Die Wiedergeburt des Landsers

„Drecksarbeit“? Die Kritiker der Worte unseres Bundeskanzlers sollten endlich schweigen, denn sie behindern die Entwicklung, die Evolution durch Wiedergeburt. Eine Vision.

Autor: Christian Deppe. Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben. Sie finden alle Texte der Friedenstaube und weitere Texte zum Thema Frieden hier. Die neuesten Pareto-Artikel finden Sie auch in unserem Telegram-Kanal.


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Es ist doch ganz einfach: Die Reinkarnation des deutschen Landsers im Bundeskanzler ist nur die längst fällige Kompensation für die vielen Jahre im Schlamm der Schützengräben, für die Lungenschüsse und Amputationen, für millionenfaches Morden und millionenfachen Tod. Vom Vokabular der früheren Kriege bleibt immer etwas hängen, das ist nun mal so, das wächst sich aus.

Der Landser ist endlich aus den Groschenheften auferstanden, in multiplikativer Reinkarnation. Als Minister*in, als Lohnschreiber:in, als Abgeordnete(r) – ja, der Landser kann auch als Frau – , als solche(r) zeigt er, wer er jetzt ist und was er kann. Reinkarnation ist Wandel, also auch Geschlechtswandel. Dabei, Flintenweiber gab es schon im ersten Weltkrieg – Karl Kraus porträtiert sie mit Spott und Bitterkeit – , im zweiten nahmen sie neue Aufgaben wahr.

Der souveräne Abstand von der realen Welt

Die Freimütigkeit des deutschen Bundeskanzlers ist, das anzumerken sei erlaubt, ein bisschen getrübt: Dass er die Drecksarbeit des Landsers im Nahen Osten lobt, ist doch etwas weltfremd, nein, eigentlich nur etwas technikfremd. Der Landser im Dreck und der Pilot am Himmel – haben sie noch viel gemeinsam? Aber sicherlich hat der Kanzler dabei auch an unseren Osten gedacht, der ist nicht so weit weg, da, wo noch richtig in Gräben und Unterständen gemordet und gestorben wird. Man lebt und träumt einfach noch etwas in den alten Bildern und Erinnerungen, und die darf man niemandem vorwerfen. Es träumen ja auch ganz andere von der Vergangenheit, von einer ganz anderen, aber mit denen haben der Bundeskanzler und die neuen Landser in den Medien gar nichts zu tun. Zu wünschen ist ihnen und uns eigentlich nur, dass die alten Bilder sie nicht über die neue Wirklichkeit täuschen. Ein bisschen bestand dafür ein Risiko beim vorhergehenden Bundeskanzler, der vor einem Diktatfrieden warnte, als seien wir schon im Krieg und er Kanzler einer stramm deutschnationalen Partei. Solche Imaginationen können manchmal real gefährlich werden, die Außenministerin des alten Bundeskanzlers fuchtelte damit immer wieder etwas unbeholfen auf dem diplomatischen Parkett. Die haben wir mit etwas Glück überlebt, und deshalb kann der neue Kanzler jetzt weitermachen. Sein Außenminister wirkt manchmal etwas zerknirscht-zerknautscht, könnte also einsichts- und lernfähig sein. Darauf will man gerne setzen: Dass die Kriegstreiber vielleicht schon jetzt ahnen, dass in ihnen noch ganz andere Regungen und Ideen schlummern und aufsteigen könnten. Der Wandel durch Einsicht gehört zur Reinkarnation, man muss ihn nur zulassen.

Der Blick aus großer Höhe, den kennt der Bundeskanzler – schließlich ist er ja Pilot. Der Abstand von der realen Welt, der macht die Souveränität des Politikers aus, er verteilt das Geld und delegiert den Krieg. Wenn der in der Ferne tobt, dann ist das gut für die Deutschen, die zu schützen der Kanzler sich ja verpflichtet hat.

Das moderne Fluggerät macht es möglich, vom Ziel sehr weit entfernt und dennoch sehr präzise zu zerstören und zu morden. Der Dreck der Kollateralschäden bleibt überschaubar, und so verkraftet man leicht die politischen und ökonomischen Kollateralschäden. Der Tunnelblick des neuen Landsers ist noch ein Erbe des alten, der ein Auge schließen, das andere verengen musste, um den Feind über Kimme und Korn oder schon durch das Zielfernrohr zu erfassen. Die Präzision des Mordens bleibt in den Verwandlungen der Wiedergeburt erhalten, denn Präzision ist ein hoher Wert: wie die Waffen, so die Menschen.  „Munition ist immer knapp“ – ein altes Landserwort – , und deshalb ist Präzision nichts anderes als Sparsamkeit. Die hat der Bundeskanzler uns auch versprochen.


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In die Tiefe des Raumes

Ob der Bundeskanzler unsere Erfolge an der Ostfront mit Kerben an den Kanten seines Schreibtischs registriert? Ist da noch Platz, nach zwei Weltkriegen? Setzt die Kerben nicht vielleicht sogar der schneidig starre General, mit stahl-starren Augen? Fragen über Fragen, auf die es keine Antworten gibt. Denn das dürfen wir nicht wissen, es ist geheim. Geheimhaltung ist im Krieg entscheidend, wir müssen also nicht alles wissen, denn sonst glauben wir nicht alles, was man uns sagt und schreibt und zeigt.

Spekulieren aber darf man. Denn auch Generalmajor Freuding, der neu ernannte Leiter des Sonderstabs Ukraine im Verteidigungsministerium, spekuliert, wie wir endlich ins Handeln, also an die Ostfront, kommen. Sein Vorschlag: „Wir brauchen Waffensysteme, die weit auch in die Tiefe des russischen Raumes reichen, die angreifen können – die Führungseinrichtungen, Flugplätze, Flugzeuge.“

Der russische Raum – noch ein alter Traum des Landsers, aus dem Zusammenhang gerissen, gewiss, ein Traumfragment, ein freudiger Vorgriff – aber will man es der Wiedergeburt des Landsers verdenken, nach Jahrzehnten in der Gruft der Groschenhefte? Darf der Landser etwa nicht träumen?

Hoffen wir, dass der Bundeskanzler den Schaden begrenzt, und das geht nur so: Das Träumen in den alten Bildern geht über in einen neuen Traum, ja, in eine neue Art Traum, in die Simulation. Der Bundeskanzler, seine Minister, die alten und neuen Landser – bald können sie den Joystick in die Hand nehmen, sich am Bildschirm treffen und die VR-Brillen aufsetzen. Das ist die Idee der Stunde, jetzt noch Hoffnung, morgen schon Kampfauftrag: Der Krieg wird virtuell. Der Anfang ist mit dem Haschmich der Drohnen an der Ostfront bereits gemacht. BILD führt vor, wie das geht; die Videos der Schlagtot-Zeitung bringen das muntere Spiel der zierlichen Geräte schon jetzt auf die Bildschirme. Da ist noch etwas drin: Krieg geht auch hierzulande, wenn er nur virtuell bleibt. Er lässt sich zuhause führen, im Kanzleramt, im Bundestag, einfach überall, sogar im Grünen, per Laptop und nachhaltig mit Solarmodul. So erreicht der Landser die nächste Stufe der Reinkarnation: Er bekommt die Heldenrolle im Videospiel, und der Bundeskanzler und all seine Mannen und Frauen, alle Willigen schlüpfen hinein in ihre Figuren, wenn ihnen danach ist und der Osten ruft. Aber, diese Mahnung muss sein, bitte nicht nur spielen, es muss auch noch regiert werden!

Etat für Kerbhölzer

In die Gruft muss der Landser jedenfalls nicht mehr zurück, er wird auferstehen in der Gloriole des Lichts. Er kommt auf die Riesenscreens in den Spielhallen und Stadien, das ist viel besser für ihn und für uns. Wenn das die IT-Industrie reich macht – soll sie doch, dann stehen wenigstens die Ruinen des Kriegsgeräts nicht mehr auf den Feldern und Straßen und die Leiber der Soldaten und Zivilisten – in Nahaufnahme, aber verpixelt – liegen nicht mehr in der Gegend herum, Bilder, die uns immer noch das Bild des Krieges verschandeln. Der Schrott hat gekostet und erinnert leidigerweise immer wieder an das rausgeschmissene Geld und an die toten Insassen. Wir wollen einfach keine schlechten Bilder vom Krieg mehr. Aus dem Dreck auf die Bildschirme, der Landser wird ein sauberer Held! Vom alten Traum mag, Nostalgie hin oder her, die Markierung der Treffer bleiben, das ist Traditionspflege. Die Kerbhölzer sind im Etat sicherlich drin, wenn das grobe Kriegsgerät eingespart wird.

Kann der Bundeskanzler nicht schon jetzt eine Stufe überspringen und seinen Generalmajor aufhalten auf dem Weg an die Ostfront? Dann gibt es keine Gefallenen mehr, und, vom Kriegsdruck befreit, findet der Kanzler vielleicht doch noch Gefallen an der Diplomatie und kann das Rüstungsgeld für Deutschlands Infrastruktur verwenden, statt es für Tod, Zerstörung und Schrott zu verschenken.

Ob der Landser zu der beschleunigten, nächsten Reinkarnation schon bereit und fähig ist, das bleibt vorerst ein Geheimnis. Aber es wird klappen, wenn nicht jetzt, so hoffentlich bald, wenn die IT-Industrie den 3-D-Krieg anbietet und – für beide fehlt nun doch das Geld – die Rüstungsindustrie aus dem Leib der Politik verdrängt hat. Das wird nicht ganz leicht sein, aber dem hehren Ziel wird sich dort niemand verschließen.

Die Merz‘, Kiesewetters und Freudings, sie alle können ihre Todessehnsucht dann am Bildschirm ausleben. An die Ostfront wären sie dafür nicht gegangen, das ist zu gefährlich, denn im Schützengraben vergeht die Kriegssucht, dieses immer wiederkehrende Krankheitsbild eines alten Virus‘. Das vorige – gerüchteweise ein neues – haben wir gerade hinter uns. Auf Virus- und Kriegspolitik werden wir irgendwann als auf eine vergangene Epoche zurückblicken, uns wundern und fragen, wie das möglich war.

Bis dahin werden wir friedlich; der Landser im Bundeskanzler wird im Bildschirm seiner ansichtig und lernt, den Krieg zu verlernen.

Der Bundeskanzler im auferstandenen Landser – dieses Bild gibt uns die Zuversicht, die wir jetzt so dringend brauchen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Overton-Magazin und wurde mit Erlaubnis des Autors übernommen.


Christian Deppe ist seit 5 Jahren Neu-Berliner, hat Germanistik und Philosophie studiert und als Zahnarzt gearbeitet. Platon, Flaubert, Karl Kraus und Darren McGarvey haben ihn belehrt; Albrecht Müller hat ihm geholfen, den Kopf über Wasser zu halten. Ernst Friedrichs ‚Krieg dem Kriege‘ und General Butlers ‚Zur Hölle mit dem Krieg‘ haben ihn zum Visionär werden lassen.


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