Eine Analyse von Marcel Bühler.
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Es war wohl kein Zufall, dass in der Zürcher “NZZ” am 28.2.2026, dem genauen Angriffstag Israels und der USA auf den Iran, auf der Seite “Feuilleton” ein Artikel mit dem Titel “Warten auf den Heiland” erschien. Darin geht es um den schiitischen Glauben und seiner Heilserwartung des Wiedererscheinensdes vor über tausend Jahren verschwundenen zwölften Imams. Nach der schiitischen Lehre der Rechtsnachfolger des Propheten Mohammed gab es nach der Ermordung des Enkels Hassan Ibn Ali bzw. des Märtyrertodes seines Bruders Hussein Ibn Ali in der Schlacht von Kerbela 680 n. Chr. zwölf legitime Imame als Nachfolger. Der 11. Imam, Hassan Al-Askari, soll 874 n. Chr. kinderlos verstorben sein, zu seinem Nachfolger wurde aber Muhammad Al-Mahdi erwählt der jedoch plötzlich als 5-jähriger Bub unter ungeklärten Umständen verschwunden bzw. entrückt sei. Er wird aber eines Tages wiederkehren und ein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit für die oft verfolgten Schiiten errichten und den wahren bzw. unverfälschten Islam wiederherstellen.
Der von den Israelis und US-Amerikanern am 28.2.2026 ermordete Ayatollah Ali Khamenei war ein schiitischer Gelehrter und der oberste Religionsführer im Iran. Ein Basari in Shiraz bezeichnete ihn 2022 mir gegenüber etwas respektlos als “Diktator”, andere (gerade auch viele Frauen) verehrten ihn als Heiligen und Stellvertreter des kommenden Mahdi auf Erden. Sein 56-jähriger Sohn Mojtaba Khameneiist nun sein designierter Nachfolger.
Irans Verfassung basiert auf der Herrschaft der Rechtsgelehrten. Diese sollen das Land nicht nur nach den Gesetzen des Korans und der verschiedenen Rechtsschulen regieren und als oberste Richter auftreten, sondern damit auch die Voraussetzung für die Wiederkehr des Mahdi, des “Rechtgeleiteten” und “Erlösers” schaffen. Die islamische Republik wird also aufgrund bestimmter Rechtsauffassungen und nicht durch blosse Willkür einiger weniger regiert. Laut dem NZZ-Beitrag vom 28.2.2026 soll der Mahdi jedoch nur erscheinen, wenn auch die für Moslems heilige Stadt Al-Quds (Jerusalem) wieder in islamischer Hand sei, deshalb müsse der Staat Israel und seine Besatzungsarmee in einem kommenden Krieg vernichtet werden. Mit anderen Worten: die islamische Republik würde von einem Haufen religiöser Fanatiker regiert, deren Ziel die totale Vernichtung Israels sei um damit die Erlösung der Weltzu ermöglichen. Damit ist natürlich implizit das Vorgehen Israels und der USA gegen den Iran und seine “Achse des Widerstandes” (Hamas, Hisbollah, Huthis) gerechtfertigt und notwendig, besonders im Hinblick auf die mögliche Entwicklung einer iranischen Atombombe (gegen welche sich aber Ayatollah Ali Chamenei in seiner Fatwa von 2005 ausgesprochen hatte).
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General Qasem Suleimani, der am 3.1.2020 auf dem Weg zu einer Vermittlermission nahe des Flughafens von Bagdad auf direkten Befehl von Präsident Donald Trump mit einem Drohnenangriff ermordet wurde. Er wird im Iran noch immer als Volksheld und Symbol des nationalen Widerstandes selbst von Regimekritikern verehrt. Ein solches Bild von ihm bekam ich in einem Laden in Isfahan geschenkt, der junge Mann erklärte mir, mit dem Andenken an Suleimani würden die Iraner keine Geschäfte machen.
Heilserwartungen gibt es aber auch bei den beiden anderen monotheistischen Religionen. Orthodoxe Juden glauben seit dem Ende des jüdischen Königtums 586 v. Chr. (Eroberung Jerusalems durch die Babylonier) noch immer an die Wiederkunft eines Messias (von hebräisch “Maschiach”, der Gesalbte), eines direkten Nachkommens von König David und Salomo, der Gottes Willen endgültig verwirklichen, als (weltlicher) König alle Juden zusammenführen, von Fremdherrschaft befreien und ein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens herbeiführen werde. Dabei gibt es in der jüdischen Bibel, dem Tanach, keine eindeutig formulierten Prophezeiungen, die eine konkrete zukünftige Persönlichkeit als Erlöser beschreibt. Im messianisch-jüdischen Glauben bezieht sich der Begriff Messias auf die Überzeugung, dass Jehoschua der im Tanach angekündigte Erlöser sei. Messianische Juden verbinden dabei Elemente des traditionellen Judentums mit dem Glauben an Jesus Christus (von griech.”Christos”, der Gesalbte) als Erlöser.
Der Zionismus ist eine im 19. Jahrhundert entstandene politische Nationalbewegung mit dem Ziel, in Palästina eine Heimstätte für Juden aus der ganzen Welt zu errichten, um sie vor zukünftigen Verfolgungen zu schützen und den Juden eine eigene nationale Identität zu geben. Obwohl viele Zionisten wie Theodor Herzl (Autor des Buches “Der Judenstaat”) oder Max Simon Nordau die orthodoxen Juden als zottige und nach Knoblauch riechenden religiöse “Ewiggestrige” verachteten, knüpften sie mit der Wahl von Palästina und Jerusalem als mögliche Hauptstadt des Judenstaates an die Tradition des orthodoxen Judentums und seiner religiösen Heilslehre an (das Wort “Zion” bezieht sich klar auf Jerusalem). Sie bekamen dabei politische Unterstützung von “christlichen Zionisten” wie Lord Arthur James Balfour, dem britischen Aussenminister während des 1. WK, welche aus geostrategischenund religiösen Gründen ein Interesse an der Errichtung eines säkularen Staates Israel hatten auf den die Briten bzw. später die US-Amerikaner Einfluss haben würden.
Unter dem rechtsgerichteten Likud von Benjamin Netanjanu (“King Bibi”) vereinigen sich extrem nationalistische wie religiös fanatische israelische Parteien welche die Errichtung eines unabhängigen Palästinserstaates mit allen Mitteln verhindern wollen. Daher müssen auch alle Staaten und Organisationen, welche die Palästinenser noch unterstützen, wie der Iran, die schiitische Hisbollah oder die Huthis bekämpft und ausgeschaltet werden. Dabei spielt die Stadt Jerusalem, welche für alle monotheistischen Religionen von grosser Bedeutung ist, eine entscheidende Schlüsselrolle. Glauben doch nicht wenige Juden wie auch fundamentalistische Christen fest daran, dass erst mit der Wiederherstellung des (mythischen) vereinten Reiches unter König David und Salomo aus dem 10. Jahrhundert v. Chr. mit der Hauptstadt Jerusalem der lang erwartete Friedensbringer und Erlöser, der Messias bzw. Jesus Christus wieder kommen und ein tausendjähriges Friedensreich von Gottes Gnaden errichten wird. Felsendom und Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg sollen dabei einem 3. jüdischen Tempel weichen.
Der Tempelberg von Jerusalem wird heute von der Al-Aqsa-Moschee (rechts unten) und dem Felsendom (mit goldener Kuppel) geprägt. Diese sollen nach den Vorstellungen radikaler Juden und Christen zugunsten eines neu zu errichtenden 3. jüdischen Tempels zerstört werden, was natürlich ein Sakrileg für alle Moslems wäre.
Zuvor aber findet (H)armaggedon, eine gewaltige Endschlacht zwischen dunklen und hellen Kräften statt, die dem jüngsten Gericht Gottes und dem Kommen des tausendjährigen Friedensreiches vorangehen. Der Name bezieht sich auf den Ort, wo die Schlacht (im heutigen Israel) stattfinden soll und leitet sich von Har Meggido (Berg Meggido) ab. Der Tel Meggido ist als archäologische Ausgrabungsstätte bekannt und ist ein ca. 10 Hektaren grosser, rund 21,3 Meter erhobener Hügel mit Blick auf die Jesreel-Ebene, wo es bereits in der Bronzezeit einen bedeutenden kanaaitischen Stadtstaatgab. Er spielte laut dem ehemals leitenden israelischen Archäologen Israel Finkelstein auch unter den omridischen Königen des Nordreichs Israel (mit der Hauptstadt Samaria bzw. der etwas kühleren Sommerresidenz Jesreel) ein wichtige Rolle. Nach archäologischen Befunden dominierte das Nordreich Israel mit seinen Hunderten von Streitwagen und einer grossen Olivenöl-Produktion, die bis nach Ägypten verhandelt wurde, bis zu seiner Zerstörung 722 v. Chr. durch die Assyrer das eher unbedeutende und karge Südreich Juda mit der Hauptstadt Jerusalem. Der Aufstieg von Juda erfolgte erst im 7. Jahrhundert v. Chr. durch den Zustrom von Flüchtlingen und Technologien aus dem Norden. Unter König Josia (nicht zu verwechseln mit dem mythischen König Josua) gegen Ende des 7. Jahrhunderts (er wurde 609 v. Chr. vom ägyptischen Pharao Necho getötet) erfolgte eine religiöse und politische Reform bei der Jahweh (Jehowah) zum alleinigen Gott der Juden erkoren wurde. Allerdings hielten sich die Verehrung der kanaaitischen Fruchtbarkeits- und Himmelsgöttin Aschera (vergleichbar mit der ägyptischen Nut), der “schreckliche” Baalkult aus Phönizien und andere Gottheiten wie Kameschoder der Sonnen- und Mondkult noch lange. Laut Finkelstein gibt es keine archäologischen Beweise für ein geeintes hebräisches Reich unter König David und Salomo im 10. Jahrhundert v. Chr., auch nicht für einen Auszug grosser Gruppen aus Ägypten im 13./12. Jahrhundert v. Chr. in die Wüste Sinai oder eine Abstammung von den legendären “Urvätern” Abraham, Isaak und Jakob. Nach seiner Auffassung sind dies alles mythische Geschichten von Schreibern aus dem 7./6. Jahrhundert v. Chr. in Jerusalem um eine grosse gemeinsame Geschichte aller 12 hebräischen Stämme zu schaffen (siehe dazu sein vielbeachtetes Buch “Keine Posaunen vor Jericho” von 2002).
Die archäologische Fundstelle von Tel Meggido, eines kanaaitischen Stadtstaates in der Bronzezeit welcher im 9. Jahrhundert v. Chr. unter den berühmten omridischen Königen des Nordreichs Israel eine neue Blütezeit erlebte (Eisenzeit II).
Das hier von Prof. Yigael Yadin nach der Gründung von Israel ausgegrabene berühmte Sechskammertor wurde von ihm in die salomonische Zeit datiert und als Beweis für ein grosses, geeintes hebräisches Reich im 10. Jahrhundert v. Chr. aufgeführt. Moderne Forschungen unter Prof. David Ussishkin von der Universität Tel Aviv datieren das Tor hingegen erst in das 8. Jahrhundert v. Chr., vergleichbare Tore aus dieser Zeit kennt man auch aus dem aramäisch-syrischen Reich mit der Hauptstadt Damaskus.
Der Schweizer Politikwissenschaftler und Historiker Prof. Pascal Lottaz an der University of Kyoto, Japan hat das aktuelle Thema aufgegriffen, dass in der Administration von Donald Trump radikale Evangelistenund christliche Zionisten wie der lautstarke Kriegsminister Pete Hegseth agieren, für die der Krieg gegen den Iran ein religiöser Feldzug sei um die Endschlacht Armaggedon und das erneute Erscheinen von Jesus Christus willentlich herbeizuführen. Hier sein interessanter Beitrag (auf englisch):
https://www.youtube.com/watch?v=8E2dzaBjUfQ
Vielleicht sollten gerade die 3 monotheistischen Religionen nach Jahrhunderten der Kreuzzüge und religiösen Verfolgungen und Unterdrückungen zur Einsicht kommen, dass das ersehnte Friedensreichnur entstehen kann, wenn sie sich auf die gemeinsamen Ursprünge besinnen. Die “heilige” Stadt Jerusalem könnte dann ein Schmelztiegel und Zentrum des Friedens werden anstatt ein ewiger Zankapfel der Völker. Man lese auch wieder einmal Lessings “Nathan der Weise”.
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