Wochen-Bericht: 13. bis 19. Juni. Mit einer Merkel-Doku, Einblicken in globale Machtstrukturen und einem Gerichtsbericht in eigener Sache.
Das Urteil kam per Mail – geschickt von Sebastian Krass, Reporter der Süddeutschen Zeitung. Eine Klage abgewiesen und bei der zweiten die Disziplinarverfügung zwar leicht zu meinen Gunsten geändert (etwas weniger Strafe), aber das war es dann auch schon. O-Ton Krass: „Dazu habe ich folgende Frage: Werden Sie gegen diese Entscheidungen Rechtsmittel einlegen oder die Entscheidungen akzeptieren? Ich bitte um eine Rückmeldung bis heute, Dienstag, 14 Uhr.“
Montag hatten wir fünf Stunden zusammen verbracht. Verwaltungsgericht München, Sitzungssaal 7. Thema: meine Klagen gegen die Disziplinarstrafen. Unter dem Richtertisch hockt zunächst der Fotoreporter. Sebastian Krass braucht frische Bilder. Vorn dann eine Berufsrichterin und zwei Ehrenamtliche, Mann und Frau, die zu Beginn vereidigt werden, genau eine Frage stellen (sinngemäß: haben Sie sich jemals von der Wochenzeitung Demokratischer Widerstand distanziert?) und sonst den ganzen Tag lang über Körper und Gesicht signalisieren, was sie von mir halten. Ein Beamter, dieser Typ? Nie und nimmer.
Die Richterin hat sich Mühe gegeben, das immerhin. Als Betroffener muss man in einer solchen Verhandlung nicht sprechen, aber sie hat sich angehört, wie ich die Dinge sehe, nachgefragt, das Für und Wider abgewogen. Ja, diese Zeitung. Sie hätte das schon auch gelesen. Sie wolle das gar nicht alles wiederholen, macht es dann aber doch. Kein Zweifel an der Corona-Politik, nirgends – schon gar nicht beim Gegner, beim Oberlandesanwalt, dem Abneigung und Unverständnis aus jeder Pore triefen. Am Ende geht es gar nicht mehr um das, was ich gemacht oder auch nicht gemacht habe. Es geht um den Eindruck „draußen“ – um das Bild, das ich da erzeugt hätte. Damit sind wir auf dünnem Eis und ohne Brücke. Ich hätte auf das Urteil warten können, war aber zu kaputt und habe auf Sebastian Krass gesetzt. Um seine Frage zu beantworten, muss ich erst Urteil und Begründung lesen.
Texte
Schmerzland. Ein junger Afghane kommt nach Deutschland, eine Familie öffnet ihm 2017 Herz und Haus – und scheitert. Interview von Simone Köhler.
Junges Gemüse. Hans der Kleingärtner denkt über sich nach und über die Jugend. Seine Diagnose für die nächsten Generationen: biologielos, grenzenlos, uferlos digital, mittellos.
Yellowstone. Was hat John Dutton mit Donald Trump zu tun? Western-Analyse von Beate Broßmann, die bis zu Karl May und Elisabeth Welskopf-Henrich zurückgeht und natürlich nicht um den wichtigsten Dutton-Satz herumkommt: „Bring ihn zum Zug“.
Alles über Angela. Robert Cibis hat eine Merkel-Doku gemacht. Nicole Malavasi war bei der Premiere in Köln und sagt: Dieser Film öffnet den Debattenraum über die Auftraggeber der Langzeitkanzlerin.
Digitale Weltkontrolle. Jürgen Müller war im gleichen Kurs wie Nicole Malavasi. Vielleicht ist es deshalb kein Zufall, dass er am gleichen Thema bohrt. Rezension des Buchs von Jacob Nordangård – mit einem Blick hinter die UN-Agenda.
Rettung in Sicht? Das Pendant im realen Leben, wenn man so will: ein Hochkaräter-Podium in Berlin. Thema: Krieg, Europa, das große Ganze. Lauter Promis auf der Bühne und trotzdem ein halbleerer Saal. Bericht von Björn Kosjak.
Meinen mit Tatsachen. Das ZDF schlägt die Fußball-WM mit 3:0 und kassiert dabei noch eine rote Karte von Elon Musk. Elfmeter für Helge Buttkereit am Medien-Tresen. Und kein Torwart in Sicht.
Waldgespräche 2026. Werbetext für die Veranstaltungen im Raum Regensburg. 3. September: Gerd Reuther, 4. September: Robert Stein, 5. September: Friedrich Pürner.
Videos
Mit dem Kurzfilm Eine Woche Tagesschau hat unser Kanal die nächste Hürde genommen: 25.000 Abonnenten. Schon geführt und hoffentlich bald online: Gespräche mit René Schlott und Thomas Dietz.
Kurse
Der Bewerbungsschluss für die beiden Herbstkurse naht (30. Juni). Alle Termine:
24. bis 27. September 2026: Interview
8. bis 11. Oktober 2026: Journalismus-Retreat
10. bis 14. März 2027: Kompaktkurs Journalismus
8. bis 11. April 2027: Intellektuelle Selbstverteidigung
Außerdem jederzeit (wochentags, Anfragen per Mail): Still bleiben, dagegenhalten, weglaufen? Wie wir im Gespräch bleiben.
Sonstiges
„Universitäten sind gekapert“ steht über dem Interview, das Alexander Dergay mit mir für die Berliner Zeitung geführt hat und das dann am letzten Wochenende auch auf einer Doppelseite in der OAZ zu finden war. Und da doppelt besser hält: Ich führe wieder Gespräche mit Publikum, diesmal vor den Toren von Regensburg. Details und Infos zur Anmeldung hier.