Die Genossenschaft Menschlich Wirtschaften hat den Grundgedanken der traditionellen Walz der Handwerksgesellen auf die heutige Zeit umgebaut und bietet jungen Menschen ein attraktives Orientierungsjahr zum Wachsen und Werden.
Wanderjahr – das klingt nach Freiheit und Abenteuer. Nach neuen Begegnungen und erweiterten Horizonten. Nach Herausforderungen und Wachstum. Nach sich selbst ausprobieren und Möglichkeiten ausloten. Nach Lebendigkeit, Beweglichkeit, Geschmeidigkeit.
Was ist ein Wanderjahr?
Traditionell gehörten die Wanderjahre zu jungen Handwerksgesellen, die nach der Lehrzeit in die nähere oder weitere Welt zogen, um neue Aspekte ihres Berufes kennenzulernen, andere Herangehensweisen und Techniken, als es im Lehrbetrieb üblich war. Bis zum Beginn der Industrialisierung war die „Walz“ Voraussetzung für die Meisterprüfung. Es musste ein Mindestabstand zum Heimatort eingehalten werden, die sogenannte Bannmeile, damit die Loslösung auch tatsächlich stattfinden konnte.
Das Netzwerk der Genossenschaft Menschlich Wirtschaften hat aus dieser Tradition ein Angebot gebaut, mit dem junge Menschen das Grundmotiv des In-die-Welt-Ziehens und Sich-Ausprobierens erfahren können. Das Orientierungsjahr ist angepasst an unsere heutige Welt, d.h. es kommt dem verstärkten Bedürfnis heutiger junger Menschen (und ihrer Eltern) nach Sicherheit und Orientierung nach. Ein Leitungsteam sowie unterschiedliche Mentoren beraten und begleiten die Wanderlinge in persönlichen Gesprächen und kleinen Reflexionsgruppen durch das ganz Jahr.
Wie sieht das Wanderjahr aus?
Vier- bis achtwöchige Praxisblöcke werden durch Seminarwochen gerahmt, die der Vertiefung und Verarbeitung der gemachten Erfahrungen und der Beschäftigung mit Schwerpunktthemen dienen, z.B. Zeitfragen und Kulturgeschichte, Soziale Dreigliederung und Ökologie, Selbstorganisation und berufliche Orientierung, Steuerrecht und Unternehmensführung, Philosophie und Naturwissenschaft.
Das Wanderjahr setzt das Werteleitbild der Genossenschaft Menschlich Wirtschaften, das die Gründerin Sabine Gläser als einen Samen für ein neues gesellschaftliches Miteinander gesetzt hat, praktisch um: Es geht vom Menschsein selbst aus, orientiert sich an radikaler Selbstverantwortung und den Grundsätzen aus Rudolf Steiners sozialer Dreigliederung.
Klangschalen bauen, Tiere versorgen, Oliven ernten und viele mehr …
Die Praxisstationen und Seminarwochen des neuen Wanderjahres sind bereits fast vollständig geplant. Die ersten Wanderlinge konnten sich in unterschiedlichsten Felder erproben: Vom Zimtschnecken backen in der Görlitzer Brotschmiede; Klangschalen herstellen in der Silberschmiede Kult-Ur-Sprung; Lamas, Esel und Ziegen versorgen in der tiergestützten Therapie im Hessischen Projekt Sultan; Getränke servieren in der Jausenstation „Zur Fährfrau“ an der Donau; geschwungene Holzregale bauen in einer Schweizer Tischlerei; gesundes Frühstück zubereiten im „Casa della Belleza“ am Gardasee; Werkzeug verkaufen beim „Eisenfeustel“ in Dresden; Wände lasieren im Gemeinschaftsprojekt Mirabergen in Österreich; Broschüren drucken in der Kooperative Dürnau; Olivenernten am Peloponnes bis hin zu Rechnungen sortieren im Steuerbüro in Stralsund. Da alle Beteiligten das Angebot des ersten Orientierungsjahres für sich bereichernd empfanden, wird das Programm nur leicht erweitert.
Wer den ersten Wanderlingen zuhört, wie sie über ihre Erwartungen und ihre Erlebnisse berichten, bekommt Sehnsucht. Sehnsucht nach dieser Art der Erfahrungen: mit sich selbst, dem Zusammenwachsen als Gruppe, dem Entstehen von Verbindungen, die weit über das Wanderjahr hinaus reichen werden.
Lust bekommen?
Wer zwischen 18 und 25 Jahren und bereit ist, sich inneren Fragen zu öffnen, 11 Monate Teil einer lebendigen Gemeinschaft zu sein und an wechselnden Orten tatkräftig mit anzupacken – los geht’s.
Das nächste Wanderjahr startet im September 2026. Es sind noch Plätze frei.
Alles, was es braucht, ist deine Bewerbung. Alle Informationen findest du unter https://menschlichwirtschaften.de/wanderjahr/.
Der nächste Info-Termin (online) findet am 2. Juli 2026, 19 Uhr statt (Zugangslink hier).
Oder schreib an wanderjahr@menschlichwirtschaften.de und stell deine Fragen.