Obwohl sie wie Nebenschauplätze wirken, haben Diskussionen um Teilzeitarbeit und Krankenstände Strategie. Zum einen sollen sie zur weiteren Spaltung der Gesellschaft beitragen, zum andern (Un)Sozialsysteme nachhaltig entlasten. Zeit sich zu wehren! Von Michael Karjalainen-Dräger
Sie mögen angesichts der Weltlage wie Nebenschauplätze wirken. Gemeint sind damit u.a die Diskussion um die Teilzeitarbeit und die Abwertung derjenigen, die sich dafür entscheiden (müssen) sowie die dieser Tage aufgetauchte Brandmarkung der Gesundheitskassen durch die Wirtschaftskammer (WKO) bezüglich Krankenständen. Bei der Argumentation der WKO – die eigentlich keine ist – geht es darum, dass aus deren Sicht zu oft „krank gefeiert“ wird, was den Unternehmen und dem Wirtschaftsstandort schade. Ähnliches gilt für die Zahl der Feiertage in Österreich.
Bei genauerer Betrachtung aber haben Aussagen wie diese ein klares Ziel, nämlich Sozialabbau. Errungenschaften für die Generationen gekämpft haben, sollen nun angesichts der tristen Lage des Landes eingestampft werden. Wirtschaftlicher Nutzen und Effekt solcher Maßnahmen sind höchst fragwürdig, gesellschaftlich gesehen tragen sie auch zur weiteren Spaltung bei, um deren Beseitigung die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft bloß vorgeblich bemühen.
In Zeiten von KI und Robotik ist eine solche Auseinandersetzung tatsächlich nur ein Nebenschauplatz. Es geht nämlich längst darum, wie Menschen ohne Arbeit – weil es einfach keine mehr gibt – ihre Existenz sichern können sollen. Sie krank zu machen und ihnen die nötige Regeneration zu verweigern ist eine zynische Vorgangsweise, die aber gut in die Strategie der Mächtigen passt. Wer früher stirbt, belastet weniger das (Un-)Sozialsystem. Höchste Zeit, sich gegen solche Übergriffe zu wehren!