Der Preis der Wahrheit: Prämierter Assange-Film findet Wege gegen Mainstream-Blockade

«The Six Billion Dollar Man» über die staatliche Verfolgung des WikiLeaks-Gründers wird seine Premiere am Samstag, den 27. Juni feiern. Anstatt im Kino erscheint der Film weltweit gleichzeitig auf privat organisierten Veranstaltungen – finanziert über Bitcoin.

Der Dokumentarfilm «The Six Billion Dollar Man: Julian Assange and the Price of Truth» gewann 2025 die L’Œil d’or bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes, und sein Regisseur, Eugene Jarecki, den ersten Golden Globes-Dokumentarfilmpreis. Dann war Ruhe, sagt Jarecki. Kein Streamingdienst und kein Verleih wolle das Werk anrühren.

https://www.youtube.com/watch?v=70lvapweYLw

Sein Film «über den Krieg der US-Regierung gegen Julian Assange» (aufgrund der WikiLeaks-Enthüllungen zu Kriegsverbrechen im Irak) werde von «Medien-Torwächtern» geblockt. Jack Dorsey, der Mitbegründer von Bluesky und ehemalige CEO von Twitter, habe ihm daraufhin geraten, den Film direkt über die Bitcoin-Community zu veröffentlichen. Das sei naheliegend:

«Lass den Mainstream einfach außen vor!»

Die Bitcoin-Community stelle eine Anhängerschaft dar, die auf denselben Prinzipien basiere, für deren Verteidigung Assange gekämpft habe, so Dorsey. Freie Information und finanzielle Souveränität seien elementar verknüpft. Als offenes Protokoll für Geldtransfers umgehe Bitcoin die Gatekeeper wie Visa, Mastercard und die Banken.

Zudem erinnerte Dorsey an die gemeinsame Geschichte von WikiLeaks und Bitcoin. Damit bezog er sich auf die kritische Situation, als 2011 die US-Regierung den Spendenfluss an WikiLeaks durch Druck auf die klassischen Kanäle Banken, Kreditkarten-Unternehmen und Paypal blockierte.

Damals habe Bitcoin die Organisation der Aktivisten gerettet. Gleichzeitig habe sich die Freiheitsfunktion des damals noch sehr jungen Protokolls unter Beweis gestellt, da es sich in einem unmittelbaren Anwendungsfall in der realen Welt unter staatlichem Druck erfolgreich bewährte.

Jarecki war begeistert von der Idee dieser Distributionsform. Fünfzehn Jahre nach jenem Ereignis könne man auch den Versuch vereiteln, den Film darüber zu blockieren. Obendrein hätte das noch eine weitere interessante Folge:

«Wenn wir diesen Film rausbekommen – jenen, den die Menschen offenbar nicht sehen sollen –, beweist das auch, dass die Gatekeeper nicht mehr nötig sind.»

Und so findet nun am Samstag, den 27. Juni 2026 um 22 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit die Premiere des Films als internationale «Watch Party» statt. Anstatt im Kino erscheint der Film weltweit gleichzeitig auf privaten Pay-per-View-Vorführungen – finanziert über Bitcoin. Die Organisatorinnen einer Watch Party in München kommentieren dies treffend:

«Weil Wahrheit keine Erlaubnis braucht.»

Den Titel des Films erläutert Jarecki etwa folgendermaßen: Sechs Milliarden Dollar seien das «Kopfgeld» auf Assange gewesen, das die USA – über die von ihnen dominierten Institutionen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank – an Ecuador gezahlt hätten, damit man ihn aus der Londoner Botschaft vertreibe, wo er Asyl genoss.

Der Regisseur bezieht sich damit auf die stark veränderten Rahmenbedingungen nach dem Regierungswechsel 2017 in Quito. Der Amtsantritt des neuen Präsidenten Lenín Moreno bedeutete eine neoliberale Kehrtwende. Damit einher ging das Bestreben, das Verhältnis zu den USA zu normalisieren, nicht zuletzt mit Blick auf dringend benötigte IWF-Kredite.

Die Folgen dieser Entwicklung für den Botschaftsflüchtling Assange bezeichnet Jarecki als «neues Niveau von Barbarei» gegen einen Mann, der damals unser aller Recht auf Wahrheit repräsentiert habe. Dieses Recht sei demnach also sechs Milliarden US-Dollar wert.

Ein weiteres Highlight dieser Premiere: Nach dem Film soll es noch eine Gesprächsrunde geben, an der neben dem Regisseur auch Jack Dorsey und Edward Snowden teilnehmen werden. Snowden ist außerdem Teil des Films; in den Worten Jareckis «noch jemand, der den Preis der Wahrheit sehr gut kennt».

[Titelbild: thesixbilliondollarman.com]


Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben und ist zuerst auf Transition News erschienen.