Untertitel: Kinderbowle statt Feuerzangenbowle
Ich bin der kleine Philipp, meine Spielkameraden dürfen mich auch Pipin nennen. Seit mich meine Eltern bei der Besichtigung des Reichstages vergessen haben, ich denke immer noch, dass das keine Absicht war, lebe ich im Bundestag.
Dort habe ich mir in einer geheimen Ecke, verrat ich nich, verrat ich nich wo, eine süße, kleine Kuschelecke eingerichtet. Da schau ich mir dann abends, wenn alle weg sind, auf einer großen Leinwand in einem der Sitzungssäle immer wieder meinen Lieblingsfilm an: „Die Feuerzangenbowle“ mit Heiz Rühmann. Pfeiffer mit drei Eff, sie wissen schon, hihi. Ich finde den Schüler Pfeiffer so lustig und wäre wenigstens auch ein bisschen so wie er.
Weil ich ja nicht mehr zur Schule gehe, habe ich mir das Schreiben selbst beigebracht. Ich hab lange geübt, aber jetzt kann ich schon in Druckbuchstaben das große C, das große D und das große U. Den Rest lern ich auch noch, bin ja ein helles Köpfchen.
Wovon ich lebe? Ich ernähre mich von den Resten von Käthe Ring, die immer so schöne Buffets liefert, wenn es was zu besprechen oder zu feiern gibt. Letzteres leider in letzter Zeit sehr wenig. Darum gibt es auch nicht so oft mein Lieblingsessen, Döner, und draußen dafür 4 Mark auszugeben, das sehe ich nicht ein. Ich kann warten.
Was ich mal werden will? Na, vor allen Dingen will ich noch etwas wachsen, und dann will ich Polliticker werden. Eine bessere Schule dafür kann es doch wohl gar nicht geben. Darum übe ich auch heute schon laut und deutlich zu sprechen und mich gewählt ausdrücken zu können, damit ich nicht zu altklug herüberkomme, das können die Erwachsenen wohl nicht so gut leiden.
Was wollen Sie denn sonst noch über mich wissen? Ich sehe zwar aus wie ein Junge, aber alles, was damit zu tun hat, interessiert mich überhaupt nicht. Da steh ich drüber, ich will intellektuell vorwärtskommen, und wer weiß, vielleicht werde ich eines Tages sogar Bundeskanzler, der Onkel Friedrich hat es ja schließlich auch geschafft, warum dann also ich nicht auch?
Omas mögen mich sehr, aber ich setze mich lange nicht bei jeder auf den Schoß. Bis auf die Omas gegen rechts, die mag ich alle. Weil die keine Zeit haben, mir so kratzige Socken zu stricken oder sonst was zu schenken, die sind ja ständig auf Achse und kämpfen für Unseredemokratie, da haben die für so typische Oma-Beschäftigungen gar keine Zeit.
Was ich so von den Erwachsenen in der CDU halte? Hihi, Fangfrage, darauf falle ich nicht rein. Sie glauben doch nicht allen Ernstes, dass ich Ihnen darauf eine Antwort gebe. Wer weiß, wen ich noch mal brauche, um mich auf einen Parlamentariersitz zu heben, weil ich da immer so schlecht hochkomme, ich wäre ja doof, wenn ich es mir auch nur mit einem einzigen verscherzen würde.
Manchmal spiele ich auch Bundestagsdebatte, dann tue ich so, als ob mir jemand zuhören würde. Am lustigsten wird es, wenn ich mir vorstelle, dass jemand eine Zwischenfrage hat, da fange ich dann immer an zu kichern, ich habe eine lustige Lache, weil das Spiel dann ganz besonders echt wirkt.
So, muss jetzt Schluss machen mit dem Interview fürs Kinderfernsehen. Hab gehört, da soll irgendwo ein Liter Milch übriggeblieben sein, die trink ich so gerne. Danach gehe ich gleich in einen Raum, in dem ein Spiegel hängt, und dann schaue ich mir meinen Milchbart an. So werde ich also mal aussehen, wenn ich groß bin, aha! Und die Brille werde ich mein Leben lang nicht absetzen, die macht mich so schön schlau aussehend.
Wenn die Leute sich über mich lustig machen, ist mir das egal, ich bin so ganz zufrieden mit mir, so, wie ich bin, und wem ich nicht gefalle, der soll halt eine andere Partei wählen. Upps, das hätte ich jetzt wohl besser nicht sagen sollen.
Meine Ziele? Ich will eine Vorfeldorganisation gründen, die noch vor der Jungen Union kommt, den CVJK, nicht CVJ-Emm, Kaaa! Den Christlichen Verein Junger Kinder. Früh übt sich, was ein Häkchen werden will, hihi!
Tschüss jetzt, muss los, den Erwachsenen beim Wahlkampf helfen, in Mecklenburg-Vorpommern, traurige Veranstaltung mit noch traurigeren Aussichten, da kann ein bisschen Kindergeburtstag die Stimmung etwas auflockern. Und – das Wichtigste! Da gibt es Döner, lecker, hmmmmm!
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(Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben.)
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