FreiSein mit Friedensworten österreichischer Schriftsteller
„Dieses Buch versammelt Stimmen der Vergangenheit als lebendige Mahner der Gegenwart. Kluge, ernste und hoffnungsvolle Friedensworte klassischer österreichischer Schriftsteller, die durch die Zeit hallen und nicht verstummen, solange sich Menschen bekriegen.“ Mit diesen Worten leitet Danny Lupp, Chefredakteurin des Online-Magazins fürs FreiSein Unsere ZeitenWende und Herausgeberin des „Wunderblatts“, die von ihr zusammengetragene Sammlung kurzer und längerer Texte, die allesamt im Zusammenhang mit Frieden stehen, ein.
Es ist ein Buch, das ich – wie der Titel dieses Beitrags erahnen lässt –, tatsächlich einmal täglich zur Hand nehme, mir einen Text aussuche, um ihn den ganzen Tag lang wirken zu lassen.
Bevor wir uns dem Büchlein inhaltlich nähern, müssen wir einen Blick auf die Gestaltung werfen, die insgesamt als gelungen bezeichnet werden darf. Im Taschenbuchformat liegt es gut in der Hand, der feste Einband, der auf der Titelseite eine in Pastell gehaltene Abbildung einer hügeligen Landschaft und eine Dichterfeder zeigt, bildet einen dem Thema angemessenen gut haltbaren Rahmen für die 68 mattglänzenden und für die Ausführungen notwendigen stabilen Seiten. Da diese nicht rein weiß sind, laden sie mit der dadurch anheimelnden Atmosphäre zum Verweilen ein, was nicht schaden kann, wenn sich die Wirkung dieser Dichterworte voll entfalten soll. Hervorzuheben sind zudem die sehr ansprechenden Illustrationen, die den hier versammelten Dichtern und ihrer Zeit mehr als gerecht werden. Sie sollen, wie die Herausgeberin im Vorwort schreibt, „dem stillen Schrei dieser tapferen Männer und Frauen auch bildhaftes Gewicht verleihen“; was sie absolut tun.
Der erste, der zu Wort kommt, ist der „Schriftsteller, Dramatiker und (Theater-)Dichter“ Franz Grillparzer, über den Lupp schreibt, dass er „kein Mann der Revolution, aber Kritiker autoritärer Willkür, die Freiheit einschränkt“ war. Angesprochen, weil so zeitgemäß, hat mich vor allem folgendes Zitat:
Die Regierung soll durch die Presse ebensogut belehrt werden, als die Privaten, also kann die Regierung auf die Presse keinen Einfluss ausüben.
Es folgt Peter Rosegger, „ein Verfechter des friedlichen Miteinanders“, der mich im Besonderen mit einem kurzen, aber intensiven Gedanken bewegte:
Wir wären manchmal göttlicher, wenn wir menschlicher sein wollten.
Dies sei ausdrücklich jenen ins Stammbuch geschrieben, die sich gottgleich über die Menschheit erheben und sie zu ihren Marionetten und Spielbällen machen, nur um die Illusion ihrer Allmacht aufrecht erhalten zu können.
Auch der „Schriftsteller, Erzähler und Arzt“ Arthur Schnitzler hat Wichtiges zum Thema beizutragen und bringt das auf den Punkt, was wir gerade jetzt wieder erleben, aber dringend auch erkennen müssen:
Jeder Krieg wird unter den nichtigsten Vorwänden begonnen, aus guten Gründen weitergeführt und mit den verlogensten Ausreden beschlossen.
Wer das verinnerlicht, wird niemals mehr das willfährige Opfer kriegslüsterner Autokraten und weiß sich in seiner Verweigerung bestärkt und bestätigt.
Nicht fehlen darf in der Sammlung natürlich Karl Kraus, der als „Publizist, Schriftsteller, Satiriker, Dramatiker und Kulturkritiker“ vorgestellt und als „schreibender Unruhestifter seiner Zeit“ und mit Hilfe seiner Zeitschrift „Fackel“ als Kämpfer gegen den Krieg bezeichnet wird. Hervorheben möchte ich aus den Zitaten den Abschnitt über die Kriegsmüdigkeit, das Kraus als das dümmste Wort von allen bezeichnet – und das zurecht:
Kriegsmüde hat man immer zu sein, das heißt, nicht nachdem, sondern ehe man den Krieg begonnen hat. Aus Kriegsmüdigkeit werde der Krieg nicht beendet, sondern unterlassen.
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Georg Trakl, der die Schrecken des ersten Weltkriegs, „die er dort als Sanitätsleutnant mitansehen musste“, niemals verwinden konnte und mit nur 27 Jahren den Drogentod fand, ist ein sprechendes Beispiel für das, was Krieg Menschen antut:
Alle Straßen münden in schwarze Verwesung ist da zu lesen oder
Am Abend tönen die herbstlichen Wälder
Von tödlichen Waffen …,
aber auch Tröstliches wie:
Gefühl in todesnahen Augenblicken:
Alle Menschen sind der Liebe wert.
Der überzeugte „Kriegsgegner und Verfechter von Völkerverständigung, Freiheit und Menschlichkeit“ Stefan Zweig, der als Schriftsteller und Übersetzer tätig war, zeigt sich auch von seiner ironischen Art, wenn er schreibt:
Die einen wollen Frieden und die anderen keinen Krieg.
Das erzeugt natürlich Spannungen.
Seine kurze Analyse der Politik trifft es leider nur zu genau:
Wahrhaftigkeit und Politik wohnen selten unter einem Dach.
Wer erinnert sich da nicht an die Worte des ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker, der ganz offen von der Notwendigkeit des Belügens der Bevölkerung sprach.
Zu Herzen nehmen sollte man sich folgenden tiefgehenden Rat:
Der Mensch in uns sagt: nur durch die Trauer lebst du wahrhaft die Zeit, fühlst du den Krieg.
Aber das Leben spricht: nur durch Freude erlöst du dich von der Zeit, besiegst du den Krieg.
Der „Schriftsteller und Journalist“ und als „Chronist des untergehenden Habsburgerreiches“ bekannte Joseph Roth „mahnte stets vor der Zerstörung durch den Krieg“. Im Versuche, dessen Gründe zu durchleuchten, kommt er zu folgendem Schluss:
Die Furcht vor dem Menschen ist die Ursache eines Krieges. Jeder Einzelne, jedes Volk fürchtet sich. Niemals wird es Frieden geben, solange der Mensch den Menschen fürchtet. Der Mensch ist ein reißendes Tier. Die Menschen zu fürchten, heißt die Menschen zu hassen.
In seinem Gedicht „Soldaten“ schildert er eindrucksvoll deren Befindlichkeit und Sehnsucht:
Alle haben sie diesen müden
seltsamen Zug in den bleichen Gesichtern:
…
Ihre harten, zerrissenen Hände,
faltet die Demut und kindheitsverwehte
Worte fassen sie still im Gebete:
Herr, mach ein Ende! O Herr, gib ein Ende! …
Marie von Ebner-Eschenbach, Schriftstellerin und Dichterin, „erkannte, dass der Frieden im Inneren des Menschen dazu führen könne, die Welt zu verändern“:
Alle irdische Gewalt beruht auf Gewalttätigkeit, konstatiert sie zurecht, weiß aber auch das Rezept zur Heilung:
Wer Böses erlitten hat und kein Böses tut, der hat den Krieg besiegt – in sich und für die Welt.
Fehlen darf in einem Buch voller Friedensworte natürlich keinesfalls die „Schriftstellerin, Friedensforscherin und Friedensnobelpreisträgerin“ Bertha von Suttner, für die „Krieg Kulturversagen, ein Akt menschlichen Irrsinns“ war. Sie gründete die Österreichische Friedensgesellschaft und war „mutige Sprecherin in einer Zeit, als Frauenstimmen oft ungehört blieben.“
Der Friede! Welch ein süßer – wohliger Gedanke … schreibt sie und
Der Friede ist die höchste Wohltat – oder vielmehr die Abwesenheit der höchsten Übeltat, – er ist der einzige Zustand, in welchem die Interessen der Bevölkerung gefördert werden können.
Ist Krieg dann die logische Folge, wenn Staatslenker dem nicht mehr nachkommen können oder wollen? Es scheint so. Aber:
Nicht unseren Vorvätern wollen wir trachten uns würdig zu zeigen – nein: unseren Enkelkindern.
Zuletzt dürfen wir noch den Worten des „Neurologen, Begründers der Psychotherapie und Autors“ Sigmund Freud lauschen, der „Krieg als tief verwurzelten Trieb zum Hassen und Vernichten“ ausmachte. So schreibt er:
Alles, was Gefühlsbindungen unter den Menschen herstellt, muss dem Krieg entgegenwirken,
erinnert aber auch:
Der Mensch ist selten im ganzen gut oder böse,
und lässt Hoffnung entstehen, wenn er sagt:
Ich glaube, der Hauptgrund, weshalb wir uns gegen den Krieg empören, ist, dass wir nicht anders können. Wir sind Pazifisten, weil wir es aus organischen
Gründen sein müssen.
Im Epilog schließt Danny Lupp mit einem Appell an alle, die dem Frieden dienen wollen. Sie fordert „die Einsicht, dass Krieg keine wiederkehrende Notwendigkeit, sondern eine Wahl ist, darum verhindert werden kann, wenn wir alle Stimmen – jene der Vergangenheit und jene der Gegenwart – vereinen und zum Beben bringen“.
So möchte ich einladen, mit Hilfe dieser Sammlung an Friedensworten, in diesen Chor mutig und zuversichtlich einzustimmen.
mehr Informationen zum Buch unter: www.wunderblatt.at/buecher
Dieser Beitrag wurde auf den Seiten des Online-Magazins fürs FreiSein “Unsere ZeitenWende” am 14.2.26 erstveröffentlicht.
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