Heiliger Donald

Friedensengel und Retter der Welt?

Donald Trump verkauft sich so, aber stimmt das auch? Erst erzählt er, Putin und er seien ganz dicke miteinander, und jetzt, wo Putin nicht so spurt, wie er will, macht er einen auf verzweifelt bis wütend, droht erst mit 50 Tagen, jetzt mit 12 Tagen Schonfrist und tut so, als ob es die selbstverständlichste Sache der Welt wäre, dass alle nach seiner Pfeife tanzen.

Gut, er hat allen Grund zu einem gewissen Übermut, denn seine Zollvorgaben hat Fräulein Ursula aus der dritten Klasse brav in ihr Aufgabenheft geschrieben und mit zurück nach Brüssel genommen. Auf die Idee, dass er vielleicht auch mit weniger als 15% zufrieden gewesen wäre, scheint sie nicht gekommen zu sein. Dafür geht es aber von den USA nach Europa wesentlich günstiger mit 0%. Nach dem Pfizer-Deal jetzt eine weitere kaufmännische Glanzleistung der Universal-Dilettantin, die andererseits jedoch vielleicht gar nicht so schlecht ist. Sie könnte das Ende der EU eingeläutet haben.

Wenig Widerstand auch, am aller wenigsten vom kuscheligsten (oder kuschenden) Vasallenstaat Deutschland, was sein NATO-Schutzgeld betrifft.

Dann liefert er olle Patriots an Deutschland für 3 Euro das Stück, das sie wiederum an die Ukraine liefert. Da kann er sagen: Von uns hat die Ukraine keine Unterstützung erhalten, was Deutschland damit macht, ist nicht unsere Sache. Gleichzeitig bestellt Deutschland in den USA niegelnagelneue Patriot-Abwehrsysteme zum Preis von 342 Millionen Euro pro Stück für den Eigenbedarf. Wenn ihr auch passende Raketen dazu haben wollt, gerne, kostet aber extra. Deals machen kann er, dass muss der Neid ihm lassen.

Die alten Patrioten werden den Kriegsverlauf zwar nicht beeinflussen, aber Merz und Pistorius scheinen zu glauben, dass ja auch die gute Geste zählt.

Putin denkt gar nicht daran, Zugeständnisse zu seinen seit langer Zeit unverrückbaren Grundforderungen zu machen, warum auch, er gewinnt den Krieg ja früher oder später sowieso. Warum also sollte er?

Und das passt Trumpilein natürlich nicht, wenn einer nicht so spurt, wie er es sich in den Kopf gesetzt hat.

In Europa gibt es niemanden, mit einem Ego, der ihm die Stirn bieten könnte. Gäbe es jemanden, den er respektieren könnte, sähe die Sache schon anders aus. Das akzentuierte, auf staatsmännisch getrimmte Gerede von Merz beeindruckt ihn wenig bis gar nicht. Insgeheim wird er ihn eher ob seiner Unterwürfigkeit verachten.

Was haben die Nichtskönner in Brüssel und in Deutschland bisher geschafft: Unternehmen wandern ab in die USA, weil sie dort zu günstigeren Konditionen produzieren können; man hat sich in der Energieversorgung hauptsächlich von den USA durch die Lieferung von teurem Fracking-Gas abhängig gemacht. Das ist natürlich eine ganz andere Abhängigkeit, als wenn man von günstigem russischen Gas abhängig wäre, das geht gar nicht, weil nicht Zahlen sprechen, sondern die Moral; die US-amerikanische Rüstungsindustrie erhält dicke Aufträge und Rheinmetall gehört zu einem großen Teil Blackrock, zufällig auch mit Sitz in den USA. Man kann auf die Idee kommen, hier sind Erfüllungsgehilfen am Werk, die für die USA arbeiten und nicht die europäischen Interessen vertreten.

Die Provokation gegen Russland hat mit der NATO-Osterweiterung begonnen, also schon lange vor Trumps ersten Amtszeit. Und damals waren die USA auch schon die führende militärische Kraft innerhalb der NATO. Nur, weil er jetzt das zweite Mal Präsident geworden ist, hat ja keine neue Zeitrechnung angefangen. Ein aktueller Präsident übernimmt auch immer die Altlasten seines bzw. seiner Vorgänger, die eigenen natürlich auch.

Seitens der USA wurde ein Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Russland auf dem Rücken der Ukraine inszeniert, um Russland zu schwächen. Hat nicht ganz geklappt. Wie schon so oft, wenn die USA einen Regimewechsel für nötig hielten. Und jetzt wird so getan, als hätte man mit all dem nicht das Geringste zu tun. Vielmehr tut man so, als sähe man es als seine heilige Aufgabe an, für Frieden zu sorgen, weil der Krieg plötzlich und unerwartet vom Himmel gefallen und ohne jeden Grund ausgebrochen ist.

Man hat sich in der Ukraine für die Zeit danach die Seltene-Erden-Vorkommen unter den Nagel gerissen, da muss man ein wenig schauen, dass einem nicht die Felle davonschwimmen, und ansonsten sollen sich doch die Europäer weiter engagieren, wenn sie unbedingt meinen, sie müssten. Auch das kommt Trump sehr gelegen, kann er doch so umso besser das Gesicht der USA wahren, und sich einzig auf die Rolle des Friedensstifters konzentrieren. Und obendrein auch noch saftige Aufträge für die heimische Rüstungsindustrie einfahren.

Vergessen werden darf dabei nicht, dass es immer schon das erklärte Ziel der USA war, Deutschland nicht zu nahe an Russland heranrücken zu lassen, weil das deutsche Know-how  und die russischen Rohstoffe eine ernste Bedrohung für die US-amerikanische Wirtschaft bedeuten würde.

Läuft alles perfekt: Die USA können sich zurückziehen, Europa spielt den dicken Macker, Deutschland besonders, und aufgestachelt geht es jetzt weiter in der Ukraine zwischen dem europäischen Wertewesten und Russland. Und wenn Kriegsminister Pistorius die Bereitschaft zum erneuten Tötenmüssen russischer Soldaten nicht mehr ausschließt, kann es ja nicht besser laufen, obwohl Pistorius offensichtlich vergessen hat, dass der Restschrott aus deutschen Beständen bereits in die Ukraine geliefert wurde, der Leopard nicht tauglich ist, aber man hat ja noch Pfeil und Bogen, Steinfletschen und die Messerfachkräfte mit ihren Macheten. Da kann ja gar nichts schiefgehen. Es ist schon wirklich erstaunlich, dass keiner von den Geistesgrößen die Lage checkt oder checken will, oder checken darf. Apropos Pistorius: Der will übrigens die Truppenstärke auf 400.000 Mann erhöhen, obwohl der 2+4-Vertrag nur maximal 370.000 Mann zulässt. Vielleicht sitzt in den vorgesehenen immensen Militärausgaben auch wenigstens ein Taschenrechner für Pistorius drin. Das Ergebnis vorweggenommen: Das sind mal locker 30.000 Mann zu viel! Eine weitere Möglichkeit für Russland, den 2+4-Vertrag aufzukündigen.

Zwischendurch wird mal eben der Iran bombardiert, es zugelassen, dass die Tragödie in Gaza weiter geschehen kann, Israel über seine obere Grenze schießt, als ob die Drusen binnen 24 Stunden ganz Israel annektieren wollten. Alles in Ordnung. Alles ganz normal. Eine Drecksarbeit nach der anderen. Müssen die USA denn immer alles selber machen, damit es vorwärts geht?

Dann erzählt der Trump, der Donald, dass er seine Truppenpräsenz in Europa, in Deutschland drastisch verringern oder gar komplett abziehen will. Bis jetzt ist noch nichts passiert. Die Umzugskartonindustrie und die Speditionen haben noch keinen plötzlichen Anstieg von Aufträgen gemeldet. Das macht er bestimmt nicht aus Nächstenliebe, weil er sein geliebtes Deutschland nicht so ganz ohne Schutz lassen will, auch nicht aus Gewissensgründen. Vielleicht ist es derzeit besser, erst einmal auch weiterhin einen Fuß in der Tür zu haben, wer weiß, was sich die Irren in Deutschland noch so ausdenken. Vielleicht kommt man ja auf die Idee, in einem der stillgelegten Atomkraftwerke ein eigenes kleines Atom-Bömbchen zu bauen? Kann auch sein, keine Ahnung, dass er aufgrund der Zustände in Deutschland einen Regimewechsel plant, das machen die USA ja auch ganz gerne. Da weiß man gar nicht, ob man das nun gut oder schlecht finden würde.

Er könnte auch ein Signal der Deeskalation senden, in dem er die angekündigte Stationierung von Hyperschall-Raketen in Deutschland in 2026 zurücknehmen würde. Das wäre ein Zeichen an Putin, ein symbolischer Akt des Rückzugs, ohne sich wirklich zurückziehen zu müssen. Macht er aber auch nicht.

Wird Ramstein noch als Koordinationszentrum benötigt, weil Starlink das noch nicht ersetzen kann? Ist nur eine Frage, die wird man ja wohl noch stellen dürfen, oder?

Und in Deutschland gibt es Stimmen, die sich bei einem Abzug Sorgen um verloren gehende Arbeitsplätze machen. Man muss ja auch an die Wirtschaft denken. Na wenn die sonst keine Sorgen haben.

Die US-amerikanischen Krankenhaus-Neubauten nahe Wiesbaden für mögliche verletzte Soldaten werden auch nicht auf Eis gelegt. Egal, bezahlen die Deutschen ohnehin, ist ja nicht das Geld der US-Amerikaner.

Und die über 800 weltweiten US-Stützpunkte werden sicher auch bald in 5-Sterne-Spa-Ressorts für die einheimische Bevölkerung des jeweiligen Landes umgebaut.

Aktuell werden US-Atomwaffen nach Großbritannien verlegt. Das passiert sicher nicht, ohne dass Trump davon weiß. Ob das bei Putin als vertrauensbildende Maßnahme ankommt, ist vielleicht eher zu bezweifeln.

Innenpolitisch ist ja einiges, auch wirklich Gutes passiert, aber außenpolitisch hat sich Donald bislang alles andere, als mit Ruhm bekleckert.

Und solange wie Merz brav mit dem transatlantischen Schwänzchen wedelt, und seine Untertänigkeit gegenüber dem engsten Verbündeten und Partner kundtut, läuft es doch für die USA wie geschmiert. Und Freiheit ist wichtiger als Frieden. Auch wieder so ein Spruch vom sauerländischsten Kanzler aller Zeiten. Keine Ahnung, wo Merz die Stelle in George Orwells „1984“ gefunden hat. Oder steht das im Vorwort der Neuausgabe, geschrieben vom Energieexperten Habeck? Der würde wahrscheinlich auch sagen: Wir sind gar nicht im Krieg, wir haben nur aufgehört im Frieden zu sein. Iss halt so, ne!

Ach ja, und weil es einfach ein Genuss ist, kann man es sich gar nicht oft genug auf der geistigen Zunge zergehen lassen: Die USA haben mit einem terroristischen Akt die Energieversorgung Deutschlands, dem engsten Partner und Verbündeten zerstört. Schließlich waren sie ja von Anfang an gegen Nordstream, dann ist das doch nur konsequent. Und aus lauter Mitleid liefern die USA jetzt ihr dreckiges Fracking Gas zu Mondpreisen. Und Deutschland, das Schlafschaf sagt noch danke dafür, dass es einen gewaltigen Tritt in den Hintern bekommen hat. In der Psychologie nennt man das das Stockholm-Syndrom. Aber in der grausamen Realität gelten natürlich ganz andere Regeln.

Wie ist das eigentlich, wenn ein NATO-Mitglied ein wirtschaftlich strategisches Ziel eines andere NATO-Mitglieds angreift? Tritt dann auch der Bündnisfall ein? Kämpft dann jeder gegen jeden, oder jeder für sich alleine, weil man jetzt sowohl Verbündeter, als auch Feind ist? Ganz schön verwirrend, darum hat man die Sprengung wohl auch unter den NATO-Teppich gekehrt, weil man gar nicht gewusst hätte, wie man sich verhalten soll.

Man muss gar nicht übermäßig phantasiebegabt sein, um sich die Frage zu stellen, wer denn jetzt wirklich der Feind Deutschlands ist, Russland oder vielleicht doch die USA?

Bei aller anfänglichen Euphorie für Trump. Nüchtern betrachtet ist bis jetzt vor allem viel heiße Luft gekommen, zumindest was die Außenpolitik betrifft. Will er nicht, oder kann er nicht, weil vielleicht der Deep State noch zu stark ist?

Vielleicht sind Wahrnehmungsstörungen schuld, aber so wirklich sehen, dass die Welt seit Trumps Inauguration friedlicher geworden ist, kann man derzeit noch nicht.

Aus seinem Umfeld sind gute Aussagen zum Zustand der Demokratie und der Meinungsfreiheit in Deutschland gekommen, ohne Zweifel. Als Reaktion darauf durfte sich der „Adenauer“ ins absolute Halteverbot in der Bannmeile unter Aufsicht der Berliner Polizei stellen und den neu vertonten Andachtsjodler mit dem Titel „Scheiß AfD“ zum Besten geben. Oder hieß es „Scheiß ARD“?

Donald, es wäre langsam an der Zeit zu liefern, wenn es einer kann, dann Du, wo ja laut Merz bereits alle Mittel der Diplomatie ausgeschöpft sind. Und wenn der das sagt, dann stimmt das ganz sicher, ist ja schließlich unser Bundeskanzler, mit Omen schon bei seiner Wahl. 2. Wahl eben, aber auch sehr schick mit weißem Hemd und Fliege, wenn er nur nicht immer so guckte, als ob es auf dem Empfang schon wieder keine Potthucke geben würde.

 

 

Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben.”

* *

(Bild von pixabay)