Verpflichtung zur Vollzeit ist inhuman

Mein daily vom 12.8.25 zur von der niederösterreichischen Landeshauptfrau von der Volkspartei initiierten Kampagne gegen "asoziale Lifestyle-Teilzeit". Von Michael Karjalainen-Dräger

Die Niederösterreichische Landeshauptfrau von der Volkspartei (ÖVP) legte dieser Tage ihren Anwürfen vom Jänner („Teilzeit ohne Betreuungsverpflichtung ist asozial“) mit dem Zusatz „Lifestyle“ in der Debatte zum Thema nach und eröffnete eine weitere Front in der amtierenden Dreier-Koalition, in der jede Seite trotz Regierungsprogramm offenbar machen kann, was sie will. Auch hier scheint das Recht des Stärkeren zu gelten, obwohl man öffentlich den Rechtsstaat propagiert.

Sachlich betrachtet ist das ganze wohl eher eine Neiddebatte, die den Volkszorn von Wesentlicherem ablenken soll. Teilzeitarbeit in Zukunft zu bestrafen ist völliger Unsinn, weil es ja zum einen nicht wenige systemerhaltende Berufe gibt, in denen die reduzierte Arbeitszeit entweder gang und gäbe ist (etwa im Lebensmittelhandel) oder aber durchaus sinnvoll (in der Pädagogik und in der Pflege). Zum anderen wird durch die KI der Arbeitsmarkt so richtig aufgemischt, so dass sich eher die Frage stellt, welcher Beschäftigung die dadurch freigesetzten Arbeitskräfte denn nachgehen sollen. Eine viel wichtigere Frage in diesem Zusammenhang ist, wie Menschen, die keiner Erwerbsarbeit mehr nachgehen können, weil schlicht das Angebot fehlt, weiterhin als Konsumenten das Wirtschaftssystem in Schwung halten sollen.

Ganz abgesehen davon, dass der Blick auf eine angemessene Lebensqualität wohl ein menschliches Grundbedürfnis ist. Aber das wollen dessen Kritiker partout nicht respektieren. Sie werden ihre Gründe haben (Stichwort: Pensionssystem).