Wochen-Bericht: 20. bis 26. Juni. Mit Atomwaffen, Kabarett und Dorfleben sowie einem Gerichtsbericht in der SZ.
Dienstag war der Rundfunkbeitrag in Karlsruhe, mehr als anderthalb Jahre, nachdem ARD und ZDF gegen die Länder geklagt und das Plus von 58 Cent vor dem Bundesverfassungsgericht eingefordert haben, das ihnen die KEF ab 2026 versprochen hatte. Mehr muss man dazu eigentlich nicht schreiben. Anderthalb Jahre bis zur mündlichen Verhandlung in einem Verfahren, das von der Wirklichkeit längst überholt ist.
Übersetzt: Die Befürworter des Rundfunkbeitrags wissen nicht weiter. Rainer Robra, seit 2002 Minister in Sachsen-Anhalt, hat das vor Gericht so formuliert: „Hätten wir eine Beitragsdebatte geführt, hätten wir keinen Wahlkampf mehr führen müssen.“ Und weiter: „Bei allem Respekt vor dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk müssen die Länder darauf achten, dass sie sich nicht selbst umbringen.“ Noch einmal übersetzt: Der Unmut ist so groß, dass er mehr wegspülen könnte als ein Propagandakonzept.
Wie weiter? Karlsruhe wird sich Zeit lassen bis nach den Landtagswahlen im September. Variante eins: Erhöhung von oben, vorbei an den Parlamenten, passend zum Trend, die Macht in die Gerichte zu verlagern und damit weg vom Volk. Variante zwei habe ich in meinem Büchlein „Staatsfunk“ vorausgesagt und mich folglich nicht gewundert, dass die FAZ nun gleich zwei prominente Stimmen über eine Steuerfinanzierung nachdenken lässt.
Texte
Verseucht und vergessen. Wochenstart mit der Serie „Atomkrieg aus Versehen“ von Bastian Werner. Tatort diesmal: das Johnston-Atoll. Wie in jeder Folge geht es auch hier wieder um das, was wir alles nicht erfahren haben.
Ein bisschen irritieren. René Schlott, Historiker und Publizist, wollte und will nicht akzeptieren, wenn Debatten- und Informationsräume geschlossen werden. 2021 hat er das „Manifest der offenen Gesellschaft“ mit auf den Weg gebracht. Interview von Bianca Kellner-Zotz in der Rubrik „Lebensgeschichten“.
Ende der Unschuld. Noch einmal Bastian Werner, hier viel aktueller. Die Biowaffenlabore und die Frage, warum das ausgerechnet jetzt in die Öffentlichkeit kommt.
Abschied – von was? Christine Prayon ist in ihrem Programm nicht ganz so aktuell, geht dafür aber an die Wurzeln. Nicole Malavasi berichtet von einem Kabarettabend in Wuppertal.
Das Große im Kleinen. Wir bleiben beim Thema und gehen aufs Land – mit Kenneth Anders und Myrthe Jentgens, die den Alltag im Oderbruch und im Wendland kennen und etwas beschreiben, was in den Leitmedien nicht vorkommt. Rezension von mir.
Weltpolitik, Macht, Text. Etwas, das nicht einmal bei uns vorkommt. Daniel Sandmann denkt am Medien-Tresen über einen Text nach, der abgebrochen wurde, und kommt dabei über Nordstream und einen Landeanflug auf Zürich zurück zu den Atomwaffen.
Waldgespräche 2026. Werbetext für die Veranstaltungen im Raum Regensburg. 3. September: Gerd Reuther, 4. September: Robert Stein, 5. September: Friedrich Pürner.
Videos
Der Film Eine Woche Tagesschau hat mir eine Einladung von Robert Stein und Frank Höfer eingebracht. Im 655. Homeoffice sind wir schnell weg von der Oberfläche und abgetaucht in die Tiefen des Staates. Schon geführt und hoffentlich bald online: Gespräche mit René Schlott und Thomas Dietz.
Kurse
Der Bewerbungsschluss für die beiden Herbstkurse naht (30. Juni). Alle Termine:
24. bis 27. September 2026: Interview
8. bis 11. Oktober 2026: Journalismus-Retreat
10. bis 14. März 2027: Kompaktkurs Journalismus
8. bis 11. April 2027: Intellektuelle Selbstverteidigung
Außerdem jederzeit (wochentags, Anfragen per Mail): Still bleiben, dagegenhalten, weglaufen? Wie wir im Gespräch bleiben.
Sonstiges
Sebastian Krass hat gut eine Woche gebraucht für seinen Gerichtsbericht in der Süddeutschen Zeitung. Interessant ist wie immer das, was fehlt. Kein Wort über die Spende an Verfolgte aus der kurdischen Freiheitsbewegung via Rote Hilfe, nichts zu unserem YouTube-Kanal und auch nichts zur Freien Medienakademie. Nicht, dass die Leser sich am Ende noch selbst ein Bild machen wollen. Damit das nicht passiert, wird der Demokratiekongress der AfD erwähnt, bei dem ich über Meinungsfreiheit sprechen soll. Vortrag und Bericht ebenfalls in der nächsten Woche, hier oder schon auf unserer Seite.