Chronische Erschöpfung

Ihr lieben Leute, seid bitte gnädig mit euch selbst. Dass ihr euch so fühlt, wie ihr euch fühlt, hat seine berechtigten Gründe

Egal mit wem ich persönlich spreche, telefoniere oder schreibe, ich höre von allen, dass sie so unsagbar müde sind, so ausgelaugt, so schlapp, so niedergeschlagen, so lustlos, mich eingeschlossen. Die Batterien sind ziemlich leer, Akku auf Rot.

Da hat sich ein Weltschmerz breitgemacht. Wir sind umgeben von etwas, das in der Luft liegt, nicht greifbar, aber es ist da, und es fühlt sich nicht gut an.

Da ist eine Sehnsucht nach Leichtigkeit, Unbeschwertheit, der Wunsch nach einem positiven Ausblick auf die Zukunft, der unmöglich scheint.

Da ist das Gefühl, von einem Tag auf den anderen zu leben, was nichts damit zu tun hat, im Hier und Jetzt zu sein.

Ihr fragt euch, ob ihr vielleicht eine depressive Verstimmung habt?

Das sehe ich anders: Macht euch bitte einmal die Drangsal bewusst, in der wir uns jetzt schon jahrelang befinden. Kann das in den Kleidern hängen bleiben? Wohl kaum!

Wir leben in einem permanenten Ausnahmezustand. Eine Katastrophe löst die andere ab, keine Zeit, die eine zu verarbeiten und Abstand zu gewinnen. Der Irrsinn geht nahtlos ineinander über. Und vor allem unsere Berliner Deppen tun alles dafür, dass wir ja nicht auch nur eine Minute zur Ruhe kommen. Einzige Chance ist, sich selbst bewusst mal eine Zeit lang auszuklinken und sich zu sagen, die Welt geht auch ohne mich unter. Wenn es soweit ist, werde ich es schon merken.

Wir alle haben keine Erfahrung darin, mit der Zeit umzugehen, in der wir gerade leben. Der Zeitgeist fühlt sich an, als wolle er alles zerreißen, was er in die Finger bekommen kann. Es ist oft anstrengend genug, seine eigenen Sinne und den Verstand beisammen zu halten. Oft fällt es schwer, obwohl man gerne möchte, für andere da zu sein, denen es ähnlich geht.

Jeder ist verständlich sehr mit sich selbst beschäftigt, dass oft keine Zeit bleibt, den Kontakt zu anderen regelmäßig zu pflegen. Der Online-Modus hat oft Aussetzer. Zack, ist wieder eine Woche rum, und man wollte doch den und den oder die und die noch unbedingt anrufen. Wieder nichts.

Haltet den Kontakt, so gut es geht, aber seid auch gnädig mit euch selbst. Wir leben in schweren Zeiten. Es ist nicht jedem die Kunst des Verdrängens gegeben. Wer immer schon tiefer nachgedacht hat, kann das derzeit erst recht nicht ablegen.

Und auch, wenn es euch nicht gut geht, seid dankbar. Dankbar dafür, dass ihr wenigstens noch merkt, was mit euch los ist. Es gibt viele andere, die können gar nicht in sich spüren, oder gar formulieren, wie ihre Befindlichkeiten sind. Viele strahlen etwas Schweres aus, dass ihr zu eurer eigenen Last auch noch abbekommt. Da fühlt sich die Luft oft wie Schlamm an, durch den man sich knietief voranbringen muss.

An manchen Tagen denkt man, da ist eine bleierne Glocke über uns allen. Das ist keine Einbildung, das ist real, die Glocke ist da. Es gibt derzeit leider sehr viele Menschen, die in der Lage sind, die Zufriedenheit, auch das kleinste Glück, zu vergiften. Unser Intellekt wird stündlich neu beleidigt. Wir kommen aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus.

Dann nehmen wir uns vor, wir bilden uns einen unverletzbaren Raum um uns, die Welt kann uns mal. Unsere Nerven liegen aber weitgehend so blank, dass die kleinste Kleinigkeit genügt, dass dieser Raum Löcher bekommt und das Fiese, das Böse, das Unangenehme doch an uns herankommt. Und dennoch gibt es einen Ort, an den niemand herankommt. Das ist unser unverletzbarer Wesenskern, der ist unverwundbar, der ist ewig, der ist etwas, das mit Worten nicht zu beschreiben ist. Da spielt die Zeit keine Rolle, da wohnt die Liebe, da sind wir vollkommen, da sind wir eins mit allem, da herrscht ewiger Friede.

Dahin können wir uns zeitweise zurückziehen, wenn es draußen mal wieder zu sehr kracht. Ihr könnt mich alle mal, lasst mich in Ruhe.

Und denkt bitte mal an die, die mit einer noch größeren Ungewissheit weiterleben müssen. Habe ich eine tickende Zeitbombe in mir, oder hatte ich „Glück“? Ist es rein menschlich nicht nachvollziehbar, dass von Menschen mit diesem vagen Gefühl nicht wirklich eine positive Ausstrahlung ausgehen kann?

Macht es euch Zuhause, in eurem Garten, auf dem Balkon oder der Terrasse so gemütlich wie möglich. Schafft euch eure persönliche Burg mit einem Wassergraben und eine Fallbrücke, die ihr nur herunterlasst, wenn ihr es wollt.

Traut euch NEIN zu sagen.

Verliert dabei nicht den Kontakt zur Außenwelt, aber lasst euch auch nicht zu sehr von ihr beeinflussen. Man will uns kirre machen, und es liegt an uns, ob wir das zulassen.

So schlimm die täglichen Horror-Nachrichten auch sind. Am Ende sind es Auflösungserscheinungen. Es geht etwas Großes zu Ende, ein ganzes Zeitalter. Das braucht seine Zeit und hat keinen Kippschalter, den man mal eben umlegen kann.

Was wir spüren, ist das Sterben des Alten und gleichzeitig die Wehen von etwas Neuem, von dem wir noch nicht genau wissen, wie es aussehen wird. Wir befinden uns mitten in einem Zwischenstadium.

Wir sind uns vielleicht einig, dass niemand die alte Welt zurückhaben will. Die neue ist aber auch noch nicht da, oder besser, da ist schon ein Keim, der ist auch schon angegangen, und wir gießen ihn mit Wahrheit. Wahrheit ist das beste Gegengift zur Lüge, die uns überall entgegentritt. Lüge ist giftig, wie soll da eine gesunde Umgebung vorhanden sein, in der man sich wohlfühlen kann?

Ernährt euch mit gesunden Lebensmitteln, wenn ihr das nicht eh schon tut. Genießt ein gutes Essen, einen guten Wein, eine angeregte Unterhaltung, ein gehaltvolles Buch. Entschleunigt euch, wo ihr könnt. Lauft lieber, statt mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Auf dem Fahrrad verpasst ihr vielleicht den Feuersalamander am Wegrand, den ihr zu Fuß sehen würdet.

Geht in den Wald und lauscht den Bäumen, sie erzählen euch Geschichten.

Ein plätschernder Bach singt euch völlig selbstlos Lieder, ohne auf die Zeit zu schauen. Da muss keine Münze eingeworfen werden, er tut es einfach.

Wenn ihr meint, ihr seid zu langsam, ihr bekommt nicht genug geschafft, na, dann bekommt ihr halt nicht genug geschafft. Manchmal ist einfach nur atmen schon anstrengend genug.

Und der Staub auf dem Schrank liegt auch morgen noch da. Ist das wichtig?

Es macht doch keinen Sinn, seine ohnehin schon angeschlagene Kraft für so etwas sinnloses, wie Staubwischen oder das Auto waschen zu vergeuden. Ihr seid doch viel wichtiger!

Gelassenheit, mal alle Fünfe gerade sein lassen. Ein LMAA-Gefühl entwickeln. Die können euch doch alle mal.

Tief durchatmen.

Weltvergessenheit üben.

Geht es euch gerade schon etwas besser? Fein!

Ich habe es schon öfter gesagt: Ihr seid nicht bekloppt. Es sind die Umstände, unter denen wir derzeit genötigt sind, unseren Alltag zu meistern. Das menschliche Miteinander ist aus den Fugen geraten. Wirklich böse Kräfte haben Menschen ergriffen, durch die sie wirken. Wir merken das, und das zeichnet uns aus, denn wir sind keine Kohlenstoffeinheiten, wir sind Menschen, die es nicht vergessen haben, dass sie es sind und denen auch noch so bösartige Wesen das nicht austreiben können. Dagegenzuhalten, das kostet Kraft, deswegen sind wir so schlapp, aber es lohnt sich, weil wir das Menschsein niemals aufgeben werden. Bis zu unserem letzten Atemzug.

Und ich finde, das gibt wieder Kraft weiterzumachen. Wir lassen uns das Menschsein nicht austreiben, da können die bösen Kräfte noch wer weiß was für Tricks und Kniffe versuchen. Wir widerstehen diesem Un-Sinn, der nichts mit uns zu tun hat.

Bittet, wen immer ihr wollt, in der Geistigen Welt, um Kraft und Mut, ihr werdet beides bekommen. Wir sind als Menschen mit etwas verbunden, dass größer ist, als wir, und welches sich unserem Vorstellungsvermögen entzieht. Aber es ist da, ganz sicher!

Ihr seid nicht alleine, so wie euch, geht es derzeit vielen, sogar Millionen Menschen weltweit. Weil wir so sind, wie wir sind, ist es unsere Aufgabe an einer neuen Welt mitzugestalten, während die alte Welt vor unseren Augen zerbricht und sich auflöst.

Aber warum ausgerechnet wir? Weil wir es können!

(Einem wunderbaren Menschen gewidmet, der schon weiß, dass er gemeint ist).

 

 

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