Wochen-Bericht: 19. bis 25. September. Mit Schnipseln einer perfekten Chronik, traurigen CDU-Gestalten und einer Reportage wie aus dem Lehrbuch.
Dienstag war ich bei Elsa Mittmannsgruber in Linz. Aufnahmen für ihr Format „Echt Wissen“, das im Frühjahr starten soll und zwar ein ähnliches Anliegen hat wie die Brainbooster-Academy (die Informationsflut brechen), zugleich aber ein Gegenentwurf ist. Zunächst keine Bezahlschranke, Interviews statt Vorträge, optional auch Kurse mit Kontakt zu einem Menschen. Ich weiß gar nicht, ob das für mein Thema auch vorgesehen ist. Jetzt haben wir zwei Stunden vor der Kamera diskutiert, wie man sich vor Manipulation und Propaganda schützen kann. Da Sie diesen Newsletter lesen, kennen Sie mein Mantra: Auf das hören, was Bauch, Erfahrung und Vertraute sagen. Sich selbst nicht zu wichtig nehmen. Und raus aus dem Digitalen, rein ins Leben.
Das führt direkt zu einem Trend in der Gegenöffentlichkeit. Neben Vortragstouren der Prominenz und Großveranstaltungen, bei denen man gleich mehrere seiner Idole live und in Farbe sehen kann, gibt es inzwischen Treffen im kleinen Kreis – und zu einem hohen Preis. Der „Inner Circle“ von Milosz Matuschek, ein Wochenende in den Alpen, inzwischen ergänzt durch die „Freischwebende Akademie“. „B-Safe26“ in Wien, geplant von Markus Langemann (Club der klaren Worte), ursprünglich schon für Abu Dhabi vorgesehen und dann dem Iran-Krieg zum Opfer gefallen. Eine Augustwoche „Vollkontakt“ mit Kayvan Soufi-Siavash im Süden Schwedens, eine November-Woche mit Daniele Ganser auf Mallorca und davor Paul Brandenburgs „Freihafen“-Wochenende am gleichen Ort.
Ich weiß: Die Freiheit der neuen Medienmacher endet im Portemonnaie. Niemand kann sich einzig und allein auf Spenden verlassen oder gar darauf, dass YouTube oder eine der anderen Plattformen dauerhaft bezahlt. Die Medienkonzerne rufen bei vergleichbaren Anlässen ganz andere Preise auf, und offenbar gibt es im Milieu der Maßnahmen- und Regierungskritiker einen Markt für solche Angebote. Ich selbst bin da auch kein Maßstab, weil ich schon ein schlechtes Gewissen hätte, wenn wir für die Waldgespräche Eintritt nehmen würden oder für einen unserer Kurse, obwohl selbst viele der Teilnehmer sagen: Das könnt ihr doch nicht machen. Was nichts kostet, ist nichts wert und wird folglich auch nicht geschätzt. Wir werden sehen – und berichten, zum Beispiel aus dem „Freihafen“.

Texte
Bunkerbrecher. Einer unserer längsten Texte bisher – und einer der besten, die wir je auf der Seite hatten. Simone Köhler hat viel gesehen und mit vielen Leuten gesprochen für diese Reportage über ein Munitionsdepot im Norden Brandenburgs.
Tödlicher Nebel. Gleich noch ein Militärthema – recherchiert von Bastian Werner. Wenn unsere Überschriften länger wären, hätte dort auch etwas mit Biowaffen stehen können oder: Die Bevölkerung als Versuchskaninchen. Tatort: San Francisco, 1950.
Der Wähler stört. Auch die Gegenwart ist dramatisch. Kommentar vom gleichen Autor zur Causa Merz.
Zahlen und Narrative. Manche Wähler stören nicht nur, sondern sind auch gefährlich – wie Ronny Weikl, der nicht in den Bundestag durfte, um vor dem Petitionsausschuss über Masern, Impfen und Kinderbetreuung zu sprechen. Bericht von Antje Meyen.
Corona abhaken? Ohne mich! Eine Gefahr war auch Friedrich Pürner. Jetzt sitzt der Arzt aus Bayern in Brüssel und kann schier unglaubliche Geschichten aus dem Parlament erzählen. Text zum Video weiter unten.
Vom Ende der Urteilskraft. Aus dem Leben in die Wissenschaft. Hartmut Rosa erklärt in seinem Buch „Situation und Konstellation“ vieles von dem, was uns Tag für Tag aufregt oder mindestens verwundert. Rezension von mir.
Allesamt ratlos. Das ZDF war „Inside CDU“ und Helge Buttkereit fragt sich am Medien-Tresen, ob er nicht eigentlich mitleiden müsste.
Der Tag in drei Sätzen. Kommentar von Kenneth Anders auf X: „Daraus wäre übers Jahr eine perfekte Chronik zu erstellen!“ Wir sind auf dem Weg – und inzwischen bei 60 Sätzen.

Videos
„Corona abhaken? Nur über meine Leiche“ heißt das Gespräch mit Friedrich Pürner, am 5. September mit Publikum aufgezeichnet vor den Toren von Regensburg. Kommentare: gemischt. Daumen hoch für einen Arzt und Beamten, der sich 2020 nicht versteckt hat. Aber auch Kritik. BSW, Impfen und überhaupt. Auch ein Friedrich Pürner kann es nicht jedem recht machen.
Kurse
Ich schreibe dies in einer Pause. Gerade läuft der Interviewkurs. Bericht im nächsten Newsletter. Wenn Sie auch einmal dabei sein wollen:
8. bis 11. Oktober 2026: Journalismus-Retreat
10. bis 14. März 2027: Kompaktkurs Journalismus
8. bis 11. April 2027: Intellektuelle Selbstverteidigung
Außerdem jederzeit (wochentags, Anfragen per Mail): Still bleiben, dagegenhalten, weglaufen? Wie wir im Gespräch bleiben.
Sonstiges
Wie das so ist: Wenn man in ein TV-Studio fährt, dann bleibt es selten bei einer Aufnahme. So auch in Linz. Vormittags „Echt Wissen“ – und am Nachmittag dann „Auf1 am Abend“ mit Stefan Magnet und Stefan Pollak, ein neues Format, das auf die Zuschauerforschung reagiert. Das Nachrichtenpublikum wird älter und kleiner. Also saßen wir auf einer Couch, professionell vorbereitet von einem Redakteur im Hintergrund.