Bitcoin, Proton, Iran

Heart Words #42 | Bitcoin trifft Weltpolitik

Ich lebe als Nachteule in einer Welt, die fĂŒr Lerchen gemacht ist.

Meistens fĂ€llt mir das gar nicht mehr auf. Aber heute ist Sonntag. Oder besser: Es war Sonntag. Denn inzwischen ist es nach Mitternacht, und selbst im MĂŒnchner Hostel, in dem ich vermutlich zu den Ă€ltesten Personen gehöre, hat sich nun auch der letzte Tasten-HĂ€mmerer mit seinem Laptop zurĂŒckgezogen.

Der große Tisch ist leer. Wie PrĂ€sident Putin sitze ich noch am kurzen Ende und tippe weiter, wĂ€hrend das Personal bereits angefangen hat, die wild verteilten StĂŒhle wieder an ihre vorgesehenen PlĂ€tze zu rĂ€umen.


Am Ende des Tisches um 0:38 Uhr


Ich habe den Abend damit verbracht, mit einer passionierten Bitcoinerin ĂŒber ihre Erlebnisse in El Salvador zu sprechen – bei einer köstlichen Reissuppe mit Ei. Das war heute wichtiger, als den Newsletter vor 0:00 Uhr rauszuschicken. Denn spĂ€testens ab Mitternacht schlafen die Menschlein schon, wĂ€hrend die melancholische Philosophin in mir erst richtig wach wird – und mit neuen Ideen gefĂŒttert werden möchte


MEINE HEART WORDS DER WOCHE

1. Eine Entnahmestrategie

Viele Bitcoiner trĂ€umen davon, eines Tages von ihrem Bitcoin-Stack leben zu können – ohne dafĂŒr auch nur einen einzigen Satoshi verkaufen zu mĂŒssen. Mit Bitcoin-besicherten Krediten ist das zumindest in der Theorie möglich: Man hinterlegt seine Bitcoin als Sicherheit, erhĂ€lt im Gegenzug LiquiditĂ€t und muss keine BTC verkaufen.

Steigt der Bitcoin-Preis langfristig stĂ€rker, als Zinsen und sonstige Kreditkosten anfallen, kann so ein Modell theoretisch funktionieren. Allerdings gilt das nur unter bestimmten Bedingungen – etwa dann, wenn der Kredit konservativ gerechnet ist und man im Falle eines starken KursrĂŒckgangs genĂŒgend LiquiditĂ€t zur Absicherung hat. Denn genau dann drohen Nachschusspflichten oder sogar die Liquidierung der hinterlegten Sicherheit.

Auf den ersten Blick klingt die Theorie vielversprechend. Lending-Plattformen werben mit Slogans wie „Never sell your Bitcoin“ oder sinngemĂ€ĂŸÂ â€žVerkaufe niemals deine Bitcoin“ – aber ich wollte es genauer wissen. Deshalb habe nach belastbaren Zahlen und realistischen Modellen gesucht.

Wie viel Bitcoin brauche ich, um mir jedes Jahr einen bestimmten Betrag auszahlen zu können? Wie hoch muss die Wertsteigerung dafĂŒr sein? Und was passiert, wenn der Bitcoin-Preis in einem Jahr stark fĂ€llt?

Diese Fragen wollte ich mit handfesten Zahlen beantworten – und habe dazu erstaunlich wenig NĂŒtzliches gefunden. 👀

Einige YouTuber aus den USA zeigen in ihren Videos Excel-Tabellen, aber die waren mir entweder nicht ausfĂŒhrlich genug oder zu erklĂ€rungsbedĂŒrftig.

Also habe ich selbst gerechnet, meine eigene Tabelle gebaut und dazu ein ausfĂŒhrliches Video gemacht.


Heart Money Episode 39 ▶ Von Bitcoin leben ohne zu verkaufen? Die harten Zahlen


Das Ergebnis: Wenn du in einem risikobewussten Modell bereits im ersten Jahr 50.000 Euro entnehmen willst, brauchst du dafĂŒr mehr als 1 Million Euro in Bitcoin als Sicherheit. Und selbst dann ist das Modell deutlich fragiler, als viele denken


Den Kommentaren und Aufrufen nach scheint das Video fĂŒr viele nĂŒtzlich zu sein – du findest es hier.

NÀchste Woche veröffentliche ich dazu hier einen Substack-Artikel als Sonderausgabe. Falls du Fragen hast, stell sie gerne in den Kommentaren, damit ich gegebenenfalls darauf eingehen kann.

2. Eine GrĂŒndungsgeschichte

Kennst du diese Dinge, die wie ein Hintergrundrauschen immer wieder auftauchen, denen du aber nie grĂ¶ĂŸere Beachtung schenkst?

Proton war fĂŒr mich so ein „Ding“. Ich wusste zwar grob, dass der E-Mail-Anbieter super-sichere, verschlĂŒsselte E-Mail-Kommunikation anbietet, bin dem Thema bisher aber nicht nachgegangen. Dabei gehören zu Proton inzwischen auch VPN, Cloud-Speicher, Kalender und Passwortmanager.

GlĂŒcklicherweise war Andy Yen, der GrĂŒnder und CEO von Proton, diese Woche bei Ben {ungeskriptet} zu Gast. Er sprach nicht nur ausfĂŒhrlich ĂŒber Proton, sondern auch ĂŒber die GrĂŒndungsphase, das Crowdfunding und darĂŒber, wie aus einer Idee, die aus Business-Sicht kaum erfolgversprechend war, am Ende doch ein großer Erfolg wurde.

Manchmal hilft es offenbar, nicht zu wissen, dass etwas in der Theorie gar nicht funktionieren kann, damit es am Ende doch funktioniert. 😄

Faszinierend ist aber nicht nur die Firmengeschichte. Neu war fĂŒr mich auch, wie kritisch der Unternehmer auf die EU, Konzerngiganten und geopolitische Herausforderungen blickt. Mit seinen taiwanesischen Wurzeln blickt er auf manche Themen ganz anders als EuropĂ€er. Ben musste mehrfach nachfragen, weil ihm Andys Gedanken nicht sofort klar waren.

Wer sich fĂŒr Geopolitik, Wirtschaft und PrivatsphĂ€re interessiert, wird mit diesem Interview voll auf seine Kosten kommen. Du findest es hier.


Eine Werbung

Wenn du Bitcoin direkt in deine eigene Wallet kaufen möchtest, lohnt sich ein Blick auf Coinfinity. Der Bitcoin-Broker aus Österreich bringt ĂŒber 11 Jahre Erfahrung mit und ermöglicht den Kauf entweder ĂŒber die App oder bequem im Browser am Computer.

Was ich an Coinfinity ganz besonders schĂ€tze, ist der persönliche und freundliche Kunden-Support. Mit dem Code NICOLE sparst du 21% GebĂŒhren in den ersten sechs Monaten. Den Link dazu findest du hier.


3. Eine Irritation

Einen Wermutstropfen gab es im GesprĂ€ch zwischen Andy und Ben allerdings doch: Als Andy darĂŒber sprach, dass die Bitcoin- und die Krypto-Bubble jeweils ganz unterschiedliche Gruppen sind, outete sich Ben als Unwissender. „I didn’t know that“ war seine ehrliche Reaktion.

Den kurzen Video-Ausschnitt findest du hier

Das hat mich sehr ĂŒberrascht und fast schon empört – denn schließlich hatte Ben bereits einen der grĂ¶ĂŸten Bitcoin-Maximalisten der DACH-Region in seinem Podcast zu Gast. Das scheint aber nicht hĂ€ngengeblieben zu sein. Zeit fĂŒr eine Wiederholung mit Blocktrainer Roman Reher
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4. Eine Zeitenwende?

Manche Nachrichten sind so gewaltig und potenziell so wegweisend, dass es fast wieder verwirrend ist, wie wenig Beachtung sie bekommen.

So ging es mir diese Woche mit einem Artikel der Financial Times: Der Iran will fĂŒr die Passage durch die Straße von Hormus die GebĂŒhren in Bitcoin eintreiben. Das allein ist schon bemerkenswert – schließlich lĂ€uft durch diese Meerenge rund ein FĂŒnftel des weltweiten Ölhandels auf dem Seeweg.

Was in einer der bekanntesten internationalen Wirtschaftszeitungen fast nebenbei erwĂ€hnt wird, dĂŒrfte vielen Bitcoinern den Atem stocken lassen. Denn hier zeigt sich zumindest in AnsĂ€tzen, wie die Spieltheorie hinter Bitcoin in der Praxis funktioniert: In geopolitisch angespannten Zeiten, in denen Staaten einander misstrauen und Sanktionen umgehen wollen, werden Zahlungsformen attraktiv, die nicht von einem einzelnen Staat kontrolliert werden.

Ob das am Ende vor allem Bitcoin oder mehrere KryptowĂ€hrungen parallel betrifft, ist noch nicht ganz klar. Andere Berichte nennen zusĂ€tzlich den chinesischen Yuan. FĂŒr eindeutige Schlussfolgerungen ist es noch zu frĂŒh.

Auf X hat ein Nutzer vorgerechnet, dass der Iran innerhalb kurzer Zeit mehr Bitcoin akkumulieren könnte als Michael Saylor mit Strategy (ehemals MicroStrategy). Ob diese Rechnung aufgeht, ist noch völlig offen.

Trotzdem bleibt die Nachricht bemerkenswert. Denn sollte sich hier tatsĂ€chlich ein geopolitischer Anwendungsfall fĂŒr staatlich akzeptierte Bitcoin-Zahlungen bestĂ€tigen, dĂŒrfte das in Washington, Peking und vielen anderen HauptstĂ€dten kaum ohne Konsequenzen bleiben


Hat das Rennen um das einzige absolut begrenzte Gut der Welt jetzt wirklich begonnen?

Übrigens sehen Kritiker in der möglichen Nutzung von Bitcoin durch den Iran einen weiteren Beweis dafĂŒr, dass Bitcoin etwas Dunkles und Kriminelles sei. Offensichtlich ĂŒbersehen sie dabei das Kriegspotential, das grenzenlos erzeugbares Fiat-Geld ĂŒberhaupt erst möglich gemacht hat


Link zum Post

5. Ein Interview

Hast du dich schon immer gefragt, warum mein YouTube-Kanal und Newsletter Heart Money heißen?

Manche finden den Namen kitschig, andere erkennen die Doppeldeutigkeit nicht, und wieder andere verstehen sofort und mit strahlenden Augen, was Bitcoin und Herz gemeinsam haben.

Meine ausfĂŒhrliche ErlĂ€uterung dazu findest du im Blogbeitrag bei Coinfinity. Es geht um RationalitĂ€t, Intuition und Freiheit. Das persönliche Interview dazu findest du hier.

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Danke fĂŒrs Lesen! Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat, hinterlasse doch gerne ein Herz und einen Kommentar. Dein Feedback hilft, diesen Newsletter besser und bekannter zu machen.

Hab einen schönen Montag oder eine gute Woche – ganz egal, wann du diese Worte liest.

Nicole ❀


Veröffentlicht am 13. April 2026 auf Substack.