Über die Opferkult-Politik der Kriegsverehrung. Von Roland Rottenfußer. (Teil 2/2).
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Dieser Artikel erschien zuerst auf Manova.
Dies ist der zweite Teil des Artikels. Lesen Sie hier Teil 1.
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Wofür lohnt es sich, zu sterben?
Gewiss muss man hier die Frage stellen: Verrichten Soldaten ihren Dienst nicht eher für ihre Mitbürger als für den Staat? Den Mut, den es kostet, sein Leben „auf dem Feld“ zu riskieren, will ich nicht in Abrede stellen. Auch nicht die guten Absichten vieler Soldaten. Dem steht aber die Tatsache gegenüber, dass es sich faktisch oft um Verblendete, um Missbrauchte handelt, die schlechte Mittel anwenden, um einer schlechten Sache zu dienen. Ohne den stets verfügbaren Soldaten wären alle Machthaber und Kriegstreiber „allein dagestanden“, wie es der Songwriter Donovan in „Universal Soldier“ treffend ausdrückte. Oft handelte es sich um sinnlose Einsätze wie jenen in Afghanistan, der allein 60 Deutsche das Leben kostete und letztlich vergeblich war. Was genau haben diese Soldaten „für Deutschland“ getan – außer Geld zu verpulvern, das man besser für das Anlegen neuer Bienenweiden im Stadtgebiet oder für die Sanierung von Schultoiletten verwendet hätte?
Für drei Dinge lohne es sich, sein Leben zu riskieren, sagt Julian Reichelt: „Für die, die man liebt, für das, was man hat, für das, woran man glaubt. Für die Familie, für Haus und Hof und für die Freiheit.“ So eine Haltung ist, wenn sie eine reale Grundlage hat, ehrenwert. Man muss aber hier auch Wasser in den Wein gießen, an dem sich Patrioten oft besaufen. Eine Familie, die sie lieben, haben viele Deutsche noch. Ihr Besitz schmilzt jedoch angesichts des nimmersatten Zugriffs der Staatskasse und der desaströsen Wirtschaftspolitik zunehmend zusammen. Ebenso die Freiheit. Der Staat hat das gesamte Volk in den Coronajahren gedemütigt und entrechtet. Auch wenn viele bis heute im Reinen mit der Coronapolitik sind: Es bleibt eine relevante Minderheit, die mit ihrem Staat gebrochen hat, weil ihr Staat zuvor mit ihr brach.
Auf Geheiß der Regelmacher wurden Ungeimpfte in Restaurants und Kinos wie Hunde vor die Tür gejagt, weil die Entscheidung, die sie für ihren eigenen Körper getroffen hatten, den Machthabern nicht gefiel. Von ihnen wird nun gefordert, sie sollten für ebendiesen Staat ihre Kinder opfern.
Jugend heute: zuerst die Maske, dann das Barett
Noch augenfälliger wird die Anmaßung der Kriegspolitiker, wenn wir den Fokus auf die Kinder selbst lenken: Von denselben jungen Menschen, die man von 2020 bis 2023 teilweise den ganzen Tag über unter die Maske zwang, denen man täglich ein Wattestäbchen in einer höchst unangenehmen Prozedur tief in die Nasenhöhle rammte, die man winters in gelüfteten Räumen frieren ließ oder gleich nach Hause schickte, ihren überforderten Eltern oder der Verwahrlosung ausgeliefert – von ebendiesen jungen Leute verlangt man jetzt, sie sollten sich „Jawohl“ brüllend auf Deutschlands Kasernenhöfen tummeln, um später vielleicht in polnischen oder ukrainischen Schützengräben zu verbluten. Und das alles nur, weil Friedrich Merz oder Boris Pistorius dies so wollen, Politiker also, deren Arbeit einen solchen furchtbaren Krieg immer wahrscheinlicher macht.
„Die Kinder schützen vor allen Gefahren ist doch meine verdammte Vaterpflicht. Und das heißt auch, sie vor euch zu bewahren. Nein, meine Söhne geb ich nicht.“ Das Lied von Reinhard Mey besitzt bis heute einen hohen Bekanntheitsgrad und wurde von einer Künstlergemeinschaft neu eingesungen. Heute sind wir wieder so weit, dass die Verbreitung dieses großen Chansons im öffentlichen Raum behindert wird. Friedensnostalgie scheint nicht mehr so richtig in die momentane martialische Aufbruchsstimmung zu passen.
Frankreichs Generalstabschef fordert das Kinderopfer
Wie als wolle er den Vorwürfen Reinhard Mey gegen das Kollektiv der Kriegstreiber recht geben, forderte der französischer Generalstabschef Fabien Mandon im November 2025 von den Franzosen mehr Leidensfähigkeit – und die Bereitschaft, ihre Kinder zu opfern. Die Berliner Zeitung schreibt zu diesem Thema: „In Frankreich herrscht große Aufregung nach dem Auftritt des Generalstabschefs Fabien Mandon beim Bürgermeisterkongress in Paris. ‚Sie müssen die Bevölkerung auf künftige Konflikte vorbereiten‘, appellierte der oberste Militär des Landes in einer Rede an die Stadtoberhäupter. ‚Wir verfügen über alles, um Moskau abzuschrecken. Was uns jedoch fehlt, ist der Wille, das Leid zu ertragen, das mit der Verteidigung der Nation einhergeht‘, erklärte Mandon.“
Mit Blick auf die Söhne und Töchter der Franzosen sagte der Generalstabschef: „Wenn unser Land schwächelt, weil es nicht bereit ist zu akzeptieren, seine Kinder zu verlieren, weil man die Dinge beim Namen nennen muss, wirtschaftlich zu leiden, weil die Prioritäten in die Rüstungsproduktion gehen werden, dann sind wir in Gefahr.“ Statt der in der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung verbrieften essenziellen Werte („Leben, Freiheit und das Streben nach Glück“) bezahlen Europäer heute von ihren Steuergeldern also Militärstrategen, die ihnen Tod, Knechtschaft und das Sichfügen in verordnetes Leid offerieren.
Agamemnons Entscheidung
Der Pfarrer, Moderator und Autor Jürgen Fliege schrieb unlängst auf Manova über die Tradition des Kinderopfers, welche oft genug nicht nur patriotisch, sondern sogar religiös verbrämt worden war. Hierzu noch eine kleine Geschichte: Als der Heerführer der Griechen, Agamemnon, mit seiner Flotte nach Troja segeln wollte, um an den Schauplatz eines Krieges zu gelangen, der hernach zehn Jahre dauern und das Blut unzähliger Menschen fordern sollte, schien eine Windflaute sein Vorhaben zu vereiteln. Ein Orakel prophezeite ihm, die Göttin Artemis zürne den Griechen. Sie fordere, um besänftigt zu werden, das schmerzhafteste Opfer: Agamemnon sollte seine noch minderjährige Tochter Iphigenie opfern. Sein eigenes Kind ermorden oder auf die Teilnahme an einem Krieg verzichten? Wie würden Sie in einem solchen Fall entscheiden? Für den Herrscher war die Antwort schon bald klar.
Der Dichter Euripides legte der Jungfrau Worte in den Mund, die suggerieren, sie habe sich bereitwillig für einen „höheren“ Zweck hingegeben:
„O mein Vater, hier bin ich; willig opfere ich meinen Leib für mein Vaterland und ganz Hellas, damit du mich zum Altar der Göttin führst und mich opferst, da dies die Ordnung des Himmels ist.“
So wünschen sich auch heutige Militärstrategen natürlich ihre Heranwachsenden. Und so wünschen sie sich deren Eltern: eher in der Art von Agamemnon. Fabien Mandon hat vorgemacht, dass dergleichen auch in heutigen, „zivilisierten“ Zeiten durchaus sagbar ist – in einem Europa, das vor nicht zu langer Zeit durch zwei verheerende Kriege verwüstet worden war. Ein nekrophiler Todeskult beginnt den öffentlichen Raum in Europa zu erobern.
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Krieg – der Menschenschredder
„Ganz sicher nicht für euch hat ihre Mutter sie unter Schmerzen auf die Welt gebracht“, sang Reinhard Mey. „Doch“, antworten Politiker und Kriegsstrategen und beginnen damit, unsere Kinder zu registrieren, zu kategorisieren und zu verplanen. Vergleichen wir die Pläne und guten Wünsche, die Eltern ihren Kindern zu Beginn von deren Leben mit auf den Weg geben, mit dem Bild eines zerfetzten jungen Körpers, wie wir es aus vielen Kriegen kennen!
Wo wir als gesund empfindende Menschen ein liebenswertes junges Leben sehen – gefühlsoffen, unbeholfen, erwartungsfroh –, da sehen die Strategen Menschenmaterial, das sie jederzeit wie Holzscheite in das Feuer eines Krieges werfen würden, wenn es „unser Land“ – also ihre Wahnideen von Macht, Russenhass und Ankurbelung der Rüstungsindustrie – angeblich verlangt.
Jeder Krieg fungiert als Küken-Schreddermaschine für heranwachsende junge Menschen. Das Zerfetztwerden durch eine brutale Maschinerie ist dann quasi das Begrüßungsgeschenk der Gesellschaft für ihre erst vor kurzer Zeit geborenen Neumitglieder. Das war im Zweiten Weltkrieg so, in dem auch mein Vater eine hoffnungsvolle Musikerkarriere für die Hölle eines Kriegseinsatzes unterbrechen musste, den er nur mit viel Glück überlebte. Es war für die US-amerikanischen Vietnam-Soldaten so. Es ist heute so für die jungen Russen und Ukrainer in einem Massaker, an dessen Beendigung niemand so richtig interessiert scheint. Heutigen deutschen Kindern und Jugendlichen bleibt noch eine Galgenfrist. Die Chance, dass sie überleben, ist aus heutiger Sicht nicht schlecht. Auch wenn die, die dazu bestellt sind, Schaden von ihnen abzuwenden, „redlich“ bemüht scheinen, diese Chance wieder zu verspielen.
Dem Götzen opfern
Die Mächtigen haben einen Götzen geschaffen, um uns diesem dann im zweiten Schritt zu unterwerfen. Dieser Götze kann die NATO sein, die einem einzelnen Land wie Deutschland ein Kontigent von Soldaten zuteilt, das dieses zu liefern hat. Er kann auch „der Bedarf der Bundeswehr“ heißen oder anders. Das Motto scheint, in Umkehrung eines Ausspruchs von Immanuel Kant, zu lauten: „Handle so, dass du die Menschheit, sowohl in deiner Person als in der Person eines jeden anderen, jederzeit als Mittel, niemals bloß als Zweck brauchst.“
Ist das Pflichtkontigent, diese heilige Zahl, festgesetzt, muss die deutsche Regierung eine entsprechende Anzahl von Menschen herankarren – egal auf welchem Weg. Mit Lügen oder mit Drohungen, mit Überredungsversuchen oder nackter Gewalt.
Das Überleben eines jungen Menschen, das „Nicht-Soldat-sein-Dürfen“ wird abhängig gemacht von der Bereitschaft einer ausreichend großen Zahl anderer Menschen, die sich statt seiner opfern. Von einer bloßen Selbstverständlichkeit mutiert unser Überleben somit zu einem Glücksfall, den uns ein günstiges Schicksal oder ein gnädiges Kreiswehrersatzamt gewährt.
Die Todeslotterie
Das Verfahren einer Lotterie, wie von der Regierung jetzt geplant ist, steht symbolisch für das Spiel des Staates mit unser aller Leben. Man erinnert sich unwillkürlich an den Film „Die Tribute von Panem“, in dem junge Menschen in einem diktatorischen Regime in öffentlichen Schaukämpfen gegeneinandergehetzt werden. Nur einer überlebt bei diesen „Spielen“: der Stärkste – also der, dem es gelungen ist, alle anderen zu töten. Ganz so wird es bei der Rekrutierungs-Lotterie der Bundeswehr nicht sein, denn Wehrdienst ist noch nicht gleich Kriegseinsatz. Und falls dieser sich als „notwendig“ erweisen sollte, besteht eine Überlebenschance, die vermutlich höher ist als für die kämpfenden Kinder von Panem.
Die Filmhandlung wirft aber noch eine andere Frage auf: Warum lassen sich im Film junge Menschen in den tödlichen Kampf gegeneinanderhetzen? Wenn ohnehin ihr Leben auf dem Spiel steht, warum dann nicht gleich gegen die Hetzer aufbegehren – den „wirklichen Feind“, wie es Hannes Wader in seinem bewegenden Antikriegslied „Es ist an der Zeit“ nennt?
„Hoffnung ist das einzige, das stärker ist als Furcht“, sagt im Film der Machthaber Präsident Snow. „Ein bisschen Hoffnung ist gut, zu viel davon ist gefährlich.“ Weil sie hoffen, in den Kriegen der alten Männer überleben zu können, ließen und lassen sich junge Menschen immer wieder darauf ein. Früher konnte man wegen Desertion erschossen werden. Das erschien vielen noch riskanter als der Weg an die Front. „Zu viel Hoffnung“ allerdings – das wäre die Hoffnung einer wachsenden Zahl von Menschen, den Krieg im Konflikt mit der Staatsmacht verhindern oder sich ihm kollektiv entziehen zu können. Vor einem solchen Szenario haben die Regierungen Angst.
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Unterwerfung als einzige Option
Hier kommt ein bewährtes Hilfsmittel der Politik ins Spiel: das „Einspannen“ der etablierten Presse. Diese bedient sich auch der heutigen, hochgefährlichen Lage wieder einer bewährten Manipulationsmethode:
Zugleich mit ihren Berichten über die Willenskundgebungen von Spitzenpolitikern suggerieren die Medien die Unausweichlichkeit der Unterwerfung unter diese.
Es wird eine Konformitätskulisse geschaffen, vor der Widerstand völlig aussichtslos erscheint. Zum Beispiel werden in Umfragen junge Menschen, die sich gern fügen, solchen gegenübergestellt, die sich nur ungern fügen. Sich überhaupt nicht zu fügen, erscheint dagegen undenkbar. Ich glaube zwar, dass ein Zustand des Chaos, in dem sich niemand mehr an die Gesetze hält, nicht erstrebenswert ist. Allerdings wird die Gewohnheit, meist zu tun, was die Regierung beschließt, obsolet, wenn es um das mögliche Opfer des eigenen Lebens geht – ja schon dann, wenn von Bürgern die Einübung von Tötungsvorgängen verlangt wird.
Die Angst vor Strafe im Fall von Ungehorsam scheint absurd, wo Gehorsam das eigene Leben gefährden würde. Gewaltherrschaft hat deshalb vorsorglich die Todesstrafe für Kriegsdienstverweigerung eingeführt. Im derzeit noch milderen Deutschland verlässt man sich auf Propaganda, also auf die Verschleierung der Dringlichkeit der Situation. Das Selbstopfer wird als extrem unwahrscheinlich dargestellt; meist gerät diese Möglichkeit gar nicht erst in den Blick. Schon bald könnte aber folgendes Szenario aktuell werden: Ein Staat verlangt von einem Teil seiner Bürger, ihr eigenes Leben zu riskieren oder ihnen völlig unbekannten Menschen ihr Leben zu nehmen – in einem Krieg, den dieselben Befehlshaber mitverursacht, zumindest aber nicht verhindert haben, obwohl es die Gelegenheiten zum Friedensschluss durchaus gegeben hätte.
In dieser Situation ist es unbefriedigend, nur darauf zu setzen, dass sich Einzelne ihrer „Pflicht“ trickreich entziehen können. Nötig ist vielmehr kollektive Nichtkooperation mit offenem Visier: „Ich schwör’s und sag’s euch gerade ins Gesicht“, sang Reinhard Mey. „Nein, meine Söhne geb ich nicht. Nein, meine Töchter geb ich nicht. Nein, mein eigenes Leben geb ich nicht.“
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