Vom Wahnsinn, notwendenden Utopien & Staatsterror

Die Themen dieser 2-Wochenschau sind: Persönliche Systemumstellungen (Linux, FreifunkMeet, Pareto), meine daily[s] u.a. zu Gaza, geistiger Landesverteidigung und dem Zolldeal der EU, der Rückblick auf den Monat Juli mit der Utopie und der Frage des Monats, Fred Breinersdorfer und der Staatsterror, Christoph Pflugers Blick auf die „Firma Schweiz“ und Herbert Prohaskas 70er

https://odysee.com/@karjalainen-draeger.report:1/Wochenschau_31-32_25_080825:9

Liebes Publikum,

und wieder sind zwei Wochen wie im Flug vergangen. Die Tragödien auf der politischen Bühne nehmen kein Ende und immer noch schauen die meisten wie gebannt diesem zum Teil unwürdigen Schauspiel zu. Auch ich nehme immer wieder im Zuschauerraum Platz und versuche mich als Kritiker der Vorgänge – mit mäßigem Erfolg. Die einen ignorieren meine Worte, weil sie nicht einmal wissen, dass ich mir dazu überhaupt Gedanken mache; die anderen ignorieren meine Worte, weil diese zu einer Ab- und Umkehr in biblischem Ausmaß auffordern (könnten). Angesichts dieser Aussichtslosigkeit meines Unterfangens, lohnt sich kritische Reflexion. Der Sommer geht in die zweite Hälfte und bietet noch einige Wochen Zeit für den Herbst zu planen, wenn es wieder richtig losgeht. Und so ist auch ein Relaunch meines journalistischen Wirkens nicht auszuschließen. Eine Adaption aber wird es bis zum Herbstbeginn jedenfalls geben.


Mutig in die neuen Zeiten

Was die technische Ausstattung und die Erweiterung meiner publizistischen Präsenz betrifft, habe ich jedenfalls schon vorgelegt. Windows und Microsoft sind endgültig Vergangenheit, mein ThinkPad läuft seit 25. Juli mit Linux Ubuntu. Meine Online-Meetings habe ich auf den Jitsi-Meet-Ableger FreifunkMeet, einem zensurfreien, datenschutzkonformen und abhörsicheren Open-Source Onlinekonferenzsystem umgestellt. Der Name „Jitsi“ kommt übrigens aus dem Bulgarischen und bedeutet „Draht“. Mögen diese Drähte glühen! Und seit 6.8.25 gibt es alle meine Beiträge auch im Pareto.Space zu lesen, einem „Open-Source Ökosystem für zensurfreien Bürger-Journalismus auf der Basis von Nostr,“. Dort kann man seine Wertschätzung auch mit Hilfe von Lightning kundtun. Mit mir sind dort auch Autoren wie Michael Meyen, Milosz Matuschek, Monika Wolff, Tom-Oliver Regenauer und Mathias Broeckers unterwegs. Um am Laufenden zu bleiben, empfiehlt sich ein Abo des Pareto-Telegramkanals. Auch das von Milosz Matuschek initiierte Medienprojekt „Die Friedenstaube“ kann man dort finden.

Publizistischer Sommermodus

Journalistisch befinde ich mich nicht wirklich im Sommermodus, publizistisch sehr wohl. Der Unterschied liegt darin, dass ich jede Menge Themen aufschnappe, sie notiere und mit dazu Gedanken mache, sie aber nur eingeschränkt in Form von Texten oder Podcasts veröffentliche. Diese Zeit wird noch kommen. In der Warteschlange befinden sich u.a. ein Beitrag über die ID Austria und die europäische ID, deren Implementierung nicht zuletzt durch den umtriebigen „Sohn des Neffen“, Staatssekretär Alexander Pröll, unumkehrbare Ausmaße anzunehmen droht (einen empfehlenswerten Beitrag dazu hat Tom-Oliver Regenauer vor kurzem verfasst); ebenso möchte ich mich intensiver mit der seit kurzem nicht nur in Österreich propagierten „geistigen Landesverteidigung“ (GLV) beschäftigen, der ich immerhin schon ein daily gewidmet habe:

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Publiziert habe ich in den letzten beiden Wochen jedenfalls das eine oder andere weitere daily, so zum Beispiel zu zwei mir bislang nicht vertrauten Begriffen:

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Auch der „Zolldeal“ zwischen den USA und der EU war Thema:

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Und zuletzt musste ich meine Gedanken zu Benjamin Netanyahus Plänen, den gesamten Gazastreifen zu besetzen, loswerden:

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Zu diesem Beitrag ist wieder ein lesenswerter Dialog mit dem von mir geschätzten Kollegen Gunther Sosna bei Changemedia entstanden. Um diesem zu folgen lohnt es sich, Teil der ChangeMedia-Gemeinschaft zu werden:

https://changemedia.at/registration?method=invite-code&inviteCode=A7CLPQ

Ein 100-minütiger erkenntnisreicher Monatsrückblick

Auch der Monatsrückblick „Darüber sollten wir reden“ für den Juli gemeinsam mit Christian Janisch von Idealism Prevails war wieder fällig. Diesmal nahmen wir uns rund 100 Minuten Zeit um über das von uns ausgewählte Weltgeschehen des abgelaufenen Monats zu reden. Zwei der drei neuen Rubriken, nämlich die Utopie des Monats und die Frage des Monats, werden demnächst auch als Einzelbeiträge auf allen Plattformen abrufbar sein. Wer nicht so lange auf die Themen „Dankbarkeit“ und die Antworten auf die Frage „Wie gehst du mit dem Zeitgeschehen um?“ warten will, kann sich diese schon mit einem Klick auf die entsprechende Stelle im Podcast ansehen bzw. -hören.

https://odysee.com/@karjalainen-draeger.report:1/DSWR_Juli_2025:6

Mein als abschließend geplanter Beitrag zum Amoklauf an der Grazer Schule in der Dreischützengasse bekommt ständig neue Nahrung. Zuletzt wurde von Eltern eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft eingebracht und in einer mir noch nicht vorliegenden Aussendung an die Medien gebracht (die Kleine Zeitung (KLZ) berichtete), in der von Übergriffen seitens der Lehrer die Rede ist. Die zuständigen Schulbehörden kalmieren, der kommentierende Kollege von der KLZ sieht darin gar einen „gefährlichen Grenzgang“. Ich werde mich daran machen, die Aussendung zu erhalten und mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen.

Fred Breinersdorfer und der Staatsterror der 1980er-Jahre


Kürzlich bin ich bei meinem mich „Zurück-Erinnern“ auf die von mir geliebte Serie „Anwalt Abel“ mit Günther Maria Halmer in der Hauptrolle gestoßen. Was es damit auf sich hat, werde ich einmal auf meinen Dichter-Seiten zu erzählen wissen; diesmal geht es mir um den Drehbuchautor, der gleichzeitig der Autor der Bücher um den starrköpfigen Juristen ist: Fred Breinersdorfer, der 1946 geboren wurde, hat auch zahlreiche Tatort-Drehbücher verfasst. Und im zweiten Teil seiner Abel-Geschichten mit dem Titel „Das kurze Leben des K. Rusinsky“, das 1980 erstmals erschienen ist, spart er nicht mit Kritik an der übergriffigen Staatsgewalt. Er lässt Abel u.a. Sätze wie diesen sagen: „Begreifen Sie denn nicht, dass es wirklich so etwas wie Gegenterror des Staates gibt, dass alle – überwiegend Unschuldige – unter dem konkreten Verlust bürgerlicher Freiheiten zu leiden haben, bloß damit sich ein paar eurer Terroristen besser fangen lassen. Das beginnt bei der Unverletzlichkeit der Wohnung und hört bei der Ausweispflicht auf – alles ausgehöhlt, verschärftְ wie’s gerade passt – wegen ein paar wildgewordener Bürgerkinder. Das ist doch ganz gewöhnlicher Terror.“ So war es damals, so ist es noch oder wieder heute.


Die Schweiz als Firma & Herbert Prohaska

Abschließen möchte ich noch auf zwei Dinge hinweisen:
Zum einen auf einen Beitrag von ZEITPUNKT-Chefredakteur Christoph Pfluger, der in einem Newsletter mit folgenden Worten auf seine Rede zum 177. Geburtstag der Schweiz hinweist: „Und jetzt will ich Ihnen erzählen, wie es einem Nachrichtenmann ergeht, wenn er nach Jahrzehnten seinen Laptop wieder einmal vier Wochen lang nicht aufklappt, keine Zeitung und keine eMails liest, sondern sich nur mit den Entdeckungen und Begegnungen beschäftigt, die einem auf einer Reise zufallen.

Plötzlich wird einem der starke Kontrast zwischen der immer noch sehr schönen Welt und dem unsäglichen Kriegstheater der Politiker in einer Schärfe bewusst, die einen in der Tiefe verändert.

Die Politik, die vom All über unsere Konten bis in die Körpersäfte einen unglaublichen Einfluss auf unser aller Leben ausübt, ist ein absurder Albtraum, eine Show mit immer neuen Horror-Szenarien, die unsere Zustimmung zu Verschlimmbesserungen erzwingen. Mit Ferien und vor allem Nachrichtenabstinenz kann man ein bisschen aufwachen, ein paar Wochen lang.

Die Kunst ist natürlich, nicht wieder in den Wahnsinn des Alltags zurückzufallen und die Klarsicht und Distanz mitzunehmen. Ich weiss noch nicht, ob ich das schaffen werde.

Das Polit-Theater darf man ja nicht ernst nehmen, aber man muss. Diese paradoxe Aussage bringt den Konflikt auf den Punkt, in dem wir stehen, Journalisten und Medienkonsumenten.

«Man sollte immer zuerst versuchen, ein Problem ernsthaft zu lösen», sagt der österreichische Psychologieprofessor und Humorforscher Willibald Ruch. «Wenn man es nicht kann, ist es allerdings besser, darüber zu lachen, als daran zu verzweifeln.»

Kriegsgefangene, die sich Witze erzählten, überleben länger, sagt die Forschung. Und Gefangene eines ziemlich kriegerischen Systems mit einer gewaltigen Eigendynamik sind wir ja alle irgendwie.

Ob es mir gelingen wird, die heiteren Seiten der harten Realität freizulegen, werden wir sehen. Die Dinge anders zu sehen, braucht auch Übung.

In den vier Wochen auf der Isle of Wight, im Dartmoor, in Wales und in Irland ist mir eines klar geworden: Selbst die Schweiz, die ich so liebe, ist nur noch eine Fassadendemokratie.

Im Innern ist sie – wie alles westlichen Staaten – eine Firma, die nach den Gesetzen des Geldes funktioniert: immer mehr! Für immer weniger! Ich konnte mich nicht zurückhalten und musste dazu eine 1.August-Rede gestalten.

Die Betrachtung der Schweiz als Firma ist tatsächlich ein Augenöffner. Plötzlich versteht man, warum die direkte Demokratie nicht mehr funktioniert, warum der Wille des Souveräns mehr oder weniger konsequent missachtet wird und warum wir an der Basis trotz grosser Anstrengungen so wenig erreichen. Wir haben einfach noch nicht verstanden, dass die Schweiz eine Firma ist.“


Zum anderen möchte ich Herbert Prohaska, einem fußballerischen Idol meiner Kindheit, zum 70. Geburtstag gratulieren. Der ORF hat ihm einen ganzen Abend gewidmet, sehr zum Leidwesen von Hans Krankl.

Ihnen und Euch wünsche ich ein belebendes Wochenende mit vielen wundervollen Erlebnissen im Kreis von Familie und Freunden oder einfach auch mal ganz allein.


Ihr & Euer
Michael Karjalainen-Dräger
freischaffender Journalist & Publizist, Dichter

Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben.”