Fire walk with me

Eine Reminiszenz anlässlich des Jahres des Feuerpferdes von M.A. Karjalainen

Wieder einmal die Finger verbrannt, im wahrsten Sinn des Wortes. Warum musste ich auch das Backblech ohne Küchenhandschuh einfach so aus dem Ofen nehmen? Und dann auch noch die selbstgemachten Baguettes mit bloßen Fingern auf die Teller legen? Es schmerzt, doch kaltes Wasser oder gar ein Coolpack sind eindeutig überbewertet. Ich bin ein Feuerpferd, vor 60 Jahren geboren und nun zum zweiten Mal in meinem Leben ein ganzes Jahr in meinem Element.

Nachdem die Erinnerung an mein erstes Lebensjahr völlig verblasst ist, bin ich schon gespannt wie sich ein solcher Zeitraum tatsächlich bewusst erleben, was sich darin bewusst erfahren lässt und was mir widerfahren wird oder gar „wiederfahren“. Welche Erinnerungen werden wach und welche Lehren werde ich an dessen Ende ziehen müssen, können, dürfen, wollen?

Als Grenzgänger zwischen Genie und Wahnsinn lebe ich dennoch ein durchaus unauffälliges Leben, vor allem für die Außenstehenden. Die mir Nahestehenden, also im Prinzip nur die, die mir am nächsten stehen, kennen meine andere Seite, die – wie sagt man so schön – dunkle oder meine Schattenseiten. Einige sind lange oder sogar länger geblieben, haben sich mit mir gemeinsam meinen Feuern gestellt und sich die eine oder andere Brandwunde zugezogen. Andere sind bald geflüchtet, weil es ihnen zu heiß wurde und wieder einige sind zuerst meinem Feuer erlegen, um sich dann abzuwenden und mich zu hassen, es mir heim zu zahlen oder mich fortan zu meiden. Auch habe ich an dieser oder jener Stelle durchaus verbrannte Erde hinterlassen.

Die Leidenschaft ist mir nicht abzusprechen, auch wenn sie immer wieder Leiden schafft – für mich selbst und bedauerlicher Weise auch für andere. Doch ist sie durchaus auch ein Motor für all das, was mir wichtig ist, was ich in Angriff nehme, womit ich meine Lebensstunden fülle. Viel zu oft jedoch brennt dieses Feuer mehr in mir und findet seinen Weg nach außen nicht. Brandreden sind mir fremd, meinen Anliegen versuche ich oft auch mit untauglichen Mitteln Gehör zu verschaffen. Wohl eine Folge meiner Erziehung und meines Lebens in einem traumatisierten Elternhaus. Ich kämpfe – viel zu oft mit mir. Und immer wieder mit allem, was sich Autorität anmaßt.

Fasziniert bin ich von jenen, die in ihrem Leben an beiden Enden brennen, auch wenn dieses dadurch mitunter vor der Zeit zu Ende geht. Deren Mut fehlt mir. Oder wäre das bloß Übermut? Ich habe – beschützt von wem auch immer – mir Grenzen auferlegt, in dem ich früh verheiratet, früh auch Vater wurde. In dem ich nicht nur eine, sondern gleich drei Familien gründete – einmal auch im Patchwork - mit allen ihren Folgen. Nicht alle meine Kinder sind mir dafür dankbar – auch deren Mütter nicht. Und doch sind zwei von jenen auch heute noch an meiner Seite. Die anderen gehen ihre Wege ohne mich, all mein Bemühen um sie – war es genug? – führte uns nicht wieder zusammen.

Selbstanklage ist zu meinem destruktiven Element geworden, ich baue mir vorweg schon lieber selbst den Scheiterhaufen, auf dem ich sühnen kann, was ich mir als Verbrechen auslegen will. Dein Wille ist dein Himmelreich – oder nicht doch vielmehr die Hölle?

Ein Jahr der Reflexion liegt nun vor mir. Beim ersten Mal kam ich auf meine eigenen Beine, auch wenn die Bedingungen nicht günstig waren. Und dieses Mal stehe ich auf diesen Beinen und blicke zum einen zurück auf 6 Jahrzehnte und doch voraus auf das, was bleibt, schaue auch auf mein Ende, das näher zu liegen scheint als die Geburt. Es gilt das eine oder andere zu regeln, ganz ohne Furcht, denn Feuer ist mein Element. Und dieses Feuer braucht es womöglich auch, um mutig die Schritte zu tun, die zur Erlösung führen.

Kennt ihr Grisu, den Drachen, der Feuerwehrmann werden will? Ich hoffe nicht, dass mir sein Schicksal blüht. Trotz aller dieser Vorsätze werde ich David Lynch, den Meister der vom Feuer beseelten Dunkelheit, dennoch nicht aus meinem Leben bannen. Das Feuer ist zu faszinierend – und es will mit seiner konstruktiven Seite – endlich – gelebt werden. Lasst mich – endlich - Licht und Wärme bringen, für dich, für mich, für uns. In meinem zweiten Jahr des Feuerpferdes. Als Erzengel mit dem Flammenschwert. In liebevoller Klarheit.

Bild von Chris022345) auf Pixabay45)

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