Wochen-Bericht: 26. September bis 2. Oktober. Mit Ben Berndt, einem Wunder aus Bautzen und einem Pastor, der tatsächlich einen Draht nach oben hat.
Jürgen Fliege war da, Menschenflüsterer aus der guten alten Fernsehzeit und damit ein Wunschgast für unseren Interviewkurs. Was soll ich sagen? Auf der einen Seite meine Frau und ich, zwei Journalisten, die Vorbereitung predigen (möglichst alles lesen und sehen, was es von eurem Gesprächspartner gibt) und an jeder Frage lange vorher feilen, und auf der anderen Seite ein Talk-Gastgeber, der seinerzeit zwar Moderationskarten in der Hand hatte, aber sein Herz sprechen ließ und darauf bauen konnte, dass der Text buchstäblich vom Himmel fällt. Mehr Bandbreite auf der Dozentenseite geht kaum.
Ich glaube: Die 14 Teilnehmer, Mitte 20 bis Mitte 60, hatten ihren Spaß. Jürgen Fliege kam schon am Begrüßungsabend ins Wohnzimmer und nicht erst am nächsten Nachmittag wie ursprünglich geplant. Er habe nicht von oben hereinschweben und dann den Besserwisser spielen wollen, sagte er. Erleben, wie sich die Gruppe findet, und so ein Gespür für das reifen lassen, was in den Übungen geht.
Wie trainiert man das Interviewen? Bei Jürgen Fliege: zwei Leute nach vorn. Überlegt, wer die Fragen stellt und wer antwortet. Und das Thema? Lässt sich schwer in einem Text erklären. Die Themen waren plötzlich da und haben genau zu denen gepasst, die miteinander sprechen wollten. Erste Liebe, Todesangst, Organverpflanzung. Ob Sie es glauben oder nicht: Unsere Teilnehmer hatten selbst dann etwas zu sagen, als es sehr speziell wurde. Ein Wunder, würde Jürgen Fliege sagen. Wir sind dann natürlich noch in Richtung Journalismus gewandert, haben gesehen, dass Vorbereitung tatsächlich hilft, und hoffen nun, dass der Schritt in die Praxis gelingt.

Texte
Ben Berndt als Brücke. Wenn man so will: meine Vorbereitung auf den Interviewkurs. Die Geschichte hinter dem Medienphänomen Ungeskriptet und – Fragen über Fragen.
Rettet uns! Ein Mitbringsel von Bastian Werner, der mit Jürgen Fliege üben durfte und nicht ungerupft davonkam. Thema hier: die Hintergründe der aktuellen KI-Hysterie.
Zwölftausend Pieptöne. Nicht virtuell, sondern ganz real – zu hören jeden Tag an der Supermarktkasse. Donar Rau fragt in seinem Kommentar: „Will man die Menschen absichtlich ihres Verstandes berauben?“
Blau-rote Welle. Fragen hat auch Sven Brajer – nach den drei Wahlen im Osten. Analyse zur Lage in Sachsen-Anhalt, MV und Berlin.
September 2026. Diese Wahlen haben es selbstredend auch in unsere erste Chronik geschafft. 69 Sätze zum Erinnern und 23 Fotos für das Album.
Dreiklang im Osten. Im Kreis Bautzen verabschieden Freie Wähler, AfD und BSW ein Integrationskonzept und schlagen dabei neue Töne an. Bericht von Antje Meyen zu einem Papier, das sagt, was von denen erwartet wird, die zu uns kommen.
Verquere Globalgeschichte. Von Sachsens Rand in die große Welt. Eugen Zentner blättert am Medien-Tresen in einem Buch von Philipp Blom, liest die Rezensionen und sagt: Sie alle reden sich den Westen schön.
Der Tag in drei Sätzen. Wird immer besser, schreibt ein Leser. Schauen Sie selbst. Zwei Oktobertage und ein Link zum ganzen September.

Videos
Die Interviews mit Friedrich Pürner und Gerd Reuther sind noch fast frisch. Nächste Woche dann hoffentlich Robert Stein und irgendwann auch die schon längst versprochene Tatort-Analyse.
Kurse
Eine Anregung im Interviewkurs: Reportage und Porträt, vielleicht verknüpft mit Kommentar und Rezension. Meinungsstarke Genres und solche, die eher in Richtung Literatur gehen. Das greifen wir gleich auf und hoffen, dass sich jemand anmeldet – vielleicht sogar Sie. Dafür streichen wir die „intellektuelle Selbstverteidigung“ aus dem Programm. Die nächsten Termine:
8. bis 11. Oktober 2026: Journalismus-Retreat
10. bis 14. März 2027: Kompaktkurs Journalismus
8. bis 11. April 2027: Reportage + Porträt, Kommentar + Rezension
Außerdem jederzeit (wochentags, Anfragen per Mail): Still bleiben, dagegenhalten, weglaufen? Wie wir im Gespräch bleiben.
Sonstiges
Hatte ich hier schon für Marcel Fischer geworben und sein Format Radio Marabu? Wenn nicht: unbedingt reinklicken, vielleicht sogar in die Ausgabe von Montag, in der ich zu hören war. Wer mich sehen möchte: Ende Oktober bin ich bei Paul Brandenburgs Freihafen auf Mallorca, der darum gebeten hat, noch einmal dafür zu werben. Hiermit geschehen.