnis eingestuft. Die denkbaren Manipulationen, also solche, die garantiert technisch umsetzbar sind, lösen bei einer erheblichen Zahl normaler Menschen mit Sicherheit kognitive Überforderung aus.

Es ist traurige Ironie, dass die Beschäftigung mit dem Problem einen derart überfordert. Doch wenn wir uns die Überforderung eingestehen, lässt sich die entstehende Angst vor diesem angeblich unvermeidlichen Szenario abmildern. Wenn wir keine Angst mehr davor haben, nicht alles zu wissen und zu verstehen, dann hat die Bevölkerung schon einen großen Schritt in Richtung Lösung geleistet.

Nachdenken und die eigene Beschränktheit aushalten.


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Autor: Timogenes (1995-2026)

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