Geht ausgerechnet Amerika jetzt bei der Ernährung mit gutem Beispiel voran?
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FEB. 06, 2026
Echtes Essen? Eigentlich etwas Schönes, Gutes. Echtes Essen, das sind Äpfel, Heidelbeeren, Tomaten, Paprika, also das, was aus der Natur kommt, möglichst frisch, auch Eier, Milch, mal ein Hähnchen, ein Schnitzel oder Steak.
Das empfiehlt jetzt die amerikanische Regierung: „Essen Sie echte Lebensmittel!“ (Screenshot: Instagram)
Deutsche Experten sind „entsetzt“, so die Bild-Zeitung, und präsentierte einen Professor, der die neuen Empfehlungen für gesunde Ernährung strikt ablehnt. Ein wichtiger Mann: Jüngst wurde er ins oberste Beratergremium der deutschen Bundesregierung berufen. Er ist damit sozusagen offizieller Lebensmittelwächter der Bundesrepublik Deutschland.
Was die Bild-Zeitung nicht sagt: Wer seine Partner und Sponsoren sind. Tipp: Mit echtem Essen haben sie nicht viel zu tun.
Front gegen echtes Essen
Auch die wichtigste Fachgesellschaft übte Kritik: die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), ebenfalls der Industrie seit langem eng verbunden, bis hinauf zum Spitzenpersonal.
Der Kontrast könnte größer kaum sein: Auf der einen Seite die Vereinigten Staaten von Amerika, die quer über die Parteigrenzen hinweg den Kampf aufgenommen haben gegen Nahrung, die krank macht.
Doch hier bei uns formiert sich eine erstaunliche Ablehnungsfront, gebildet vor allem von Professoren, die enge Verbindungen haben zu den Herstellern der ungesunden Nahrung – und zu den Mächtigen in Politik und Behörden.
Der Bock als Gärtner: Das ist hier die geheime Leitmaxime, auch jetzt, in der Auseinandersetzung um die wohl wichtigste Wende in der globalen Ernährungspolitik der letzten Jahrzehnte.
Der Bock als Gärtner
Ausgerechnet die Vereinigten Staaten von Amerika propagieren jetzt echtes Essen. Möglichst naturnah. Wie bei der berühmten „Mediterranen Ernährung“, die in der Medizin als Königsweg zu einem langen und gesunden Leben gilt.
Die bisherigen Empfehlungen haben die Menschen krank gemacht, vor allem der wahnhafte Kampf gegen das Fett und die damit einhergehende Verharmlosung von Zucker. Das sagen sogar hochrangige Beteiligte, ebenfalls aus den USA (siehe hier).
Sie sagen auch, was zu dem Irrweg geführt hat: Die Industrienähe der wichtigsten Professoren und ihrer mächtigen Fachgesellschaften. In den USA erklärt die einschlägige Professorenvereinigung sogar Firmen wie Nestlé, Coca-Cola & Co. ganz offiziell zu „Partnern“ , gegen Zahlung eines gewissen Geldbetrages.
Unter seriösen Wissenschaftlern wächst angesichts solcher Praktiken die Sorge. Denn die Nähe zu den Produzenten des Ungesunden erhöht natürlich auch die Gefahr, dass die Professoren sich eher für ihren Kontostand interessieren als für wissenschaftliche Wahrheit und das Wohlergehen der Menschen.
Das ist tatsächlich in Gefahr. Und zwar weltweit. Auch bei uns. Jedes Jahr gibt es mehr Abzüge auf dem Lohnzettel. Die Ausgaben für Krankheiten steigen ins Unermessliche.
Ein Akt der Notwehr
Amerika hat jetzt den Kampf aufgenommen. Es ist sozusagen ein Akt der Notwehr. „Amerika ist krank“, diagnostiziert die Regierung in Washington: 75 Prozent der Amerikaner leiden an chronischen Krankheiten, sie verursachen 90 Prozent der Kosten.
Wichtigste Ursache: Ungesundes Essen. Fastfood und Softdrinks, Fertiggerichte, Snacks, kurz: die „ultra-verarbeitete Nahrung“.
Die Regierung startete eine Kampagne, in Schulen, Kindergärten, sogar im Militär, und natürlich im Internet („realfood.gov“).
Echtes Essen first. So wollen es die neuen US-Ernährungsrichtlinien: „Wir stellen echte Lebensmittel wieder in den Mittelpunkt der amerikanischen Ernährung. Echte Lebensmittel, die den Körper nähren. Echte Lebensmittel, die die Gesundheit wiederherstellen. Echte Lebensmittel, die Energie liefern und zu Bewegung und Sport anregen. Echte Lebensmittel, die Kraft geben.“
Klingt absolut vernünftig.
Experten unter Schock
Für die Meinungsführer hierzulande ist das indessen ein Schock.
Seit Jahrzehnten pflegen sie enge geschäftliche Verbindungen zu den Herstellern des Ungesunden (mehr dazu hier). Selbst die höchsten Repräsentanten der wichtigsten Expertenvereinigung scheuen nicht vor den abstrusesten Behauptungen zurück (»Wenn man sich nur von Gummibärchen ernähren will – no problem.«.) Und zwar unter dem begeisterten Beifall der tonangebenden Medien (mehr dazu hier). Sie stehen ebenfalls entschieden auf der Seite des Ungesunden, angeführt von ARD & ZDF (siehe hier und hier).
Und so zeigen sie auch eine besondere Zuneigung zu ihrem aktuellen Lieblingsexperten, der in der Bild-Zeitung sein Entsetzen über die Kampagne der US-Regierung für echtes Essen loswerden durfte.
Er ist medial wahrhaft allgegenwärtig, auch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), der Süddeutschen Zeitung (SZ), der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ), ebenso der tageszeitung (taz) sowie in Spiegel, Zeit und Focus.
Engagiert lobt er Vitaminpillen, verharmlost die Gefahren durch Süßstoffe, spielt die Risiken genau jener Produkte herunter, die jetzt in Amerika unter Beschuss sind: »Hochverarbeitete Lebensmittel sind nicht per se ungesund«.
Den weißen Kittel vergolden
Sein Name: Martin Smollich. Er ist gelernter Apotheker und Professor im Ostseestädtchen Lübeck. Das verleiht ihm seinen weißen Kittel und die damit verbundene Aura von Autorität, die sich sehr schön zu Geld machen lässt.
Er ist auch selbst Unternehmer geworden, prostituiert sich auf Plattformen wie X oder LinkedIn: „Wir öffnen Türen, unterstützen mit wissenschaftlichen Daten und begleiten Sie auf dem Weg zu Ihren unternehmerischen Zielen“. Er prahlt mit seinem breiten „Netzwerk in Wirtschaft, Wissenschaft, Fachgesellschaften, Medien und Behörden.“
Ganz oben steht jetzt natürlich sein neuer Posten als Lebensmittelwächter der deutschen Bundesregierung: Seit 2026 ist Smollich Mitglied der zuständigen Kommission für Lebensmittelsicherheit beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).
Kein Alarm, kein rotes Licht
Eigentlich müsste irgendwo ein Alarm losgehen, ein rotes Licht aufleuchten, wenn so jemand in ein amtliches Gremium berufen wird, das über unsere Gesundheit zu befinden hat.
Schließlich ist es ein Interessenkonflikt mit potenziell gefährlichen Folgen.
In der Fachwelt, bei seriösen Wissenschaftlern, wächst deshalb die Sensibilität für solche sachfremden Verquickungen.
Das weltweit angesehenste Wissenschaftsmagazin Nature fürchtet schon um Einfluss und Glaubwürdigkeit der ganzen Expertenbranche. Das renommierte Ärztejournal British Medical Journal (BMJ) spricht sogar von „Korruption“ und sieht darin eine Gefahr für die Volksgesundheit, heute “Public Health” genannt.
Denn wenn die Professoren in ihren weißen Kitteln zugleich für die „schädlichen Industrien“ (BMJ) tätig sind, können sie die öffentliche Meinung beeinflussen, die Gesetze, das Verhalten der Menschen – zum Schaden von uns allen.
Nötig seien daher entschiedene Gegenmaßnahmen. Vor allem Regierungen sollten „mit gutem Beispiel vorangehen“.
Die deutsche Bundesregierung indessen denkt gar nicht daran. Ihr genügt es, wenn so ein geschäftstüchtiger Professor versichert, „unabhängig, unparteiisch“ und allein nach seinem „wissenschaftlichen Sachverstand“ zu urteilen und sich „ausschließlich an der Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher auszurichten“.
Eine „Declaration of Interest“, eine Erklärung über Interessenkonflikte, verlangt die deutsche Bundesregierung nicht, nach dem Motto: Vertrauen ist gut, blinder Glaube noch besser.
Daumen hoch für die Kunden des Professors!
So darf der umtriebige Professor aus Lübeck jetzt urteilen über die gesundheitlichen Risiken von Lebensmitteln, Zusatzstoffen, Vitaminen & Co., auch Säuglingsnahrung und mehr.
Er darf den Daumen heben oder senken – und zwar genau über die Produkte seiner Kunden, Partner und Sponsoren!
Der Hafermilch-Hersteller Oatly zählt dazu, auch ein hipper Ersatznahrungsproduzent namens YFood, an dem Nestlé beteiligt ist. Und Danone, jener Food-Multi mit den chemiegestützten „Fruchtzwergen“ sowie der dubiosen Kindermilch, die unsere Regierung einst sogar verbieten wollte (Screenshot: TikTok / Montage DR. WATSON).
Auch wenn die Bundesregierung da lieber beide Augen zudrückt: Im Internet sind sie ganz leicht zu finden.
Fragt sich natürlich, wer ausgerechnet diesen Herrn mit den multiplen Interessenkonflikten als Lebensmittelwächter der Bundesrepublik Deutschland engagiert hat?
Es war, wie eine Sprecherin auf Anfrage von DR. WATSON mitteilte, „ein externes Berufungsgremium“ aus Vertretern der deutschen Bundesregierung und dem „wissenschaftlichen Beirat“ des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).
Und auch hier sind – Überraschung! – die Vertreter der „schädlichen Industrien“ (BMJ) postiert. Der ganze Entscheidungsapparat ist offenbar durchsetzt von Leuten in doppelter Mission.
In diesem „wissenschaftlichen Beirat“ zum Beispiel sitzt Professor Stephan C. Bischoff von der Universität Stuttgart-Hohenheim, der sein Beamtengehalt von uns Steuerzahlern bezieht – und sein Nebeneinkommen von einer Nestlé-Tochtergesellschaft, als Filialleiter an seiner Hochschule (mehr dazu hier).
Zudem ist Bischoff (Foto: Mitte; Screenshot: Optimed / Montage: DR. WATSON) hoher Funktionär beim International Life Sciences Institute (Ilsi))). Das wird getragen von großen Konzernen wie Mars, McDonald’s, Monsanto, Nestlé, Ferrero, Südzucker, Unilever (Transparenzhinweis: Professor Bischoff hat zu Beginn seiner Karriere auch an der DR. WATSON Datenbank mitgewirkt).
Freunde der Krankmacher-Konzerne
Auch die Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) pflegt eine „Verbindung“ mit diesem Freundeskreis der Krankmacher-Konzerne: Annette Buyken, Professorin in Paderborn und ebenfalls beratend für die Bundesregierung tätig.
Dieser Lobbyclub des Ungesunden darf sogar bei offiziellen Projekten und Programmen der Europäischen Union mitwirken und seine Professoren als Experten bei der EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde Efsa)) einschleusen.
Die Grenzen sind fließend zwischen Regierung und Industrie, Aufsehern und Beaufsichtigten.
Der Bock macht jetzt auch PR
Und am allerschönsten: Der Bock wird nicht nur zum Gärtner gemacht, er darf auch noch Public Relations betreiben! Er bekommt sogar ein Tarn-Mäntelchen, das wie eine offizielle Uniform der Europäischen Union wirkt.
„Europäischer Lebensmittel-Informationsrat“ heißt die ehrenwerte Gesellschaft (European Food Information Council, kurz „Eufic“) mit Sitz in Brüssel. Klingt schwer amtlich, nach Verbraucheraufklärung. In Wahrheit ist es aber eine Desinformationszentrale der Konzerne des Ungesunden, deren Produkte buchstäblich in aller Munde sind.
Zu ihnen gehören:
Kraft Heinz Company (Heinz Ketchup, Capri Sun, Weight Watchers) )
Mondelez International (Milka, Oreo, Toblerone)
The Coca-Cola Company (Coca-Cola, Fanta, Schweppes)
PepsiCo (Pepsi, Lay’s, Doritos)
General Mills (Häagen-Dazs, Nature Valley, Cheerios)
Nestlé (Maggi, Smarties, Nesquik)
Mars Incorporated (M\&M’S, Ben’s, Whiskas)
Hier zeigt sich vielleicht der Unterschied in Sachen Ernährungspolitik zwischen Europa und Amerika am krassesten. Denn exakt diese Konzerne, die in Europa, finanziert mit Steuergeldern der EU-Bürger, die Leute mit ihren Ernährungslügen bombardieren dürfen, werden in Amerika vor Gericht gebracht.
In Europa staatlich unterstützt, in Amerika verklagt
Genau gegen diese Firmen hat die Stadt San Francisco Klage erhoben beim Superior Court des Staates Kalifornien – und fordert von ihnen Entschädigung in noch nicht festgelegter Höhe.
„Diese Unternehmen“, so der Ankläger, hätten mit der “Entwicklung und Vermarktung von hochverarbeiteten Lebensmitteln eine Krise der öffentlichen Gesundheit ausgelöst“.
Sie hätten Lebensmittel so verändert, dass sie „schädlich für den menschlichen Körper geworden sind“, sagte der Stadtanwalt von San Francisco, David Chiu, in einer Pressekonferenz am 2. Dezember 2025.
Hippie-Kommune einig mit Trump-Regierung
So sind sie plötzlich auf einer Linie: die einstige Hippie-Kommune San Francisco mit der sonst ungeliebten Regierung in Washington.
„Es handelt sich“, meinte die New York Times, „um eine seltene Frage, bei der die liberalen Führungskräfte im Rathaus von San Francisco vollständig mit der Trump-Regierung übereinstimmen, die hochverarbeitete Lebensmittel im Rahmen ihres Mantras ‚Make America Healthy Again‘ ins Visier genommen hat.“
Die US-Bevölkerung sieht das ganz ähnlich. So befürworte laut Washington Post, „die Mehrheit der amerikanischen Eltern ein schärferes Vorgehen gegen stark verarbeitete Lebensmittel, Farbstoffe und zugesetzten Zucker“
Unterstützung kommt auch von wissenschaftlicher Seite: Die Harvard-Rechtsprofessorin Emily Broad Leib etwa lobt im Interview mit dem Portal Harvard Law Today die Klage der Stadt San Francisco als „einzigartig“, weil hier zum ersten Mal eine Regierung gegen Nahrungshersteller klagt. Und obwohl ihre Universität mit der aktuellen Regierung in Washington oft über Kreuz liegt, begrüßt sie ausdrücklich deren neue Ernährungs-Richtlinien.
Ein Hurra aus der Schweiz
Zustimmung gibt es übrigens auch hierzulande, jedenfalls von seriösen Fachleuten.
„Hurra, endlich 😊!“ So tönte es aus der Schweiz: „Es passieren doch noch Wunder Im Bereich der Ernährungsempfehlungen!“
Die neuen US-Ernährungsempfehlungen seien „endlich auf der Höhe der Wissenschaft“, lobte Niklaus Iten, Lebensmittelinspektor von der Dienststelle Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz im schweizerischen Kanton Luzern.
Auch der Münchner Ernährungswissenschaftler Prof. Nicolai Worm sieht sich bestätigt. Er hatte schon vor Jahren eine ähnliche Pyramide vorgeschlagen, abgestimmt auf den persönlichen Bedarf. Von detaillierten Nährwertvorgaben für alle Menschen hält er gar nichts.
„Um Gottes Willen“, sagte er gegenüber DR. WATSON, „das mache ich nicht.“
Ist ja auch Unsinn: Schließlich reguliert der Körper seinen Bedarf selbsttätig, völlig ohne Experten. Durch Hunger und Appetit. Wenn er echtes Essen kriegt.
Übrigens: Echtes Essen hält auch jung! Und macht gute Laune!
Mehr dazu hier:
Hans-Ulrich Grimm: Echtes Essen. Der Anti-Aging-Kompass: Wie wir jünger und gesünder bleiben1-16)