Verabschiedungskultur

Die Willkommenskultur von 2015 ist dem Gegenteil gewichen, angestrebte Lösungen sind kurzsichtig und unmenschlich, weil sie die Ursachen nicht beseitigen. Von Michael Karjalainen-Dräger

Die nunmehr als „Flüchtlingskrise“ bezeichneten Ereignisse im August 2015 jähren sich heuer zum zehnten Mal. Wie immer bei runden Jubiläen wird das Thema medial aufgegriffen. In diesem Jahrzehnt ist in der Sache eine Menge passiert, vor allem im Bewusstsein der Menschen. War anfangs klar, dass den Kriegsvertriebenen auf möglichst allen Ebenen geholfen werden soll, ja muss und in Europa, vor allem in Deutschland und Österreich, eine fast übermenschliche Willkommenskultur herrschte, so ist heute davon nichts mehr übrig geblieben.

Vielmehr ist man versucht, die damalige Vorgangsweise schlecht zu reden und jene damals amtierenden Politiker, allen voran die damalige deutsche Kanzlerin Angela Merkel, für die daraus resultierenden „Katastrophen“ verantwortlich zu machen. Migration ist zum Thema Nr. 1 geworden, dem sich auch die so genannten Mitte-Parteien nicht mehr verschließen wollen.

Nüchtern betrachtet ist weder das eine, noch das andere Extrem realitätskonform. Im Gegensatz zu vergangenen Fluchtbewegungen innerhalb Europas war wohl der kulturelle Unterschied zu den seit 2015 Zugewanderten zu groß, ein gutes Miteinander ohne tragfähige Integrationsangebote bloß Illusion. Nun die Menschenrechtskonvention neu schreiben zu wollen, um schneller abweisen oder abschieben zu können, aber ist unmenschlich. Auch hier braucht es differenzierte Lösungen, die den selbst verschuldeten Ursachen der Situation gerecht werden. Dafür aber ist Gerhirnschmalz statt Propaganda nötig! Schaffen wir das?