Linke Kilos, rechte Kilos, Erdgasfutter voll okay, freche Freunde
Schlank lechts, dünn rinks?
Okay, sie hat ein bisschen zugelegt. Die kanadisch-portugiesische Sängerin Nelly Furtado (Screenshot: Instagram) steht auch dazu, bis hin zu den Besenreißern an den Beinen, bei deren Anblick sie zärtlich an Mutter und Tanten denken muss. Die Fans sind offenbar begeistert. Darf man jetzt auch sagen, dass das nicht so schön sei? Eine Autorin der Bild-Zeitung traut sich nicht so richtig, fürchtet einen Shitstorm: „Es ist, als ob eine moralische Keule über allem schwebt.“ Jetzt sind die Figurfragen also auf den Schlachtfeldern des Kulturkrieges angekommen. Für manche gilt eine schlanke Figur als christlich, konservativ, rechts, jedenfalls nach den Koordinaten der New York Times. Völlerei sei schließlich eine Todsünde. Für den Westdeutschen Rundfunk (WDR) und seinen Kanal Cosmo ist das „Schönheitsideal eines dünnen Körpers“ sogar „weiß, kolonial und NS-ideologisch geprägt“. Also voll Nazi, jedenfalls nach Ansicht der Anstalts-Autorinnen und „Fat-Acceptance-Aktivistinnen“. So ist beliebte Grünen-Politikerin und Ricarda Lang sicher einige Kilo nach rechts gerückt, seit sie abgenommen hat – aus Gesundheitsgründen. Wir Weltbürger von DR. WATSON sehen die Sache natürlich aus globalem Blickwinkel, erinnern uns zum Beispiel an die sympathischen Leute in der Südsee, wo die dicksten der Dicken leben. Dort waren sie immer schon kräftig, schließlich mussten sie früher über tausende von Kilometern durch den Pazifik rudern. Ein paar Kilo mehr auf den Rippen waren da klar von Vorteil. “Damals war es ein gesundes Übergewicht”, sagte der zuständige Arzt im einzigen Krankenhaus des kleinen Königreichs Tonga: „Heute gibt es kein gesundes Übergewicht mehr.” Zum Problem wurde das dortige Schönheitsideal erst mit massenhaften Importen, Coca-Cola, Pringles-Chips, Instant-Nudeln von Maggi & Co.. Also: Es geht nicht um ein paar Kilo mehr oder weniger. Rinks oder lechts. Es geht um das, was wir so futtern. Und wer abnehmen möchte, muss nicht gleich zum frommen Christen werden, sondern kann einfach erst mal anders essen.
Schneller abnehmen mit echtem Essen
Echtes Essen ist besser für die Figur als Tiefkühlpizza, Fertiglasagne, Tütensuppen. Das kam bei einer neuen Studie heraus, geleitet von Samuel J. Dicken vom Londoner University College. Dabei durften die Testpersonen essen, so viel sie wollten. Vier Wochen lang bekamen die einen „ultra-verarbeitete“, die anderen „minimal-verarbeitete“, also naturnahe Nahrung. Dann war vier Wochen Pause, anschließend wechselten die Teilnehmer in die jeweils andere Gruppe. Ergebnis: Mit dem echten Essen nahmen, aufs Jahr gerechnet, Männer um 13 Prozent ab und Frauen um 9 Prozent, doppelt so viel wie mit dem Junkfood. Vermutete Ursache: in den Industrieprodukten stören Zusatzstoffe, insbesondere Aromen, unsere natürlichen Systeme für die Nahrungsaufnahme.
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Erdgasfutter voll okay für Hunde
Es mag ein bisschen eklig klingen, wenn unsere geliebten Haustiere Futter kriegen, das aus abgefackeltem Erdgas gewonnen wurde, mit Hilfe von Bakterien. Aber es ist für sie völlig okay, versichern Forscher. Grade kam eine neue Studie heraus, bei der den süßen Versuchs-Beagles (Illu: KI) das Erdgasfutter in den Napf gemischt wurde, acht Monate lang. Gesundheitlich gab es keine Probleme. „Kunden in Europa“, sagt Herman Sloot vom US-Hersteller Calysta, „verwenden bereits“ solches Futter. Und keine Sorge: Herrchen und Frauchen erfahren gar nichts davon! Auf der Packung wird, so will das die Europäische Union, der eklige Ursprung nicht ausgewiesen. Der Hersteller wirbt, kein Witz, mit dem Slogan: „Nachhaltiges Futter für eine nachhaltige Welt“. Merke: Fossile Energie – fürs Auto bäh, für Wawau supi!
Ungesundes Essen macht trübsinnig
Je ungesünder das Essen, desto depressiver wird der Mensch. Das kam bei einer neuen Studie heraus. Natürlich können auch andere Faktoren auf die Stimmung schlagen. Stress, Scheidung, Unglück aller Art. Aber eben auch Fastfood, Softdrinks, Fertiggerichte, viel Zucker, ungesunde Fette, kurz: eine „entzündungsfördernde“ Ernährung. Wenn die Leute so etwa mieden, so das Fazit der Forscher, könnten 40 Prozent aller Depressionen vermieden werden.
Vorsicht Eiweißbombe!
Der US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy jr. propagiert sie, immer mehr Leute schlucken sie, in den USA schon über 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen. Der „Proteinwahnsinn“ grassiert, im Supermarkt stapeln sich die “Eiweißbomben” (Foto: DR. WATSON). Und viele haben sich vorgenommen, noch mehr davon zu konsumieren. Kritische Ernährungswissenschaftler wie die New Yorker Professorin Marion Nestle können sich nur noch wundern. Schließlich gebe es definitiv keinen Mangel. Mediziner warnen sogar: Zu viel Protein könne womöglich das Risiko für Diabetes und sogar Krebs erhöhen, langfristig Nieren und Leber überlasten und zu Mundgeruch, Verstopfung und Blähungen führen.
Frühere Pubertät durch zu viel Süßes?
Sowohl Zucker als auch Süßstoffe könnten zu vorzeitiger Pubertät führen. Das kam bei einer Studie aus Taiwan heraus. Darin analysierten die Forscher Daten von mehr als 1.400 Teenagern in Taiwan, von denen 481 eine Form der frühen Pubertät erlebten, die als zentrale Pubertas praecox bezeichnet wird. Die Forscher hatten den normalen Zucker im Visier, aber auch Süßstoffe, die etwa die in den Light-Versionen von Cola und Red Bull zum Einsatz kommen sowie in zuckerfreien Süßigkeiten wie Wrigley Kaugummis, Ricola Bonbons oder Vivil Pfefferminzdrops. Als Ursache vermuten die Forscher hormonelle Veränderungen durch die Süßungsmittel, die es in der Natur allesamt nicht gibt. Der Süßgeschmack wirkt dabei auf entsprechende Rezeptoren im Darm, im Hirn, aber auch in Hoden und Eierstöcken.
Freche Freunde: Spitzenforscher und ihre Sponsoren
Weltweit wächst ja die Awareness, wie es auf neudeutsch heißt, also die Sensibilität und Sorge wegen fremdgesteuerter Wissenschaft, den sogenannten Interessenkonflikten, durch Sponsoren aus der Industrie zum Beispiel. Nicht so an der berühmten Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich. Da kam gerade eine “Studie” heraus, in der es um Babynahrung ging, um „Snacks“ wie die umstrittenen „Quetschies“. Sie stehen ja in der Kritik, wegen Vitaminmangels, einem Zuckergehalt von bis zu 70 Prozent, weil sie zu Karies führen und auf schlechte Ernährung programmieren können. Nach einem alarmierenden BBC-Bericht forderten britische Babyschützer, die Quetschbeutel vom Markt zu nehmen. Schließlich führt sterile Babynahrung wie diese auch zu einem „Mangel an Mikroben“, der neuerdings von Forschern beklagt wird, weil er das Immunsystem schwächt, Krankheiten und Allergien fördert. Das wissen natürlich auch die ETH-Leute, und sogar die Eltern aus ihrer „Studie“. Doch: Es ist ihnen schnurzpiepe. Beim Einkauf für ihre Kleinen sei „Bequemlichkeit das wichtigste Kriterium“ und „gesundheitliche Aspekte zweitrangig“. Motto: „Bequemlichkeit über Gesundheit“. Wer sich jetzt fragt, welche Eltern um Gottes willen die eigene Faulheit über die Gesundheit ihrer Kinder stellen, kriegt die Antwort von den Schweizer Eliteforschenden. Immerhin: Furchtbar viele sind es offenbar nicht. Repräsentativ war die Auswahl auch nicht gerade. Nur eine „Gelegenheitsstichprobe von 22 Eltern“ aus der „WhatsApp-Babygruppe“ eines Bekannten der Hauptautorin, „der während des Studienzeitraums zufällig ein 16 Monate altes Baby hatte.“ Kriegt ein Kumpel random ein Kind… So geht First-Class-Forschung heute, Leute! Zur Freude der Sponsoren, hier übrigens einer Quetschie-Firma („Freche Freunde“, Foto: DR. WATSON); von denen durfte sogar einer mitmachen! Die Schweizer Forschungsanstalt hat es übrigens gerade wieder unter die Top Ten der Universitäten dieser Welt geschafft. Fragt sich, wie lange noch - mit solchen Freunden.
Mein Senf: Die Sonnen-Wende
Von Hans-Ulrich Grimm
Als ich vor vielen Jahren Redakteur beim Spiegel war, musste ich einmal für eine große Geschichte über die schädlichen Folgen der Sonne Hautärzte abklappern. Ein Dermatologe mit großer Praxis in repräsentativer Lage sagte zu mir, er empfehle den Leuten, in die Sonne zu gehen, das habe so viele Vorteile, und das bisschen Risiko würde dadurch mehr als ausgeglichen. Ich gab das natürlich genau so an meine Chefs weiter - doch seine Aussage schaffte es nicht ins Heft. Das Mantra war ja: Sonne meiden. Eincremen. Und Vitamin D, das ja bekanntlich durch Sonnenlicht im Körper gebildet wird, per Pille nehmen. Und jetzt, Jahrzehnte später, die Wende: Der Doktor, den sie damals aus dem Heft kippten, hatte recht! Jetzt sehen es sogar die Medien ein! „Zu viel Sonnenschutz ist auch nicht gut“, titelte gerade die Neue Zürcher Zeitung (NZZ). Und auch der New York Times ging ein Licht auf: “Sonnenschein hat eine gute Seite.“ Die Sonne hilft gegen Bluthochdruck, Herzleiden, stärkt das Immunsystem, macht glücklich – und verlängert das Leben. Nach einer Studie mit schwedischen Frauen, die 20 Jahre lang beobachtet wurden, starben in dieser Zeit von jenen, die die Sonne mieden, doppelt sie viele wie von den Sonnenfreundinnen. Schön blöd also, wer sich an die offiziellen Ratschläge gehalten hat. Ich war natürlich froh, dass ich jenen Hautarzt damals gesprochen hatte, bevor sein Statement der redaktionellen Weltsicht zum Opfer fiel. Und jetzt aber nix wie raus ins Freibad, oder an den Strand! Sonne tanken!
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