Ob Döner-Deal, Faschingskostüm oder Wiesn-Hit: Markus Söder regiert mit mehr Show als Staatskunst. Politik wird zum Entertainment – und Bayern zur Castingbühne. Von Karl Strobl
Es gibt Könige, die herrschen mit Schwert und Krone. Und es gibt den Maggus, der regiert mit Lederhose, Döner-Gutscheinen und YouTube-Karaoke. Markus Söder – ein Mann, der Franz Josef Strauß nicht nur beerben, sondern im Idealfall gleich als Hologramm wiederauferstehen lassen möchte. Nur eben mit besserer Medienshow, einem Smartphone in der Hand und garantiert mehr Selfie-Licht.
Multitalent ist fast zu wenig gesagt: Ministerpräsident, Showmaster, Trachtenmodel, Fastnachtschamäleon – und nebenbei Erfinder des „Döners für 3 Euro“, dem vermutlich günstigsten Wahlversprechen seit dem Freibier beim Gillamoos. Während andere Politiker noch über Inhalte stolpern, serviert Söder längst Wahlkampf im Street-Food-Format. Politik zum Mitnehmen, heiß, fettig, aber bitte ohne zu viele Nährwerte.
Und als wäre das noch nicht genug, setzt der Landesvater neuerdings auf musikalische Mission. Neuester Coup: ein Auftritt als Sänger auf YouTube. „Sweet Caroline“ – halb Tom Jones, halb Patrick Lindner, ganz Söder. Mit dem Selbstbewusstsein von Elvis und der Tonlage einer aufgezogenen Kuckucksuhr trällert er ins Mikrofon. Zwischenschnitte aus dem Oktoberfestzelt liefern die passende Stimmung: Schunkeln, Maßkrüge, Dirndl, Lederhosen – und mittendrin ein Ministerpräsident, der wirkt wie der Animateur eines staatlich geförderten Pauschalurlaubs. Man könnte fast glauben, die bayerische Staatskanzlei sei heimlich zu einer Außenstelle von „Deutschland sucht den Super-Bayern“ umgebaut worden.
Doch Söder ist auf der Bühne kein Anfänger. Im Fasching hat er bereits alle Register gezogen: Stoiber, Shrek, Superman – einmal sogar „Captain Bavaria“. Immer perfekt kostümiert, immer mit dem Mut zum Spektakel. Man darf gespannt sein, wen er als Nächstes gibt: Donald Trump mit Brezn in der Hand? Den Papst, der die CSU segnet? Oder vielleicht gleich Elvis, diesmal live auf der Wiesn-Bühne, mit Lederhose und Hüftschwung? Die Möglichkeiten sind grenzenlos – solange das Publikum klatscht und die Kamera läuft.
Die Frage ist nur: Wie weit kann diese Selbstinszenierung noch gehen? Braucht es irgendwann eine eigene „Maggus-Show“ im Vorabendprogramm, gleich nach den Rosenheim-Cops? Oder ein Musical: „Söder – Das Phantom der CSU“? Bayern hätte den Stoff dafür: Heldenpathos, Bierzelte, Intrigen – und mittendrin ein Mann, der das Kanzleramt schon im Blick hat, aber vorher noch schnell das Mikrofon testet.
Eines aber ist sicher: Politik ist für Söder längst mehr als Handwerk. Sie ist Showgeschäft. Brot und Spiele – mit Extra-Senf, Blasmusik und einer Prise Selbstironie, die vielleicht gar nicht als solche gedacht ist. Während andere Ministerpräsidenten noch über Gesetze reden, liefert er schon den Soundtrack zum Wahlkampf.
Und so bleibt nur eine Pointe, die zugleich ein Rätsel ist: Man kann in Bayern vieles erwarten – Blasmusik beim Frühschoppen, Bierpreise jenseits der Schmerzgrenze, selbst Stoiber in voller Fahrt. Aber wirklich überraschend wäre nur eines: Markus Söder einmal ganz ohne Inszenierung.
[Vorlage Titelbild: Pixabay (hier und hier)]
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