Act like a wolf

Das Ziel von Street Smartness: Konflikte vermeiden

Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben.”

 

Act like a wolf

Das Ziel von Street Smartness: Konflikte vermeiden

Wie können wir friedensfähig werden? Gibt es da ein Training? Ja, manchmal findest Du die Lösung buchstäblich auf der Straße.

Mich hatte die Frage beschäftigt, wie man insbesondere jüngere Menschen vor einem vorzeitigen Tod oder einem psychologischen Trauma durch einen Krieg schützen kann. Die Antwort lautet für mich: Street Smartness. Menschen, die street smart sind, fallen nicht so leicht auf Manipulationen anderer herein, und sie wissen, wie man Konflikten aus dem Weg geht. Wenn junge Menschen street smart werden, dann erkennen sie, dass jeder Krieg unnötig ist. Sie fallen auf Propaganda nicht mehr herein. Wie wird man street smart? Entweder durch eine harte Biografie (Muttersprachler), oder man lernt es einfach von anderen, so wie man auch andere Dinge lernen kann (Schulenglisch mit Auslandssemester).

Meine Kunden in der Sozialberatung hatten fast alle diese Street Smartness. Ich habe das irgendwann begriffen, dass sie mir da etwas voraus hatten. Ich war, etwas vereinfacht gesagt, book smart, sie waren street smart. Ich habe viel gelernt von meinen Kunden in der Sozialberatung, weil sie es verstanden, mich mit drei harmlosen Fragen zu scannen, ohne dass ich etwas entgegen zu setzen gehabt hätte. Sie waren straßenschlau, bauernschlau und kamen unfreiwillig zu mir. Die Beratung war eine Auflage vom Amt. Und ich musste um ihr Vertrauen werben, damit sie sich mir öffneten. Das war eine gute Schule für mich. Man ist dann nicht die gefragte Ratgeberin. Man muss unter Beweis stellen, dass man gesprächstechnisch (und inhaltlich) tatsächlich etwas anzubieten hat, was von Wert ist. Mit bloßen Phrasen kann man dann keinen Blumentopf gewinnen. Und man musste als vertrauenswürdig eingestuft werden können. Also meine Kunden wussten in Kürze, wo ich wohnte, ob ich mit dem Auto zur Arbeit kam und ob ich einen Freund hatte. Der Rest war erstmal unwichtig. Dann wurde meine Einstellung zu Drogen abgefragt. Bei dieser Frage fiel ich regelmäßig durch und erhielt ein genervtes Augenrollen für meine ehrliche (aber weltfremde) Antwort. Und dann wurde noch abgefragt, ob ich im juristischen Sinne für sie gefährlich werden könnte, ob ich sie im Ernstfall bei der Behörde verpfeifen würde. Das verneinte ich natürlich alles glaubwürdig, und dann konnte man endlich mal zur Sache kommen und die verschiedenen sozialen Problemlagen besprechen. Sie wollten wissen, mit wem sie es zu tun hatten, bevor sie sich öffneten.

Ich entwickelte Respekt vor dieser Street Smartness. Meine Kunden waren schlau. Keiner von ihnen hätte sich darauf eingelassen, wenn jemand sie verpflichtend für den Wehrdienst hätte einziehen wollen. Heute fällt mir das ein, dass ich mit einigen von ihnen zufällig über dieses Thema gesprochen hatte. Entweder hatten sie selbst Erfahrungen in diesem Bereich gemacht und ganz schnell gemerkt, dass sich dieses „Berufsfeld“ in der Praxis als nicht attraktiv erwiesen hatte. Oder sie hatten einen Opa, der ihnen vom Krieg erzählt hatte. Instinktiv lehnten sie aus unterschiedlichen Gründen eine Tätigkeit in diesem Bereich ab bzw. hatten sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Und in jedem Fall hatten sie eine Lösung gefunden, wie sie aus dem Dienst an der Waffe wieder heraus kommen konnten. Sie fanden heraus, was man auf keinen Fall machen durfte und setzten dies dann prompt mit dem gewünschten Ergebnis um. Sie flogen im hohen Bogen aus der Bundeswehr oder verbrachten die gesamte Zeit des Wehrdienstes auf der Wachstube. Sie konnten blitzschnell Personen, Risiken und Dynamiken in ihrem unmittelbaren Umfeld einschätzen und effektiv darauf reagieren. Sie waren Überlebenskünstler und aufgrund ihrer harten Biografie mit allen Wassern gewaschen. Sie trauten niemandem so leicht, auch Ärzten nicht. Sie probierten Substanzen selbst aus und vertrauten nur ihrer eigenen Wahrnehmung oder fragten einen Kumpel nach seiner Erfahrung. Sie wollten sich nicht (mehr) unterordnen, sie wollten frei sein. Sie hatten das Schlimmste bereits erlebt. Sie wussten, was Trauma ist und wollten endlich Frieden haben. Sie wussten auch, dass es schlauer war, einem Konflikt auszuweichen als Öl ins Feuer zu gießen. Sie waren mutig und verteidigten jeden Tag auf die eine oder andere Weise ihr Leben und ihre Ehre. Sie knickten nicht ein. Sie blieben fair. Sie wollten nicht so sein wie die, die ihnen „das“ angetan hatten, was auch immer „das“ war. Da war eine große Loyalität mit allem und jedem zu spüren. Da war der Wunsch, Gleichgesinnte zu finden, die auch einfach nur leben wollten. Sie sprachen mit mir über Ängste, traurige Gefühle und Sehnsüchte, die sie „draußen“ niemals zugegeben hätten. Sie waren ehrlich. Sie kannten ihre Verletzungen und die Probleme, die daraus resultierten. Sie wussten, dass Drogen keine Lösung sind. Sie wollten heilen und so sein wie andere. Sie hätten gerne einen gutbezahlten Job gehabt, aber nie hätten sie sich zum Dienst an der Waffe verpflichten lassen. Da war so ein intuitives Verständnis von „Gruppe, Gemeinschaft und Menschlichkeit“ und davon, dass man so etwas nicht mutwillig und nicht für Geld zerstört. An diesem Punkt trafen wir uns immer wieder. Und für diese Haltung zollte ich immer meinen vollen Respekt und drückte das auch aus. Das verband mich mit ihnen und stärkte das gegenseitige Vertrauen. Für meine Kunden war das selbstverständlich, dass man andere nicht ernsthaft verletzte, nicht auf andere „ballert“. Sie wollten selber Respekt und verstanden, dass man dann auch selber Respekt zollen muss, wenn man ihn einfordern will. Sie wussten, wie man mit Löwen läuft, ohne selbst gefressen zu werden. Sie kannten die ungeschriebenen Gesetze des urbanen Dschungels. Sie folgten einer natürlichen Logik. Und in der natürlichen Logik war Krieg das Schlechteste, was einem passieren konnte. Und deswegen meldete man sich logischerweise auch nicht freiwillig zum Kriegsdienst.

Viele junge Menschen sind heute ver-bildet. Sie folgen nicht mehr einer natürlichen Logik, weil diese unter sogenanntem „Wissen“ vergraben ist. Bücherwissen, Unterrichtsinhalte oder Handybepulsung und -beatmung liefern vorgefilterte Momentaufnahmen mit diversen Anhängen für die Beobachterperspektive. Man nimmt nicht teil. Man liest, sieht oder hört lediglich etwas über einen Zustand. Street Smartness bedeutet hingegen, dass man aktiv in einem laufenden Film in Echtzeit mit allen damit verbundenen Herausforderungen und Gefahren mitspielt. Man ist live dabei. Man zahlt im Zweifel auch den vollen Preis. Man kann das Geschehen nicht zuklappen wie ein Buch oder ausschalten wie ein Video. In verordneten oder organisierten Gruppen, wie sie in Schule und Vereinen vorkommen, ist man zwar auch live dabei, aber die Situationen, die man erlebt, kommen unter „Laborbedingungen“ zustande. Alle Mäuse kommen aus einer Haltung. Auf der Straße kann man hingegen ungefiltert alles, was jenseits des „Labors“ denkbar ist, erleben. Es gibt verschiedene Mäusesorten. In der Wissenschaft wird dies auch unterschieden, ob ein Versuch „in vitro“ (im Labor) oder „in vivo“ (im echten Sozialraum) stattfindet. Versuche, die „in vivo“ stattfinden, haben immer die bessere Aussagefähigkeit. Also die meisten jungen Leute sind nicht gut trainiert, wenn es um das Überleben „auf der Straße“ geht. Ich meine damit ausdrücklich nicht Obdachlosigkeit, sondern das Überleben als junger Erwachsener in einer kapitalistischen Welt im Endstadium, die sich nochmal final aufbäumt und alles gibt, bevor sie dann hoffentlich für immer schläft und von einem neuen Bewusstsein abgelöst wird.

Was ist jetzt der Punkt, auf den ich hinaus möchte? Sollen sich jetzt alle jungen Menschen eine Scheibe von meinen ehemaligen Kunden, die oft schwer traumatisiert und langzeitarbeitslos waren, abschneiden? Es gibt hier keine einfachen Antworten, und ich möchte niemanden glorifizieren.

Was ich zum Ausdruck bringen möchte ist, dass man besser lernt, wenn man regelmäßig allein im Sozialraum unterwegs ist. Man kann das ja mit liebevollen Eltern vor- und nachbereiten. Wenn junge Menschen allerdings durch Elternhaus, Schule, Medien und Staat überreguliert werden, alles „vorgekaut“ bekommen, sich bis zu ihrem 18. Lebensjahr nur in der Sicherheitszone bewegen, dann fehlen ihnen wichtige soziale und emotionale Fähigkeiten. Sie wissen theoretisch viel über das Leben da „draußen“, aber sie wissen sich nicht zu verhalten. Sie wissen nicht WIE es geht, wie es sich anfühlt, worauf man achten muss, was man nicht tun sollte, um eben nicht „gefressen“ zu werden. Sie „sterben“ quasi mit dem Handy in der Hand, weil das im Ernstfall nicht hilft. Ein Handy ersetzt beispielsweise keine gute Wahrnehmung, und es kann keine Körpersprache einsetzen, um bedrohliche Leute auf Abstand zu halten. Und Gefahren, die ich im echten Leben nicht kennen lernen durfte, erkenne ich dann auch nicht, wenn sie mir medial begegnen (Wolf im Schafspelz). Street Smartness schützt nicht nur im echten Leben. Sie schützt auch, wenn ich als junger Mensch im Internet und in den Medien unterwegs bin, weil ich „das Menschliche“ kennen gelernt habe. Das Internet und die Medien sind ja auch nur von Menschen gemacht. Also Street Smartness kann, meines Erachtens, die Medienkompetenz von jungen Leuten verbessern und dadurch auch vor diesen Manipulationen bezüglich der Notwendigleit von Kriegsvorbereitungen oder Kriegshandlungen schützen. Street smarte Menschen wittern Manipulation 10 Meilen gegen den Wind, egal von wem die Manipulation kommt.

Zum Abschluss möchte ich eine kurze und unvollständige Liste mit Stichpunkten zum Begriff Street Smartness anfügen, die dem interessierten Leser Impulse für weitere eigene Gedanken geben kann. Das Thema kann man sich, wenn man der Logik folgt, nur selbst erschließen.

Wie verhalte ich mich auf der Straße, wenn ich irgendwo fremd bin und vielleicht Angst habe?

Zeige keine Angst. Wölfe riechen Angst.

Setze den „Tausend-Yard-Blick“ oder „Dead-Eyes-Blick“ auf.

Zeige immer Dein Gesicht, trage den Kopf hoch. Zeige Selbstvertrauen.

Gehe schwungvoll, bewege Deine Arme beim Gehen. Zeige Vitalität.

Aussehen und Selbstvertrauen ausstrahlen, ist auf der Straße alles, was Du tun kannst.

Überlege gut, was Du Fremden erzähst.

Lass Dich nicht einfach ansprechen. Sei freundlich, aber geh langsam weiter.

Zeige nicht unbedingt, dass Du fremd in der Gegend bist.

Wenn Dich jemand mit harmlosen Handlungen „beißt“, dann „beiß“ zurück. Menschen testen Dich dadurch, wie bereit Du bist, Widerstand zu leisten, wenn es ernster wird. Act like a wolf.

Wenn es ernster wird, dann geh lieber einen Schritt zurück. Wisse, wo der Punkt ist, den Ausgang zu nehmen. Aber mache einen starken Rückzug, wie ein Wolf.

Wisse, wer der Alpha ist.

Sei niemals respektlos, denn das ist richtig gefährlich.

Zeige immer Respekt, auch wenn´s schwer fällt.

Greife immer nur das Argument an, nie die Person, den Charakter.

Respekt für´s Gegenüber bringt Dir wenigstens noch ein bisschen Loyalität der Gruppe ein.

Sei Dir immer klar darüber, in welchem Territorium Du Dich gerade befindest.

Zusammenfassung:

Zeige Selbstvertrauen, keine Angst.

Zeige Respekt, Loyalität.

Denke an das Territorium.

Sei mutig.

Dann kannst Du unter Wölfen, Löwen und den meisten halbwegs sozialisierten Menschen mitlaufen.

Garantie auf ewige Sicherheit gibt es (in der 3D Welt) aber keine.

Je mehr Erfahrung Du hast, umso besser kannst Du ernsten Gefahren aus dem Weg gehen bzw. in ernsten Situationen das tun, was die Sache am besten deeskaliert.

Street Smartness geht Krieg instinktiv aus dem Weg.

 

Fazit:    Street Smartness bedeutet in spiritueller Hinsicht vielleicht, dass man sich immer seiner Größe bewusst sein darf, angstfrei durch´s Leben gehen darf und mit einer respektvollen Haltung anderen gegenüber sehr weit kommen kann. Und das, was so leicht aussieht, ist in Wirklichkeit harte Arbeit. Denn als Mensch unter Menschen wird man ständig getriggert und manchmal auch ernsthaft bedroht oder verletzt. Traumatisierte Menschen können ein Lied davon singen. Street Smartness ist sowohl das Ergebnis von harten Traumaerfahrungen als auch eine schöne Methode für Menschen, die nicht so harte Erfahrungen machen mussten, die aber lernen möchten, in schwierigen Situationen gechillt zu bleiben und Ruhe auf andere auszustrahlen. Street Smartness kann man auf zwischenmenschliche Situationen wie auf globale Situationen beziehen. Wer street smart ist, zieht nicht in den Krieg.

 

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