Freie Medienakademie XLI

Wochen-Bericht: 12. bis 18. September. Mit einem Vogelblick auf das Nachrichtengeschäft, freien Denkern und dem letzten Dreck aus dem Buchladen.

Drei Wochen Nachrichten bei der Freien Medienakademie: Ich gebe zu, dass das Spaß macht und mir das Ergebnis immer besser gefällt. Man muss dazu wissen, dass ich viele Jahre abstinent war und Tagesschau, Süddeutsche und Co. nur dann angeschaut habe, wenn der Medienforscher in mir eine Studie haben wollte. Also: entweder ein paar Tage am Stück oder zu ausgewählten Themen. Russland, die Impfpflicht, Windenergie durch die Brille der Subventionsjournalisten. Sonst: Stille, unterbrochen allenfalls durch ein Fußballspiel oder Breaking News auf dem Transfermarkt.

Bei Vorträgen bin ich manchmal gefragt worden, wie ich denn die Leitmedien kritisieren könne, wenn ich sie doch überhaupt nicht nutze. Antwort eins: Forschungsliteratur. Und Antwort zwei: eine Gegenöffentlichkeit, die es nur gibt, weil die anderen ihren Job nicht machen, und die deshalb jeden Fehltritt penibel dokumentiert.

Diese Gegenöffentlichkeit, das habe ich in den ersten drei Nachrichtenwochen gelernt, hat selbst Nachholbedarf. Die Idee, jeden Tag mindestens einen unserer drei Sätze von dort zu holen, scheitert in der Regel schon daran, dass man sich nur selten einen Reporter leistet, der jenseits von Plattformen und Webseiten recherchiert und wirklich etwas Neues, noch nicht Gehörtes zutage fördert oder wenigstens das Bekannte mit Stimmen aus der Wirklichkeit anreichert und so berichtenswert macht.

Sicher: die Ressourcen. Vielleicht auch ein Publikum, das sich aufregen will und dafür das Immergleiche sucht. Die Leitmedien jedenfalls bedienen diese Sehnsucht auf das Allerfeinste. Im August hatte ich ein wenig Sorge. Wird es uns tatsächlich gelingen, die Nachrichtenflut des Tages in drei kleinen Bächen zu fangen? Mitte September weiß ich: So viel ist da gar nicht. X fordert das, Y sagt jenes, und Z weist das alles weit von sich. Schauen Sie einfach weiter unten, was sich bisher angesammelt hat. Viel Treibholz, selbst bei nur drei Sätzen am Tag. War also nicht ganz falsch mit der Abstinenz.

1.00

Texte

Note 6 für die Falschen. Der neue Pisa-Schock war natürlich auch für uns eine Nachricht – und für Bastian Werner Grund genug, hinter das Eltern-Bashing von Kanzler und Ministerin zu schauen. Ein Kommentar.  

Ein Einstand. Sabine Pint löst Hans den Kleingärtner ab, knüpft an dessen letzten Text über Vergeblichkeit an und denkt außerdem über Freiheit nach. 

Leben im Kindersitz. Die perfekte Überleitung, wenn man so will. Im Waldgespräch mit Gerd Reuther ging es in diesem Jahr um den Weg zum freien Denken. Text zum Video.

Wo sind die Beweise? Noch einmal Bastian Werner, jetzt als Video-Rezensent. Die beiden Wisnewskis (Vater und Sohn) haben über 9/11 gesprochen und über die Frage, warum das Fragen verboten ist.

Der letzte Dreck. Die Überschrift habe ich dem Lektor abgekauft, der „Gegen Wind“ von Gerti Tetzner einst nicht drucken wollte. Ein DDR-Roman, der nach 50 Jahren zu seinen Lesern kommt und heute fast aktueller ist als damals.  

Hitzerückblick. Daniel Sandmann sieht am Medien-Tresen einen Freundeskreis, in dem es keine Artisten gibt. Scherz beiseite: Sie wissen schon, dass sich kein Sandmann-Text in drei Zeilen pressen lässt und gerade deshalb gelesen werden muss.  

Glücksfall Fehlzündung. Bastian Werner zum Dritten – mit einem neuen Stück aus der Serie „Atomkrieg aus Versehen“. 18. September 1980, Arkansas. Das Märchen von der sicheren Technik und ein Fußvolk, das im Zweifel geopfert wird.

Der Tag in drei Sätzen. Nachrichtenüberblick der Freien Medienakademie, jeden Werktag spätestens zum Abendbrot. 15 Sätze und fünf Bilder. Diesmal: Robert Fico, Jürgen Klopp, Katherina Reiche, Pistorius + Hegseth und – das Tanken (noch ohne die 17 Cent).

1.00

Videos

„Warum wir das Selbstdenken verlernen“ heißt das neue Gespräch mit Gerd Reuther, am 3. September mit Publikum aufgezeichnet vor den Toren von Regensburg. Die meisten Kommentare sagen: lohnt sich. Und Gerd Reuther schreibt: Die Zuschauerzahl wird gedrosselt und der Buchverkauf über die Onlinehändler gestoppt. Ein Argument mehr für dieses Interview.

Kurse

Der Bewerbungsschluss für die Herbstkurse ist abgelaufen. Wenn Sie trotzdem Interesse haben sollten: Versuchen Sie es mit einem Motivationsschreiben. Alle Termine:

24. bis 27. September 2026: Interview (Gast: Jürgen Fliege)

8. bis 11. Oktober 2026: Journalismus-Retreat

10. bis 14. März 2027: Kompaktkurs Journalismus

8. bis 11. April 2027: Intellektuelle Selbstverteidigung

Außerdem jederzeit (wochentags, Anfragen per Mail): Still bleiben, dagegenhalten, weglaufen? Wie wir im Gespräch bleiben.

Sonstiges

Ich hatte das schon fast vergessen: Im August 2025 habe ich vier Vorträge für ein Projekt aufgezeichnet, das die Campus-Idee von Kayvan Soufi-Siavash wenigstens ins Netzleben bringen sollte. Seit dieser Woche nun ist die Brainbooster-Academy online. Ob das Projekt Erfolg haben wird? Schwer zu sagen. Oft gesehen wurde jedenfalls das Nuoviso-Ruderboot (Huß, Steimle, Brandt, Winter, Kay Ray), für das ich letzte Woche schon geworben habe – jetzt auch mit Link.

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