Die Diskussion um Gerechtigkeit bei sozialen Transferleistungen führt zu Ende gedacht zur Notwendigkeit die Grundlagen des menschengemachten aber unmenschlichen Geld- und Wirtschaftssystem endlich zu ändern. Von Michael Karjalainen-Dräger
Wenn Systeme in die Jahre kommen, zeigen sich deren Konstruktionsfehler; umso deutlicher wird das mit jeder Reform, denn diese manifestiert ja organisationstheoretisch betrachtet das Bestehende und bringt nicht wie allgemein angenommen tatsächlich Verbesserungen. Das zeigt sich aktuell an der in Österreich gerade aktuellen Debatte um soziale Transfers und Pensionserhöhungen.
Viel ist da von Gerechtigkeit die Rede. Ein kardinales Missverständnis dabei ist die Annahme, dass etwas dann gerecht ist, wenn es alle gleich behandelt. In Wirklichkeit aber nähert man sich diesem Ideal am besten damit an, in dem man der Situation bzw. der Person gerecht wird. Das ist natürlich wesentlich komplexer und – um es mit Ex-SPÖ-Kanzler Sinowatz zu sagen – auch komplizierter, letzten Endes aber angemessener.
Bei finanziellen Transferleistungen wäre daher ein der herrschenden Situation entsprechendes Existenzminimum für Erwachsene und Kinder festzulegen. Von Person zu Person wird dann entschieden, wie viel zum durch unselbständige bzw. selbständige Erwerbsarbeit verdienten Einkommen bzw. zu vorhandendem Vermögen noch dazu kommen muss, um diesen Betrag zu erreichen – und das wirklich ganz individuell und persönlich differenziert. Demnach würde es für sehr gut verdienende oder vermögende Menschen keinerlei staatliche Unterstützungsleistungen geben.
Oder aber wir kommen endlich drauf, dass unser menschengemachtes Geld- und Wirtschaftssystem das eigentliche Problem ist und ändern dessen falsche Grundlagen.