"Imagine" oder: Frieden ist eine Kunst für sich

Eine Hommage an das friedvolle Gefühl und seine kreative Ausdruckskraft – von Monika Wolff.

Autor: Monika Wolff. Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben. Sie finden alle Texte der Friedenstaube und weitere Texte zum Thema Frieden hier. Die neuesten Pareto-Artikel finden Sie auch in unserem Telegram-Kanal.


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Imagine

Im Mai diesen Jahres entdeckte ich zufällig dieses Bild auf der Wand einer Garage.

Ich fuhr mit dem Rad durch eine kleine Seitenstraße und erlebte den Moment als der Künstler des Bildes gerade den letzten Pinselstrich zog. Er hatte sichtlich Freude und war mit seinem Werk mehr als zufrieden. Er strahlte wie ein kleiner Junge, dessen größter Wunsch in Erfüllung gegangen war. Völlig verschmiert von der hellblauen Farbe, den tropfenden Pinsel noch in der Hand, sah er mich auf dem Rad vorbeifahren und hob den Pinsel zum Gruße und lächelte. Ein Friedensgruß. Ich lächelte zurück.

Ich freute mich damals über diese Kunst, weil ich das Gefühl des Künstlers teilen konnte. Aus einer grauen Wand machte er eine Friedensbrücke. Schon oft bin ich in den letzten Jahren, seit ich in diesem Viertel wohne, vor seinem Schaufenster stehen geblieben und habe seine Friedenstauben, seine Portraits von Bonhoeffer und Anne Frank bestaunt. Mein persönlicher Favorit von ihm ist jedoch der „Der einäugige Teddy mit dem blutenden Herz“. Mit wenigen Pinselstrichen zeigt dieses Bild, welches es in ein paar Variationen gibt, ein blutendes Herz, das mich an ein verletztes Eidotter erinnert.

Der Künstler stammt aus dem Libanon und weiß, was Krieg bedeutet. Er hat die Botschaft von John Lennon verinnerlicht, weil sie mit ihm resoniert. Resonanz erzeugt immer Funkenflug. Gefühle bekommen dann Beine. Grenzen und Barrieren verschwinden. Menschen verspüren unheimlichen Handlungsimpuls, der kaum zu bändigen ist. Tolle Dinge entstehen wie von Zauberhand geführt. Magie liegt in der Luft. Innere Stimmen werden laut. Gedanken werden zum ersten Mal vor anderen ausgesprochen. Bilder wollen aus dem Kopf aufs Papier oder auf die Garagenwand. Raum und Zeit werden überwunden, weil Kunst nicht von dieser Welt ist. John Lennon ist dann lebendig. Viel mehr sein Bewusstsein sendet dann plötzlich kräftige Signale ins Ruhrgebiet des Jahres 2025. Und man weiß gar nicht, wie einem geschieht. Bewusstsein lebt durch unsere Aufmerksamkeit. Wir werden in diesen Momenten vom bloßen Bewusstseinsempfänger zu diesem lebendigen Bewusstsein selbst.

Wir SIND dieses Bewusstsein auf zwei Beinen. Das ist uns nur meist nicht bewusst, weil wir mit Kochen, Waschen, Einkaufen o.ä. beschäftigt sind.

Dieses Bewusstsein war nie weg. In jeder Zeit gibt es Menschen, die uns an dieses Bewusstsein einfach nur erinnern wollen. Es geht um Erinnerung durch Aufmerksamkeitslenkung. Und es geht um ein Gefühl. Für mich ist Frieden EIN Gefühl. Es sind nicht 27 verschiedene Gefühle. Frieden ist für mich ein ganz bestimmtes Gefühl. Am besten spürt man dieses Gefühl, wenn man tief liebt, geboren wird oder nah am Tod ist, drei sehr angstbesetzte Situationen im Leben eines Menschen. Vor dem dunklen Hintergrund des Todes nimmt man die helle Farbe des Friedens im Alltag vielleicht am besten wahr. Frieden ist, wenn man das Durchstechen der dünnen Membran des Eidotters haarscharf überleben durfte. Danach wird man zum Friedensbotschafter.

Herzen, die verletzt wurden, können heilen. John Lennon hat es uns 40 Jahre lang vorgelebt.

Das beste Argument für Frieden ist jedoch der vorzeitige Tod. Auch das hat uns John Lennon vorgelebt.

Das Wissen um die vielen anderen Arten zu sterben, ist auch ein gutes Argument. Es geht um das Leben VOR dem Tod. Dieses Wissen über das WIE des Lebens muss immer wieder erinnert und weiter getragen werden. Das sind keine Schauermärchen von alten Menschen. Es ist das Wissen der Alten und Weisen, die haarscharf Unwissenheit, Bequemlichkeit, Opportunismus, Gottlosigkeit, Gier, Lügen, Betrug, Korruption, Kampf, Flucht und Erniedrigung überlebt haben, die den Tod gesehen und gerochen haben. Sie wissen WIE man lebt. Das Leben NACH dem Tod ist dann die leichtere Übung, das Heimspiel, das Nachhausekommen. Dann ist wieder alles klar, als wären Liebe und Frieden nie weg gewesen. Aber hier auf Erden brauchen wir Lieder, Songtexte, Künstler, die Garagenwände bemalen, Friedenssymbole, über die sich vortrefflich streiten lässt oder auch nicht. Hier auf Erden ist das Leben manchmal so schnell vorbei, wie wenn eine Mähmaschine über eine Sommerwiese im Schlosspark fährt, auf der die jungen Wildgänse kühlenden Schutz im hohen Gras gesucht haben. Die überlebenden Gänse stehen dann tagelang regungslos auf der abgemähten Wiese und suchen ihre Kinder und Geschwister. Lege Dich auch als Mensch auf einer Sommerwiese immer nah an einen Baum. Du weißt nie, wann der Bauer kommt.


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Frieden braucht immer wieder Erinnerung. Frieden braucht Lieder, Symbole oder Performance-Kunst. John Lennon und Yoko Ono legten sich 1969 nach ihrer Vermählung im Rahmen von „Bed-In“ eine Woche lang in ein Bett eines Hotelzimmers und empfingen Journalisten, um ihrem Wunsch nach Frieden medienwirksam Ausdruck zu verleihen.

Vieles, was wir als Menschen hier auf Erden erleben, sind einfach nur Illusionen. Wir haben die Fähigkeit, in die eine oder andere Richtung zu träumen. „Stell Dir vor, über uns wäre einfach nur der Himmel“, so Lennon. „Und wenn es Wolken regnet, dann pflanze sie ein, damit sie wachsen können“, so Yoko Ono.

Die Songtexte von Lennon sprechen unaufgeregt von dem zeitlosen Bedürfnis nach Frieden und Gerechtigkeit. Es sind einfache Botschaften, die Menschen rund um den Globus bis heute mitten ins Herz treffen. Sie haben nichts von ihrer Direktheit und Glaubwürdigkeit verloren. Sie sind tief und intensiv. Sie berühren das Eidotter.

Lennon hat gemeinsam mit seiner Frau der Welt ein Geschenk hinterlassen, indem er sein persönliches Kindheitstrauma in seiner wunderschönen Musik verarbeitet hat und die Welt daran hat teilnehmen lassen. Kunst heilt, weil sie Liebe transportiert. Sie ist eine Verpackung, die man mitessen kann. Sie ist mehr als ein bloßes Vehikel. Aber Kunst kann noch mehr als Selbstheilung aktivieren und Traumata heilen. Sie hat die Kraft, soziale und politische Veränderungen einzuläuten und anzuschieben, weil sie gemäß ihres Wesens mit Konformität und Materialismus bricht. Kunst ist individuell, einzigartig wie jeder Mensch. Und sie ist nicht zu greifen, nicht käuflich. Noch dazu bringt sie Menschen zusammen. Sie vereint auf natürliche Weise. Sie braucht keinen Konformitätsdruck und keine Lockmittel. Das, was sie nicht sein will, das ist sie. Man kann es mit dem Verstand nicht erklären. Sie geht über Tische, Bänke und Ländergrenzen. Sie ist wunderschön und universell. Sie lacht und verändert damit alles. Sie ist vergänglich und dennoch unsterblich. Sie zieht sich immer wieder ein anderes Kleid an. Deswegen wird Kunst bis heute gefürchtet, gekapert, vermarktet, uraufgeführt, für teures Geld gekauft, sie trägt einen Heiligenschein, wird unter Verschluss gehalten und hinter Panzerglas ausgestellt, wird repliziert, verwässert, in Form und auf Linie gebracht, in Epochen, Wandkalender und Studiengänge gepresst, als Kinderkram und Maltherapie abgewertet oder ganz offen als Straftat bekämpft.

Wir alle sind auf diese Erde gekommen mit dem Fingerabdruck der Liebe. Wir alle sind Künstler, weil wir diesen Fingerabdruck mit einzigartiger Rille tragen. Leg einfach eine Nadel auf die Rille Deiner Vinylplatte und höre Deiner eigenen Melodie zu und bring sie zum Ausdruck. Lass andere daran teilhaben. Wiederhole Dich, wenn es sein muss tausende Male, als habe Deine Platte einen Sprung. Erzähle Deine persönliche Botschaft von Liebe und Frieden. Male auf Garagenwände, sing ein Lied, aber sing es selber. Tanze Cumbia auf dem Bürgersteig an der Bushaltestelle, wenn Dir danach ist. Grüße Leute, die Du nicht kennst, nur um zu sehen, was passiert. Hupe nicht, wenn andere an der grünen Ampel nicht anfahren. Schicke diesem Mitmenschen stattdessen stumm eine Portion Liebe, denn er braucht sie. Bleibe gelassen, wenn die Milch in der Flasche ausflockt. Suche Dir einfach eine andere Molkerei, die die Flaschen ordentlich nachspült. Verstehe, dass Du nicht jedes Elend, das Dir begegnet, auflösen kannst. Jeder durchlebt hier auf der Erde seinen eigenen Zyklus mit Freud und Leid. Und dennoch hängen wir alle zusammen. Wir fühlen, was der andere fühlt. Verdonnert zum Fühlen, ohne helfen zu können? Jein. Wir sind Empfänger von Informationen der schlichten 3D-Welt, aber auch von tieferliegenden Botschaften. Und wir sind gleichzeitig Sender von Worten, Taten und allem, was der feinstofflichen Welt zuzuordnen ist. Wir spüren, was der andere spürt, auch ohne Worte. Bei den meisten ist das jedenfalls so. Ohne diesen Spürsinn wäre die Menschheit nicht so weit gekommen. Wir streben mehr oder weniger bewusst nach dem, woher wir kommen. Unsere Erinnerung daran ist noch schwach vorhanden. Wir singen, malen und tanzen so gut wir können, weil uns das beim Erinnern hilft. Und manchmal scheitern wir auch an uns selbst oder anderen. Das gehört zum planmäßigen Aufenthalt hier scheinbar dazu.

Und dann gibt`s diese Momente, wo Du Dich glasklar erinnerst, ein ganz bestimmtes Lied hörst, zu Tränen gerührt bist, Dein Eidotter fühlen kannst, ganz nah bist mit einem Menschen, den Du nie kennengelernt hast. Das ist Dein Update. Du bist wieder ausgerichtet. Die Batterie ist wieder aufgeladen. Du spürst wieder die Anbindung, weil jemand an der unsichtbaren Nabelschnur gezogen hat. Du bist plötzlich nicht mehr allein. Alles ist gut und hat einen Sinn. Du siehst den wunderschönen hellblauen Himmel über Dir und spürst Deinen Auftrag als Mensch unter Menschen. Du kannst so viel tun.

Du beginnst nochmal von vorne. Es ist Dir egal, wie oft Du es schon versucht hast, egal was. Du verstehst, dass alles immer gut ist. Nein, Du fühlst es. Frieden ist EIN Gefühl. Also Du legst die Nadel in die Rille Deiner Vinylplatte und spielst laut Deine eigene Melodie. Du summst mit und wippst mit dem Fuß. Es ist egal, was die anderen denken. Wer seine eigene Melodie kennt, braucht die der anderen nicht zu fürchten. Jeder ist mal dran. Oder alle spielen zusammen. Frieden ist wie experimentelle Musik. Man hört dem anderen zu und bringt sich dann mit ein. Jeder kann Geräusche machen. Selbst die Pause ist ein Geräusch. Und am Ende singen alle zusammen:

„All we are saying is give peace a chance.“

Der zum Ausdruck gebrachte Wunsch nach Frieden ist bereits der Frieden. Und dieser Wunsch ist save, weil er in einem Bewusstsein lebt, das älter ist als die Menschheit selbst. Dieses Bewusstsein kann Dir als Form, Farbe, Klang oder als EIN Gefühl oder sonst irgendwie begegnen. Aber wenn es Dir begegnet, dann merkst Du es. Und dann drück es aus, was das Zeug hält.


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