GA 173b, „Das Karma der Unwahrhaftigkeit“. Neun Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 24. Dezember 1916 und 8. Januar 1917
Das Nachfolgende hat nicht den Anspruch einer wortgetreuen Wiedergabe von Zitaten. Es ist aus dem Zusammenhang genommen, der bei Rudolf Steiner ungeheuer wichtig ist, weil seine, für unsere Zeit oft schwer verständliche Sprache, eine besondere Qualität enthält, die man erst nach einiger Zeit entdeckt und wirklich verstehen kann: Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes lebendig!
Vielmehr soll es ein Hinweis auf das in drei Bände gegliederte Werk sein, und eine Anregung, die Neugier wecken, es selbst studieren zu wollen. Die Vorträge wurden gegen Ende des ersten Weltkriegs gehalten. Sie sind auch nach über 100 Jahren noch genau so aktuell, wie damals, im Hinblick au die Kräfte und Mächte, die am derzeitigen politischen und kriegerischen Geschehen beteiligt sind.
Die Akteure sind immer noch dieselben, für abstrakte Begriffe, wie „Institutionen“, braucht man nur die heutigen Konstrukte einzusetzen, und schon lesen sich die „Zeitgeschichtlichen Betrachtungen“, als wären sie erst gestern geschrieben worden.
Aus dem achten Vortrag:
Wer einen Menschen geistig heilen kann, kann einen Menschen auch geistig krank machen.
Aus dem neunten Vortrag:
Es ist die Flucht vor der Wahrheit, der die Seelen heute verfallen sind.
Im Osten bereitet sich die Zukunft vor.
Aus dem neunten Vortrag:
Wenn der Pabst wirklich ein „Pabst“ (ein Stellvertreter Christi) sein will, das heißt drinnen stehen will im wirklichen (Christus-) Prozess, so dürfte er gar nicht als Christ aufgefasst werden.
Aus dem zehnten Vortrag:
Diejenigen, die die Hexen verbrannt haben, wussten schon ganz genau, warum sie das taten: Eben weil ihnen dasjenige hätte unangenehm werden können, was die Welt, sei es im Guten oder im Schlechten, vor allem natürlich im Schlechten, aus dem Munde der Hexen hätte erfahren können.
Wir haben diesen Krieg nicht gewollt, wir sind höchst unschuldige Lämmer, wir sind überfallen worden. Um die Freiheit zu retten, um die kleinen Völker zu retten, sind wir gezwungen worden, in den Krieg zu ziehen.
Aus dem elften Vortrag:
Und das Nicht-Walten der Wahrheit, das eigentümliche Walten gerade des Gegenteils der Wahrheit, die geringe Neigung, Wahrheit zu suchen, nach Wahrheit sich zu sehnen, das hängt mit dem Karma unserer Zeit zusammen.
(Wenn es um die Beurteilung des Krieges in der Ukraine geht, muss man die Gründe kreuzweise betrachten. Das geschieht nicht. Diejenigen, die es dennoch tun, werden mundtot gemacht. Sie bekommen in der Lückenberichterstattung keinen Platz.)
Nicht Völker führen Krieg, Staaten führen Krieg!
Opiumkrieg: England baut in Indien Opium an, verkauft es nach China. Dort verfallen viele dem Opiumkonsum. China will dagegen vorgehen, England findet eine Lösung, dennoch Opium nach China zu bringen. Die Erlöse aus dem Opiumhandel stecken im englischen Nationalvermögen.
Aus dem zwölften Vortrag:
Europa wird ver-chinat.
Und die Wissenschaft der Gegenwart geht geradezu darauf aus, die Horizonte immer mehr und mehr einzuschränken. Dem liegt eine Furcht zugrunde, die Furcht vor der Wirklichkeit.
Wahrheit reicht nicht, es muss auch Wirklichkeitswert da sein.
Aus dem vierzehnten Vortrag:
Es geht bei einer Idee nicht darum, ob sie schön ist, sondern darum, ob sie aus der Wirklichkeit heraus erwachsen ist.
„Schön“ wäre es, wir hätten ein warmes Zimmer, ohne einheizen zu müssen, sondern wenn wir nur den abstrakten Begriff der Wärme zu entwickeln brauchten.
Abrüstung: Entweder werden sie es alle nicht tun, oder einzelne von ihnen (den Staaten) werden es nicht tun, oder aber, selbst wenn es alle tun, werden sie bald wieder anfangen zu rüsten, wenn die Sache nicht von einem wirklich fruchtbaren Impuls ausgeht. Eine Übereinkunft unter den Staaten zur Abrüstung ist unfruchtbar. Fruchtbar wäre es, wenn ein Staat, der es gekonnt hätte, mit der Abrüstung angefangen hätte, wenn er sie für sich verwirklicht hätte. Es geht um die Sättigung der Idee mit Wirklichkeit.
Aus dem fünfzehnten Vortrag:
Der Glaube an eine internationale Rechtsordnung ist ganz gleich mit dem Glauben, den ein Haifisch hätte, wenn er sagen würde: Ich will ein Abkommen treffen mit den kleinen Fischen, die ich sonst fresse! Er stellt sich damit sein Todesurteil aus, denn es ist in der Welt nun mal so eingerichtet, dass der Haifisch die kleinen Fische frisst.
Zurückgebliebensein in der Urteilsfähigkeit.
Aus dem sechzehnten Vortrag:
Die Eigentümlichkeit unserer Erde ist die Kugelgestalt. Wäre die Erde eine überall hin ausdehnbare Ebene, so könnten solche Konflikte nicht zustande kommen. Aber da unsere Erde eine Kugelgestalt hat, so ist nicht nur das der Fall, dass man, wenn man von einem Punkt der Erde ausgeht, und in gerader Richtung immer fortgeht, bis zu diesem Punkt wieder zurückkommt, sondern es ist auch der Fall, dass sich ausbreitende Imperien an einem gewissen Punkt stoßen, dass sie zusammenkommen und beim Aufeinanderprallen ihre entgegengesetzten Interessen ausleben müssen. (NATO-Osterweiterung -> Russland).
Imperien sind immer ehrgeizig.
Interesse britisches Imperium: Donau-Konföderation so groß wie möglich zu gestalten.
Eingeschlossenheit von Deutschland zwischen Ost und West (französisch-russische Allianz).
Ausdehnung durch Imperialismus -> Expansionslust.
Ägypten (Groß-Britannien) – Marokko (Frankreich) – Tripolis (Italien) -> Balkankrieg (Türkei)
Wenn man einem Huhn den Schnabel auf den Boden drückt und eine Linie zieht, so läuft es bekanntlich diese Linie entlang. So sind die Menschen heute, besonders die Universitätshistoriker; sie betrachten immer nur eine Seite und können daher den historischen Gang niemals wirklich verstehen.
Zwei Strömungen: Französische Revolution und Entwicklung der Freimaurer-Logen.
Immer war der Einfluss der Logen wirksam, stark wirksam, immer wusste das Logentum die Kanäle zu finden, um den Gedanken der Menschen gewisse Richtungen einzuprägen. Und wenn man ein solches Netz gespannt hat, () dann braucht man nur auf den Knopf zu drücken und die Sache wirkt weiter.
Freimaurerlisten: Die Listen haben sie schon, aber nicht das Bewusstsein davon, dass vielleicht die wichtigsten Leute nicht auf der Liste stehen.
() die Menschen werden in Europa wiederum anfangen zu glauben, dass das Friedensangebot der Ententemächte rein aus Menschenliebe, aus höherer Humanität abgelehnt worden ist – mit der sonderbaren Motivierung, dass man, weil man den Frieden anstrebt, ihn verhindern muss. Aber selbst solch groteske Unwahrhaftigkeiten finden heute Glauben.
Aber – es wird die Zeit kommen – es ist durchaus nicht ausgeschlossen, dass die Zeit trotzdem kommt, wo man wiederum sagen wird: Gegen alles Völkerrecht machen die Deutschen dies oder jenes Schreckliche (2. Weltkrieg vorausgeahnt?)
Die belgischen Greuel der Deutschen Grausamkeit hätten von englischer Seite verhindert werden können.
“Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben.”
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