Raubritter Ludwig

Der sozialdemokratische Wiener Bürgermeister bricht - wie nicht anders zu erwarten - sein Wahlversprechen und erhöht Öffi-Preise und Parkgebühren um rund 30 Prozent. Der Bürger schweigt. Von Michael Karjalainen-Dräger

Wir wissen es zwar längst – und sind dennoch ob dieser Perfidie immer wieder überrascht. Politiker interessiert ihr Geschwätz vom Wahlkampf spätestens nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses überhaupt nicht mehr. Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig ist da in bester Gesellschaft. Vergessen hat er seine Worte: „In Zeiten, in denen die Teuerung die Haushalte stark belastet,setzen wir ein klares Zeichen: Die 365-Euro-Jahreskarte der Wiener Linien bleibt.“ Dieser Tage gab er Gebührenerhöhungen von rund 30 Prozent bekannt.

Besonders „spannend“ ist der Anstieg der Preise für die Öffis in der Bundeshauptstadt. Für das Einzelticket sind statt € 2,40 demnächst € 3,20 zu berappen. Und die Jahreskarte für die Wiener Linien wird um satte € 102,-/Jahr verteuert. Damit alles „gerecht“ bleibt muss man in Zukunft auch für den Parkraum um den gleichen Prozentsatz mehr zahlen. Wie das mit der Klima-Agenda zusammen passt, ist nur eine der vielen weiteren Fragen.

Der Wiener nimmt’s – wie es so seine Art ist - nach außen hin gelassen, um nur am Stammtisch oder hinter vorgehaltener Hand zu revoltieren. Dabei wäre das gebrochene Versprechen tatsächlich eine massivere Gegenwehr wert. Zumindest jene, die dem sozialdemokratischen, aber eigentlich kapitalistischen Bürgermeister am 1. Mai zugejubelt haben, könnten sich nun neuerlich auf dem Rathausplatz einfinden und auch die mitreißen, die ihn gewählt haben. Es gälte so lange zu protestieren, bis er diese Frechheit zurück oder höchstselbst seinen Hut nimmt.