Die bedeutungslos-seltsamen Ritter der Tafelrunde

Zum Stand der Dinge – von Georg Ohrweh.

Autor: Georg Ohrweh. Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben. Sie finden alle Texte der Friedenstaube und weitere Texte zum Thema Frieden hier.


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Wohl ja, ich höre ihre Worte, aber ein Gewicht haben sie nicht

Die Europäische Union, an ihrer Spitze Deutschland, als zukünftig ehemals führende Wirtschaftsmacht, hätte in den vergangenen über 3 Jahren die Möglichkeit gehabt zu beweisen, dass es reif dazu ist, aus der Nachkriegsordnung in die vollständige Souveränität entlassen zu werden. Den Krieg zu unterstützen, statt den Schwerpunkt auf den Frieden zu legen, birgt noch reichlich ungelebtes Optimierungspotenzial.

Die Sanktionspakete mit viel Inhalt und wenig Wirkung, die Aussage des derzeit amtierenden Diplomatieverweigerers in Außenangelegenheiten: „Russland wird immer unser Feind sein“; die Aussage des Außen- und Reisekanzlers: „Wir wollen die stärkste Kraft in Europa werden“; die unqualifizierten Wortpatronen der Waffenlobbyistin aus Düsseldorf-Rheinmetall und die Siegesphantasien eines Herrn Kriegsgewitters; die Forderung des „freundigen“ Bundeswehr-Generals: „Wir brauchen Waffensysteme, die weit in die Tiefe Russlands reichen“, zuvor die General-Inkompetenz der vorangegangenen Außendings mit Trampolin- und Hüpfekästchen-Erfahrung – all das hat gezeigt, dass vor allem das Deutschland der Nachkriegszeit (von wem nochmal gingen die beiden Weltkriege aus?), das nun schon das Greisenalter erreicht hat, in Wirklichkeit aber immer noch nicht aus dem Jugendalter herausgekommen ist.

Die Entscheidungsträger und Stimmungsmacher befinden sich ihrem Reifegrad nach entweder noch im Kindergarten oder doch schon in der Pubertät, aber auf keinen Fall haben sie bereits das Erwachsenenalter erreicht, wie man an dem Treffen mit Präsident Trump am Montag, den 18. August 2025 in Washington sehen konnte, als Merz unbeirrt an seinen abstrusen Forderungen festhielt und sie in gewohnt staatsmännisch-eloquent klingendem Ton absonderte.

In ihrer Gemeinschaft der Unfähigen, haben sich geschlossen alle anwesenden Staatsoberhäuptlinge alles andere, als mit Ruhm bekleckert. Ihr gemeinsames, größtes Versäumnis ist, alle Mittel der Diplomatie zu jeder Zeit nicht ausgeschöpft zu haben. Ihr größter Fehler ist, dass sie bis heute die Ursachen des Ukraine-Konflikts nicht anerkennen wollen, geschweige denn, nachvollziehen können.

Für die derzeit 19 Sanktionsversuche ist wohl die nach Brüssel verschobene, ehemalige deutsche Verteidigungsministerin in besonderem Maße verantwortlich, die in ihrem vorangegangenen Leben offensichtlich ein trauriges Leben als Granitblock fristete.

Für das Scheitern der Wirkung jedes einzelnen Paketes fehlt die kognitive Fähigkeit der Einsicht, die vermutlich auch mit dem vorangegangenen Leben zu tun hat. Es scheint sich hier um eine ansteckende Erkrankung zu handeln, die inzwischen in ganz Europa grassiert.

Wäre diese Einsicht vorhanden gewesen, wäre man unweigerlich auf dem Weg der Diplomatie gelandet und womöglich schon heute viel weiter. Kann man die Unterlassung jeglicher Friedensbemühungen als Verrat an ganz Europa und seinen Menschen ansehen?

Der deutsche Bundestagsvizepräsident ließ verlautbaren, dass Frau von der Betonfabrik zeitweise den Raum verlassen musste, weil die USA nur mit den europäischen Leadern sprechen wollte, wozu sie in den Augen der USA offensichtlich nicht dazugehört. Das Verlassen-müssen des Klassenraums und Verweisen vor die Tür spricht eher dafür, dass aus Sicht der USA Frau von der Leyen eine Frau mit viel politischer Vergangenheit, aber wenig politischer Zukunft ist.

Entgegen seiner Aussage, Frau Ursula vertrete als EU-Kommissionspräsidentin 400 Millionen Menschen, vergaß er wohl, dass diese sie nicht als solche demokratisch gewählt haben. Die Zuständigkeit, die Stimme von 400 Millionen Europäern zu sein, scheint daher eher fragwürdig.

Zur gemeinsamen Unfähigkeit zählt das Nichtvermögen einer Kurskorrektur, unterstützt von den allermeisten EU-Abgesonderten, die entweder ideologisch verseucht sind oder Angst um ihren Posten, den damit verbundenen Vorteilen und Privilegien und einer sicheren Einkommensmöglichkeit haben.

Und außerhalb der EU hat der Struwwelpeter aus Britannien verhindert, dass Millionen von Menschenleben nicht gestorben wären, wenn die bereits schon sehr weit vorangeschrittenen Friedensverhandlungen im März 2022 nicht sabotiert worden wären. Man hatte sich halt für die Brechstange entschieden, wohl dabei aber vergessen, dass sie in ihrer Substanz nur aus Gummi besteht. Und nicht zu vergessen die Bundesmutti, die offen zugegeben hat, dass man der Ukraine nach Minsk nur Zeit verschaffen wollte, die Muskeln aufzupumpen. Was für ein europäisches Desaster, in dem Deutschland eine führende Rolle eingenommen hat.

Außer den Bemühungen um Friedensgespräche seitens des europäischen Quertreibers und Nestbeschmutzers Victor Orban, der sich nach wie vor partout nicht der Clique der Kriegswilligen anschließen will, hat es von keinem anderen Land irgendwelche Anstrengungen gegeben, den Konflikt auf diplomatischem Wege zu beenden. Von Deutschland sowieso nicht, von Frankreich nicht und von Bella Italia leider auch nicht.

Die Tafelrunde in Washington hat gezeigt, wer die Hosen anhat und wer wem gegenüber in absoluter Abhängigkeit steht. Militärisch, politisch und wirtschaftlich. Insofern war und ist keiner der anwesenden Staaten wirklich souverän, eine Begegnung auf Augenhöhe unmöglich.

Ganz Europa lebt eigentlich in einem Freiluftgehege, dessen Außenmauern mit Demokratie angepinselt sind. Und im Laufe der Jahre, seit der Nachkriegsordnung, sind diese Mauern mit dichtem Efeu zugewachsen, sodass man sie inzwischen gar nicht mehr sehen kann. Die Menschen in diesem Zoo haben sich an den Zustand gewöhnt und empfinden ihn sogar als Freiheit. Wenn das Gehege nur groß genug ist, sehen die Allermeisten die Mauern gar nicht.

Die Zusammensetzung der Tafelrunde mit den Rittern von trauriger Gestalt erinnert auch an eine Räuberbande, in der der ukrainische Bandenführer seine vermeintlich stärksten Bandenmitglieder um sich geschart und zur Verstärkung mitgebracht hat, weil er von vornherein weiß, dass er allein nicht gegen den ankommt, der im Viertel das eigentliche Sagen hat.


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Direkt nach dem Bandenführer kommt sein engster Kompagnon Merz, der in völliger Selbstüberschätzung den Mund aufmacht, weil er fest davon überzeugt ist, dass seine Worte Gewicht haben. Er glaubt, er könne mit den Adlern kreisen, obwohl er mit den Hühnern nur picken kann.

Am geschicktesten verhält sich Georgia, die zuhört, sich alles andere, als in den Vordergrund drängt, und während Merz faselt, sich ständig überlegt, wie sie Italien am geschicktesten durch das Nadelöhr bringt. Von außen betrachtet ist man ständig hin- und hergerissen, und fragt sich, ist sie nun ein Biest oder muss man sie dafür lieben, dass sie möglicherweise vor allem ihrem Land verpflichtet ist. Ihrer südländischen Mentalität ist zu verdanken, dass man ihre Gefühle in ihrer Mimik ablesen kann. Hier könnte sie viel vom Betongesicht einer von der Leyen lernen. Wäre sie Engländerin, würde sie vielleicht sagen, sie sei „not amused“ gewesen, als Merz seinen Auftritt als Staatsmann hatte.

Macron, die französische Null in Sachen Friedensbemühungen, wird möglicherweise auch nicht besonders begeistert gewesen sein, wenn der ehemalige Erzfeind der Grande Nation vor kurzem erst darüber schwadroniert hat, Deutschland wolle stärkste Kraft in Europa werden wollen. Vor allem bei der älteren französischen Bevölkerung dürfte dies wohl eher als Drohung, denn als Beruhigung angekommen sein. Vielen werden sich sicher (zu Recht) die Nackenhaare aufgestellt haben.

Der Angelsachse Starmer sieht keine Veranlassung, das von Johnson gelegte Feuer löschen zu wollen. Vielleicht eher das Gegenteil, weil er und sein Land glaubt, dass man als ehemals imperiale Macht, dessen Geist immer noch auf der Insel in vielen Köpfen herumschwirrt, das Feuer ruhig weiter schüren kann, schließlich ist man ja auf einer Insel, abgekoppelt vom europäischen Festland, also doch in gewisser Entfernung, wenn es auf dem Kontinent mal knallen sollte.

Was Finnland in der Tafelrunde zu suchen hatte, erschließt sich vorläufig nicht. Plötzlich ist es aufgetaucht und wollte auch dabei sein. Vielleicht ist die hysterische Vorstellung, Russland könnte Finnland als nächstes ins Visier nehmen, dort am deutlichsten ausgeprägt.

Und Rutte, der „Pressesprecher“ der NATO, ist insofern ein zahnloser Tiger, eher ein dekorativer Zaungast, weil die NATO nichts machen kann, was gegen die Interessen der USA laufen würde. Auf jeden Fall kann er aber berichten, wer das Sagen hat und wer nicht.

Am Ende zeigt sich die Essenz dieser für die Außenwirkung sicher positiven Inszenierung: Die letzte Entscheidungsgewalt liegt bei Trump, dessen am Ende diktatorische Macht, hoffentlich in diesem Fall nur zugunsten des Friedens zum Einsatz kommt.

Bekräftigt durch das eindeutige Signal, wohl auch eher eingeplant, als spontan entschieden, dass er zwischendurch Putin anruft, womit noch einmal ganz deutlich gezeigt wird, dass am Ende die Entscheidung über Krieg und Frieden einzig und allein bei den USA und der Russischen Föderation liegt, stellvertretend bei Trump und Putin, und alle anderen absolut nichts zu sagen, zu melden oder gar zu entscheiden haben. Im Idealfall haben sie die Zeit des Wartens, in der Trump mit Putin telefoniert hat, genutzt, sich die Frage zu stellen, was sie hier eigentlich zu suchen haben?

Europa hat die längste Zeit die Chance gehabt, auf diplomatischem Wege die Richtung Frieden einzuschlagen. Stattdessen hat es durch sein stringentes Setzen auf die falsche Karte seine Möglichkeiten verspielt und am Ende verloren, was man aber natürlich nicht zugeben kann.

Trump hört sich womöglich das europäische Gelaber an, aus Höflichkeit, im Wissen, dass gerade Merz sich mehrmals abschätzig zu ihm persönlich gegenüber in aller Öffentlichkeit geäußert hat, in Deutschland seine Wahl als das Gottseibeiuns verkauft wurde. Vielleicht auch im Hinblick darauf, dass man in Zukunft ja auch noch irgendwie miteinander auskommen muss. Im Grunde genommen aber kann er nur jeden der Anwesenden als Hampelmann ansehen.

Die Tafelrunde der Willigen, aber nicht Könnenden, ist vielleicht auch noch einmal eine Bestätigung für Trump (und die ebenfalls im Hintergrund anwesenden Vance und Rubio), wie falsch Europa tickt, wie realitätsverweigernd es an einer Vorstellung festhält, die längst von der Wirklichkeit überholt worden ist, was eigentlich schon einen Tag nach Ausbruch des Ukraine-Konflikts jedem hätte klar sein können, nämlich, dass die Ukraine gegen die Atommacht Russland zu keiner Zeit hätte gewinnen können, es sei denn, es wäre gelungen, die ganze Welt in diesen Konflikt hineinzuziehen, aber das wäre dann ohnehin das bekannte Ende des normalen Lebens auf diesem Planeten gewesen.

Ernstzunehmende Aussagen, die den weiteren Verlauf des Strebens nach Frieden im Positiven beeinflussen können, hat es nicht gegeben.

Vielmehr sollte sich Europa darauf gefasst machen, dass da womöglich noch ein Bumerang zurückkommt, denn Trump hat ein Elefantengedächtnis.

Es könnte gut sein, dass über das bockige europäische Verhalten noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.


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